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Mediziner aufs Land:Wie soll das Honorar künftig ausgehandelt werden?

Die Honorarsteigerungen sollen stärker von der Krankheitsentwicklung der Bevölkerung abhängig gemacht werden. Die Überlegung, die dahintersteckt, lautet stark vereinfacht: Je älter die Bevölkerung wird, desto kränker wird sie, desto höher ist der Behandlungsbedarf. Schon diese Annahme ist umstritten, denn man könnte auch auf die Idee kommen, dass die Menschen zwar länger leben, aber deshalb nicht schwerer krank werden als ihre Mütter und Väter. Die Entwicklung ließe sich überprüfen, wenn jeder Arzt die Krankheiten seiner Patienten genau erfassen und melden müsste. Doch genau diese sogenannten Kodierrichtlinien sollen nun nicht mehr umgesetzt werden - zu groß war der Widerwille der Ärzteschaft. Stattdessen wird künftig einfach unterstellt, dass ältere Menschen öfter und teurer zu behandeln sind.

Warum bekommen auch die Zahnärzte mehr Geld?

Traditionell zahlen die einzelnen Kassen den Zahnärzten unterschiedlich hohe Honorare für die gleiche Behandlung. Das Gesetz gleicht das nun aus. Dafür wird das Gesamthonorar der Zahnärzte um 120 Millionen Euro im Jahr erhöht.

Gibt es künftig eine Kostenkontrolle durch den Finanzminister?

Wolfgang Schäuble misstraut den Zahlen, die sein Kollege Bahr zugrunde legt. Der Finanzminister hat deshalb durchgesetzt, dass das Gesundheitsressort an anderer Stelle sparen muss, sollte das geplante Versorgungsstrukturgesetz den vereinbarten Kostenrahmen sprengen. Schäubles Interesse an der Gesundheitspolitik erklärt sich so: Bei der vergangenen Gesundheitsreform wurde festgelegt, dass Kostensteigerungen im Gesundheitswesen im Zweifel nicht mehr über Beitragserhöhungen, sondern über Zusatzbeiträge der Versicherten ausgeglichen werden. Um die Belastung der Bürger im Rahmen zu halten, ist bei hohen Zusatzbeiträgen ein Sozialausgleich vorgesehen - und der wird aus dem Bundeshaushalt finanziert. Der um einen ausgeglichenen Etat bemühte Schäuble hat also Grund, vorsichtig zu sein.