Medizintechnik:Siemens feiert an der Börse

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Bernd Montag, CEO of Siemens Healthineers rings the bell for the official share trading start following an initial public offering (IPO) at the trading floor of FrankfurtâÄÖs stock exchange in Frankfurt

Börsengänge sind immer eine große Inszenierung: Medizintechnik-Chef Bernd Montag läutet zum Handelsstart die Glocke.

(Foto: REUTERS)

Der Konzern verkauft Teile seiner Medizinsparte. Warum tut er das? Und was bedeutet das für Anleger? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Von Thomas Fromm, Benedikt Müller, Meike Schreiber und Jan Willmroth

Am Anfang stand eine Panne. Wenige Minuten vor dem größten Börsengang seit etwa zwei Jahren streikte am Morgen das Handelssystem der Börse in Frankfurt. Doch inzwischen ist das Problem behoben. Die Siemens-Medizintechniksparte Healthineers ist an den Aktienmärkten notiert. Sie gilt als einer der profitabelsten Bereiche des Konzerns.

Der Ausgabepreis für die Aktie lag bei 28 Euro. Zum Handelsstart stieg der Kurs leicht. Doch warum trennt sich Siemens überhaupt von den Anteilen? Was steckt genau hinter Healthineers? Und ist ein solcher Börsengang vielleicht auch für Privatanleger interessant? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überlick.

Womit verdient Siemens Healthineers Geld?

Das Unternehmen ist Weltmarktführer für Röntgengeräte sowie für Apparate für Magnetresonanz- und Computertomografie, vielen Patienten bekannt als MRT und CT. Stark gewachsen ist außerdem das Geschäft mit Labordiagnostik. Wichtige Konkurrenten sind General Electric und Philips: Bei Röntgen- und CT-Apparaten teilen die großen Drei den Markt weitgehend unter sich auf. Bei Laboranalysen ist der Pharmakonzern Roche ein starker Gegenspieler, aber auch viele kleinere Unternehmen mischen mit. Der Gesundheitsmarkt wächst schnell und verändert sich rapide - gute Voraussetzungen für einen börsennotierten Konzern, der zuletzt rund 14 Milliarden Euro Umsatz machte und dabei einen Gewinn von 2,5 Milliarden Euro einspielte.

Warum will Siemens den Bereich überhaupt loswerden?

Siemens will sich nicht komplett von seinem Medizintechnikgeschäft verabschieden, sondern die Mehrheit an der Firma erst einmal behalten. Allerdings verfolgen die Münchner zurzeit eine klare Strategie: Eigenständig arbeitende Einzelteile des Konzerns sollen am Ende erfolgreicher sein als ein großes Konglomerat. In diesem Zusammenhang steht auch der Börsengang der Medizintechnik, die zu den Traditionsgeschäften der Münchner gehört. Konzernchef Joe Kaeser will aus Siemens etwas machen, das er "Flottenverband" nennt: Geschäftsbereiche wie die Healthineers sollen durch mehr Selbstständigkeit beweglicher werden.

Was ändert sich für eine Firma durch einen Börsengang?

Eine AG hat plötzlich mehr Freiheit. Sie kann selbständig zukaufen oder Kredite über Anleihen aufnehmen. Ein Geschäft wie die Medizintechnik kann dann leichter mit Wettbewerbern verglichen werden. Nach einer Erstnotiz steht ein Unternehmen aber auch unter viel intensiverer Beobachtung. Die Firma muss ihre Schwachstellen offenlegen, ihr Börsenwert ändert sich permanent. Zudem können andere Konzerne bei dem Unternehmen einsteigen.

Wie schnell es daher mit der Unabhängigkeit vorbei sein kann, erlebt derzeit die Firma Innogy. Der Energiekonzern RWE hat den Stromversorger im Herbst 2016 in Teilen an die Börse gebracht. Doch nun soll Innogy zerschlagen werden. Konkurrent Eon will die Netze und Stromkunden übernehmen, der Ökostrom soll zurück an RWE gehen. Entsprechende Pläne haben die Konzerne in dieser Woche veröffentlicht. So haben sie sich bei Innogy ihre neue Freiheit nicht vorgestellt.

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