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Medien:CNN und Eurosport gehören jetzt zusammen

Donald Trump (rechts) im US-Wahlkampf 2016 auf dem Weg zu einer Veranstaltung von CNN: Der Nachrichtensender konnte in den vergangenen Jahren zulegen.

(Foto: Orjan Ellingvag/Alamy/mauritius images)

Großfusion in der amerikanischen Medienbranche: AT & T spaltet das TV-Geschäft mit dem Hollywood-Studio Warner Bros. ab und fusioniert es mit Discovery. Wichtigster Grund: die starke Konkurrenz durch die Streamingdienste Netflix und Disney.

Von Caspar Busse

Es war eine dieser Entscheidungen, die als visionär gepriesen werden, sehr viele Milliarden kosten - und nicht lange Bestand haben. Erst vor drei Jahren hatte der amerikanische Telekomkonzern AT & T das Medienunternehmen Time Warner gekauft, dafür die stolze Summe von mehr als 80 Milliarden Dollar gezahlt und sich enorm verschuldet. Die Idee: Es sollte ein Unternehmern entstehen, dass sowohl im Medien- als auch im Telekommunikations- und Infrastrukturgeschäft groß ist - Telefonanschluss und Inhalte aus einer Hand sozusagen. Zu Time Warner (heute Warner Media) gehören unter anderem der Nachrichtensender CNN, der Kabelsender HBO, TNT oder das Hollywood-Filmstudio Warner Bros. mit Kinoproduktionen wie "Batman", "Wonder Woman" oder "Harry Potter".

Diese Strategie kann seit diesem Montagmorgen als endgültig gescheitert gelten. AT&T-Chef John Stankey verkündete die Trennung vom Mediengeschäft. Die Sparte soll ausgegliedert werden und mit dem US-Medienunternehmen Discovery fusionieren. Letzteres konzentriert sich bisher vor allem auf Dokumentation, auf Koch- und Wissenschaftsshows und auf Sport - dazu gehören Sender wie Animal Planet, Food Network und Eurosport, in Deutschland Dmax oder neuerdings Tele 5. Discovery hatte vor einigen Jahren für Aufsehen gesorgt, als der Konzern die Fernsehrechte an den Olympischen Spielen bis zum Jahr 2024 erworben hatte. Großaktionär war bisher John Malone, der in den USA und international an Fernsehkabelunternehmen beteiligt ist.

Auch ein Deutscher ist an entscheidender Stelle mit an Bord

Durch das Zusammengehen entsteht jetzt ein neuer Medienkonzern mit erheblichem Gewicht. Der gemeinsame Umsatz soll bei etwa 50 Milliarden Dollar liegen. Der Name der neuen Firma wird demnächst bekannt gegeben. Klar ist: Geführt werden soll das neue Unternehmen vom derzeitigen Discovery-Chef David Zaslav. Auch ein Deutscher ist an entscheidender Stelle mit an Bord: Vor etwa vier Jahren ist Gunnar Wiedenfels als Finanzvorstand zu Discovery gewechselt, der frühere McKinsey-Berater war zuvor in gleicher Position beim Münchner Fernsehunternehmen Pro Sieben Sat 1 Media gewesen. "Unsere Taschen sind gut gefüllt", sagte er einmal im SZ-Interview.

Das trifft auf AT & T nicht unbedingt zu. Denn das Unternehmen ist hoch verschuldet, muss gleichzeitig in den Aufbau eines 5G-Mobilfunknetzes investieren und sich in den USA gegen aggressive und erfolgreiche Wettbewerber wie T-Mobile US wehren, eine Tochter der Deutschen Telekom. Die Trennung von der Mediensparte bedeutet nun eine deutliche Verschlankung und die Rückkehr zum eigentlichen Kerngeschäft, der Telekommunikation. AT&T hatte erst im Februar einen Anteil am Fernsehsatelliten-Betreiber DirecTV verkauft. Kein Einzelfall: Auch AT & T-Konkurrent Verizon trennt sich inzwischen von teuren Medienzukäufen, veräußerte etwa die Online-Sparte mit den Internet-Pionieren Yahoo und AOL.

Dazu kommt, dass sich die Medienmärkte gerade vehement und grundsätzlich wandeln. Die großen Streamingdienste sind - nicht zuletzt wegen der Corona-Pandemie - sehr erfolgreich. Netflix konnte die Zahl der zahlenden Abonnenten auf mehr als 200 Millionen weltweit steigern. Auch Disney Plus war vom Start weg sehr erfolgreich. Die Kunden sitzen zu Hause auf dem Sofa, können bei den Streamingdiensten das Programm selbst auswählen und wandern deshalb von den linearen Sendern und Kabelkanälen ab. Zwar kommen HBO und HBO Max inzwischen ebenfalls weltweit auf knapp 64 Millionen Abonnenten, sie können es damit aber nicht mit Disney oder Netflix aufnehmen. Zusammen mit Discovery und deren rund 88 Millionen Zuschauern sind HBO und CNN nun schlagkräftiger und agieren durch die Ausgliederung auch unabhängiger. CNN hatte zuletzt während der Pandemie und der Präsidentschaft von Donald Trump sowie im US-Wahlkampf deutlich zugelegt, weil das Bedürfnis an Informationen gestiegen ist. Der neue Firmenchef Zaslav betonte, man wolle CNN behalten und noch ausbauen.

Die Fusion ist komplex: Am Ende sollen die AT&T-Aktionäre 71 Prozent an dem neuen börsennotierten Medien-Unternehmen halten, zu dem dann die ehemaligen Warner-Sender wie auch die Discovery-Fernsehkanäle gehören, dazu das Hollywood-Studio Warner Bros. Zugleich erhält AT&T 43 Milliarden Dollar, um die eigenen Verbindlichkeiten zu reduzieren. Mit Abschluss des Deals wird bis Mitte nächsten Jahres gerechnet. An der Börse sorgte die Ankündigung des Projekts für Begeisterung. Discovery-Aktien stiegen zunächst deutlich um gut zehn Prozent und peilten damit den besten Tag seit mehr als zwölf Jahren an. AT&T legten rund vier Prozent zu. Netflix und Disney verloren hingegen leicht.

© SZ
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