Media-Markt-Gründer Erich Kellerhals:Ein Milliardär von nebenan

Erich Kellerhals gestorben

Der Mitgründer der Elektronikkette Media Markt, Erich Kellerhals, und seine Frau Helga im Sommer bei den Salzburger Festspielen

(Foto: dpa)

Mit der Erfindung des Media Markt hat Erich Kellerhals nicht nur den Elektronikhandel revolutioniert. Später stritt er sich mit den neuen Eigentümern hartnäckig. An Weihnachten ist der 78-Jährige gestorben.

Von Uwe Ritzer, Ingolstadt

Bis zuletzt war er hartnäckig, streitbar und aus der Perspektive seiner Gegner bockig. Jahrelang lieferte sich Erich Kellerhals einen spektakulären und phasenweise wüsten Kampf gegen die Metro AG, respektive deren Nachfolgerin Ceconomy AG. Von einem eigenen Internet-Blog aus startete Kellerhals eine Attacke nach der anderen gegen den Konzern, der ihm seine Minderheits- und Vetorechte bei Media-Saturn, Europas größtem Elektronikhändler, streitig machte. Doch der Reihe nach.

Erich Kellerhals stammt aus kleinen Verhältnissen. 1939 in Ingolstadt geboren, eröffnete er dort mit seiner Frau Helga 1963 ein Geschäft, in dem Ölöfen, Kohlenherde und Fahrräder verkauft wurden. Wenig später stieg das Geschäft der Familie Kellerhals auf Fernseher um.

Die Idee Media Markt sollte den Handel auch in anderen Sparten revolutionieren

Einer der Verkäufer, Leopold Stiefel, erwies sich als besonders pfiffig und tüchtig. Er entwickelte gemeinsam mit dem Ehepaar Kellerhals und dem Marketing-Mann Walter Gunz eine Idee, die den Handel auch in anderen Sparten revolutionieren sollte: Ein vielfältiges Angebot, anstatt sich auf eine Elektronikmarke zu konzentrieren, wie es bis dahin üblich war; Unterhaltungselektronik und Hausgeräte in einem Geschäft; die Präsentation der Ware in spartanisch eingerichteten Läden, auf einer möglichst großen Fläche und zu möglichst niedrigen Preisen; Beratung nur dann, wenn der Kunde sie wünscht. Kurz: Media Markt war erfunden.

Im November 1979 eröffnete in München der erste Media Markt. In den folgenden Jahren expandierte das Unternehmen rasant; 1990 kamen die Saturn-Märkte hinzu, die von Kellerhals & Co. übernommen wurden. Heute umfasst die Media-Saturn-Gruppe etwa 1000 Märkte im In- und Ausland. Dort und im Onlinehandel erwirtschafteten 65 000 Mitarbeiter im Geschäftsjahr 2016/17 einen Nettoumsatz von 22 Milliarden Euro. Ein wichtiges strukturelles Detail geht bis heute auf die Gründer zurück: Jeder Markt agiert weitgehend autark, die jeweiligen Geschäftsführer sind mit zehn Prozent beteiligt. "Das fördert ihren Unternehmergeist", sagte Kellerhals.

Kellerhals misstraute den Konzernmanagern zutiefst

Von den Gründern war Erich Kellerhals der letzte, der noch im Unternehmen verblieben war. Gunz und Stiefel haben sich schon vor Jahren zurückgezogen und ihre Anteile verkauft. Gut drei Viertel von Media-Saturn gehören der Metro AG respektive ihrer Abspaltung Ceconomy, in welcher der Handelskonzern vor einigen Monaten seine Aktivitäten im Elektronikhandel gebündelt hat. Kellerhals hielt über seine Beteiligungsfirma Convergenta knapp 22 Prozent. Da wichtige Gesellschafterbeschlüsse jedoch mit mindestens 80 Prozent gefasst werden müssen, verfügt die Convergenta über eine Sperrminorität. In unzähligen Prozessen konnte Metro/Ceconomy diese zwar aufweichen, sie aber nicht aushebeln.

Zuletzt näherten sich die Streitparteien wieder vorsichtig an: Der erfahrene Mediator Clemens Vedder sollte zwischen beiden Seiten vermitteln. Ein schwieriges Unterfangen, denn Erich Kellerhals fühlte sich zutiefst in seiner Ehre gekränkt. Längst von Ingolstadt in die Nähe von Salzburg umgezogen, misstraute er allen Konzernmanagern zutiefst. Sie hätten keine Ahnung vom Handel, befand er mehr als einmal. Das sollte auch heißen: Im Gegensatz zu mir.

Noch im Rentenalter erweiterten Kellerhals und seine Familie ihr kleines Imperium, das abgesehen von den Media-Saturn-Anteilen aus Immobilien, Grundstücken und Einkaufszentren besteht. Im persönlichen Umgang trat der Patriarch verbindlich, gelassen und bescheiden auf, eine Art Milliardär von nebenan, der selbst harte verbale Attacken auf seine Gegner in ruhigem Ton abfeuerte. Einmal von etwas überzeugt, verfolgte er seine Pläne hartnäckig und bisweilen auch stur. Seinen letzten großen Kampf mit Ceconomy allerdings wird Erich Kellerhals nicht mehr ausfechten können. Am ersten Weihnachtsfeiertag verstarb er im Alter von 78 Jahren im Kreise seiner Familie.

© SZ/mahu
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