Meeresschutz Umweltverträglich brutzeln

Bart van Olphen ist Starkoch, Fan von Meeresfrüchten und der Popstar des Meeres­schutzes.

Von Janis Beenen

Wahrscheinlich ist Bart van Olphen Idealist, vielleicht auch nur ein kluger Geschäftsmann. Zumindest hat er es geschafft, sich, seine Ansichten und seine Firma geschickt zu vermarkten. So hat er es zum kochenden Popstar des Meeresschutzes gebracht. Seit etwa 15 Jahren reist der Niederländer um die Welt und engagiert sich für nachhaltigen Fischfang. Auf Youtube und bei Instagram berichtet er von seinen Touren und brutzelt für das Publikum umweltverträgliche Gerichte.

Zu Beginn seiner Karriere sah es nicht so aus, als ob er ein großer Naturfreund werden würde. Nachdem van Olphen in Den Haag Hotelmanagement gelernt hatte, zog es ihn Ende der 1990er-Jahre in die Pariser Gastronomie. Die riesige Auswahl an Fisch und Meeresfrüchten, so viel größer als in der Heimat, faszinierte den heute 47-Jährigen. Nachhaltigkeit war freilich kein Thema. Inspiriert ging er zurück nach Amsterdam und eröffnete einen Fischladen. "Im Großhandel und auf den Fischbörsen bekam ich Zweifel", sagt van Olphen: "Diese Massen kamen mir nicht mehr normal vor." Also habe er begonnen, sich über den Fang zu informieren. Es war die Zeit, in der der Kampf für die Schonung der Bestände gerade eine Lobby bekam. Die Naturschützer des World Wildlife Fund (WWF) und der Konsumgüterkonzern Unilever hatten die Organisation Marine Stewardship Council (MSC) entwickelt. Die Initiative zertifiziert bis heute Fischereien, die Rücksicht auf das Ökosystem nehmen.

Über WWF und MSC lernte van Olphen erstmals die unrühmliche Seite der Branche kennen. Dann habe er sich entschlossen, vom Geld, das er mit seinem ersten Kochbuch verdiente, nachhaltige Fischereien auf verschiedenen Kontinenten zu besuchen. Solche Reisen macht er immer noch. Damit ist es ihm gelungen, zwei Marken aufzubauen. Zum einen sich selbst in den sozialen Medien. Vor drei Jahren adelte ihn sogar Jamie Oliver mit einer Anfrage. Seitdem produziert van Olphen Videos für den britischen Starkoch. Zum anderen gründete er die Marke "Fish Tales".

"Fish Tales" ist ein Label für nachhaltige Produkte, die mittlerweile auch in deutschen Supermärkten liegen. Ziel ist Genuss mit reinem Gewissen. Denn etwa 80 Prozent der Bestände weltweit sind an der Belastungsgrenze oder überfischt. Alle "Fish-Tales"-Angebote aus Wildfang tragen das MSC-Siegel. Van Olphen weiß, dass dieses umstritten ist. Naturschützer kritisieren die Vergaberegeln als zu lasch. Manche Betriebe seien MSC-zertifiziert, obwohl sie internationale Standards verletzen. Hundertprozentig sicher könne man sich natürlich nicht sein, gesteht van Olphen ein. Doch er vertraue grundsätzlich dem wissenschaftlichen Ansatz des MSC: "Was wäre die Alternative? Ohne MSC wären wir beim Meeresschutz zehn, 15 Jahre zurück." Damals hätten die Konsumenten kaum die Chance gehabt, Qualität nachzuvollziehen.

"Fish Tales" verspricht noch mehr als der MSC. Die Ware sei nicht nur nachhaltig. Man arbeite mit den Fischern auch an einer Lösung der gesellschaftlichen Probleme vor Ort - unter anderem mit fairer Bezahlung. Sonst haben viele im extremen Preiskampf, gerade in Entwicklungsländern, kaum eine Wahl, als zu überfischen.

Den Kunden räumt das Unternehmen Transparenz ein. Unter anderem sollen Karten auf der Verpackung die Rückverfolgung der Lieferkette ermöglichen. Das alles kostet. Bei Thunfisch aus der Dose müssen Kunden fünf bis zehn Prozent mehr zahlen, so van Olphen. Eine traditionelle Jagdmethode mit Angel statt Netz sei notwendig, um den Beifang zu begrenzen. Bei weniger gefährdeten Arten oder Regionen falle der Preisanstieg geringer aus. "Doch generell ist Fisch aktuell zu billig", klagt van Olphen.