Media Markt und Saturn:"Billiger geht so" stimmt nicht immer

Wer den Kampf um die Macht bei Media-Saturn verstehen will, muss genau hinschauen und zuhören. Vergangene Woche etwa, als die Elektronik-Kette in einer schlichten Lagerhalle in Aschaffenburg eine neue Online-Strategie verkündete. Der Schauplatz hatte Symbolcharakter: Geografisch fast genau zwischen den beiden Firmensitzen Düsseldorf und Ingolstadt gelegen. Und dann auch noch in der zentralen Versandhalle von Redcoon, dem Internethändler, den Media-Saturn gerade gekauft hat und der das Unternehmen endlich ins Online-Zeitalter katapultieren soll. Spät, aber gerade noch rechtzeitig, wenn alles gutgeht.

Was sich auf dem eigens aufgebauten Podium zwischen Paletten voller versandfertiger Fernseher abspielte, sollte die Kräfteverhältnisse bei dem Elektronikhändler klarmachen: Durch das Programm führte der Metro-Kommunikationschef, nicht sein Pendant von Media-Saturn. Zur Einführung sprach Metro-Finanzvorstand Olaf Koch. Anschließend ergriff nicht etwa Media-Saturn-Chef Horst Norberg das Wort, um die künftige Strategie im Detail zu erläutern, sondern es redete dessen Vize Rolf Hagemann, der auch Finanzchef ist. Er gilt nicht nur in Ingolstadt als Abgesandter von Metro aus Düsseldorf.

Erich Kellerhals sei über die Metro-Show auf der Media-Saturn-Bühne erbost gewesen, heißt es aus seinem Umfeld. Geärgert habe ihn vor allem, dass in Aschaffenburg ständig von Fehlern und jahrelangen Versäumnissen bei Media-Saturn die Rede gewesen sei. Genüsslich hatten die Akteure auf dem Podium bei Redcoon vorgerechnet, dass das Betriebsergebnis bei Media-Saturn seit etwa fünf Jahren bei rund 600 Millionen Euro stagniert, während die Umsätze gleichzeitig stark gestiegen sind. Diese vermeintliche Selbstkritik sei in Wirklichkeit ein Affront gegen ihn, soll Kellerhals getobt haben.

Aber es hilft ja nichts: Das Geschäftsmodell, das Media-Saturn groß gemacht hat, funktioniert nicht mehr. Es setzt auf Eigenverantwortung der jeweiligen Marktgeschäftsführer. Sie sind nicht nur mit zehn Prozent an ihren Läden beteiligt. Sie reden auch mit bei der Einkaufs-, Preis- und Markenpolitik. Inzwischen wissen aber viele Verbraucher, dass es nicht immer richtig ist, wenn der Marktführer behauptet: "Billiger geht so." Die durchschnittlichen Preise in den Märkten liegen deutlich über denen von Onlinehändlern. Manchmal sind sogar andere Ladenbetreiber billiger.

Media-Saturn musste reagieren und verkauft seit einigen Wochen viele Produkte billiger - zu Lasten des Gewinns. Um das auf Dauer zu finanzieren, muss nun gespart werden, Stellenstreichungen inklusive. In diesem Jahr sollen 3000 der insgesamt 70.000 Arbeitsplätze wegfallen. Media-Saturn ist angezählt.

Die Oberchefs von Metro wissen, dass der Zeitpunkt noch nie so günstig war, um bei der Tochter mehr Einfluss zu gewinnen. Nur zu gern würde der Großaktionär auch beim Aufbau des Internetgeschäfts noch mehr aufs Tempo drücken. Etwa durch den Kauf von weiteren Online-Händlern. Doch Kellerhals sieht keine Eile. Nach SZ-Informationen hat er bei zwei Akquisitionen, über die in weiten Teilen schon Einvernehmen bestand, sein Veto eingelegt. Erst einmal solle man mit den bestehenden Einheiten weiterarbeiten, als neue hinzuzukaufen, soll Kellerhals erklärt haben. Cordes hingegen fühlt sich einmal mehr blockiert.

Wenn es aber schon bei diesen Themen keine Einigkeit gibt, wie soll dann das Fernziel von Metro jemals Zustimmung im Eigentümerkreis finden - Media-Saturn an die Börse zu bringen?

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