Megabauten und Börseneinbrüche:Es sind oft Patente aus den USA, die Jahrzehnte später in anderen Regionen der Welt erneut erblühen

Es gibt allerdings auch Ausnahmen. Das sind politisch motivierte Bauten wie das One World Trade Center, das auf dem Gelände der von Terroristen 2001 zerstörten Zwillingstürme gleichen Namens errichtet wird. Hier spiele die Stimmung an den Kapitalmärkten zu Baubeginn keine so große Rolle wie bei rein privatwirtschaftlich ambitionierten Gebäuden, sagt Löffler. "Das Trade-Center-Projekt diente auch dazu, der Welt zu zeigen, dass Amerika nicht vor Terroristen weicht, sodass es auf jeden Fall finanziert worden wäre."

Die Amerikaner, die sich eigentlich schon vor mehr als dreißig Jahren aus dem Wettrennen um die größten und spektakulärsten Wolkenkratzer-Projekte verabschiedet hatten, ließen sich erst vor wenigen Wochen von einer Jury die 124 Meter lange Stahlspitze des neuen Turms auf Ground Zero als zugehörig zum Gebäude deklarieren; damit ist das neue World Trade Center, zu dem noch drei niedrigere Gebäude gehören, mit 541 Metern Höhe das höchste Gebäude Nordamerikas. Der um zwölf Meter höhere CN Tower in Toronto ist ein Fernsehturm und zählt daher in der Rekord-Gebäudestatistik nicht mit.

Die Stahlskelettbauweise, nach der bis heute die meisten Wolkenkratzer konstruiert werden, ist genauso an der Ostküste der USA erfunden worden wie die meisten Innovationen an den Börsen auch. Aber wie so oft, blühen US-Patente Jahrzehnte später in anderen Regionen der Welt auf. Vor allem Asien eifert den USA nach.

Auch hier eine interessante Parallele: In China gibt es derzeit die meisten Hochhausprojekte wie auch die größten Fortschritte an den Kapitalmärkten. Peking liberalisiert vehement seine Kapitalmärkte. Das Land gehört zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften und ist auch die größte Gläubigernation der Welt. Gleichzeitig verantworten die Chinesen derzeit zwei Großbauprojekte: Der noch im Bau befindliche Shanghai Tower ist mit 632 Metern Höhe bereits jetzt das zweithöchste Gebäude der Welt. Abgelaufen wird ihm der Rang dann 2015 erstmal von der Konkurrenz im eigenen Lande, dem auf 660 Meter geplanten und gleichfalls im Bau befindlichen Pingan International Finance Centre in Shenzhen. Und ein in der Provinzhauptstadt Changsha geplanter, aber noch nicht genehmigter Wolkenkratzer namens Sky City soll mit 838 Metern Höhe sogar um fast zehn Meter höher sein als der derzeitige Rekordhalter, der Hotel- und Bürokomplex Burj Khalifa in Dubai.

Aber die arabische Welt steht ja schon wieder bereit für die nächste Gigantomanie. In Namen der saudischen Königsfamilie haben Anfang des Jahres die Fundamentarbeiten am Kingdom Tower begonnen. Nach den Analysen Löfflers haben die Börsianer an diesen Märkten also besonderen Grund, vorsichtig zu sein.

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