Mediziner im Streik:Was die Ärzte wirklich fordern könnten

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Den Ton in der Ärzteschaft aber gibt eine ebenso aktive wie radikale Minderheit an. Diese sucht und wählt sich ihre Funktionäre, und die treten dann eben auch radikal auf. Doch führt die ebenso übertriebene wie routiniert dargebrachte Revoluzzer-Pose zu einem großen Problem: Sie mutet derart grotesk und lebensfremd an, dass man sie leicht abtun kann. Dabei gehen dann leider auch die wirklich berechtigten Forderungen der Ärzteschaft unter.

So verfügen die Ärzte im aktuellen Honorarstreit über durchaus gute Argumente. Die beschlossene Honorar-Steigerung von 0,9 Prozent ist tatsächlich wenig angesichts der hohen Tarifabschlüsse in anderen Branchen. Dabei spielt auch keine Rolle, wie viel die Ärzte schon jetzt verdienen. Denn selbstverständlich muss es auch für Gutverdiener Gehaltsverbesserungen geben. Klar ist auch, dass die magere Erhöhung insbesondere deshalb Frust weckt, weil das Gesundheitssystem derzeit regelrecht in Geld schwimmt.

Aus zwei guten Gründen kann man das Ergebnis aber auch für fair halten. Zum einen haben die Ärzte ihr Gehalt in den vergangenen fünf Jahren deutlich steigern können - selbst im Jahr der schwersten Rezession in der Geschichte der Bundesrepublik. Zum anderen handelt es sich nur um die erste Runde der Verhandlungen. In der zweiten und dritten wird noch einiges an Geld hinzukommen.

Natürlich haben die Ärzte wie jede andere Berufsgruppe das gute Recht, ihre Interessen zu vertreten. Gelingen kann ihnen das nur, wenn sie die Politik unter Druck setzen; und das gelingt nur, wenn sie die Bevölkerung für ihre Sache gewinnen können. Schaffen es die Mediziner nicht, die Leute auf ihre Seite zu ziehen, werden sie sich nicht durchsetzen, werden die Proteste und Praxisschließungen nur zu Unverständnis und Ärger führen. Dann könnte wirklich wahr werden, was die Ärztefunktionäre bislang nur so lautstark beklagen. Dann könnte das gute Ansehen der Ärzte verloren gehen.

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