McDonald's:Brötchen-Käse-Fleisch-Brötchen-Gurke-Sauce-Zwiebeln-Fleisch-Brötchen

Big Mac

503 Kalorien, 25 Gramm Fett, 42 Gramm Kohlehydrate - der Big Mac.

(Foto: picture alliance / Christoph Sch)
  • Seit 50 Jahren gibt es bei McDonald's den Bic Mac zu kaufen, mittlerweile in 119 Ländern.
  • Der Burger hat es sogar bis in VWL-Vorlesungen geschafft: Der sogenannte Big-Mac-Index gilt als Indikator, welche Währungen über- oder unterbewertet sind.
  • Am teuersten ist der Big Mac derzeit übrigens mit umgerechnet sechs Euro in der Schweiz.

Von Felicitas Wilke

Seine Kunden hatten sich einen größeren Burger gewünscht, also dachte sich Jim Delligatti eben einen größeren Burger aus. Gönnerhaft sicherte die Zentrale der damals noch jungen Fast-Food-Kette McDonald's seinem Franchisenehmer aus Uniontown in Pennsylvania zu, er könne eine neue Eigenkreation entwickeln. Er dürfe aber ausschließlich auf Zutaten zurückgreifen, die McDonald's bereits nutzt. Gesagt, getan.

Aus Brötchenscheiben, Rindfleisch, Käse und ein bisschen Grünzeug setzte Delligatti eine Mahlzeit zusammen, die notfalls jedem irgendwie schmeckt, sofern er oder sie denn Fleisch isst: der Big Mac. 50 Jahre ist das jetzt her, das berühmteste Brötchen der Welt feiert den Runden. Heute vertreibt McDonald's den Burger in 36 000 Schnellrestaurants in 119 Ländern. Einzig in Indien wird die Grundrezeptur verändert und das Rind durch Huhn ersetzt.

Das Fleischmonstrum stillt aber nicht nur den Heißhunger an der Autobahnraststätte, sondern verfolgt manchen Studenten bis in den Hörsaal. Seit Jahren zeigt er vielen VWL-Erstsemestern auf anschauliche Weise, wie die Kaufkraftparität funktioniert. Weil es kaum ein Produkt gibt, das in so vielen Staaten über die Ladentische geht und sich überall so sehr ähnelt, gilt der Big-Mac-Index als grober Indikator, um zu vergleichen, wie sich die Preise eines Produkts weltweit unterscheiden. Die britische Zeitschrift Economist veröffentlichte den Index erstmals 1986, um aufzuzeigen, welche Währungen über- und unterbewertet sind. Am teuersten ist der Big Mac derzeit in der Schweiz, wo er umgerechnet knapp sechs Euro kostet.

Nicht alle Länder der Welt tauchen im Big-Mac-Index auf, so global er auch ist. Die Isländer zum Beispiel können zuhause keinen Big Mac kaufen; dort schloss die letzte McDonald's-Filiale während der Wirtschaftskrise vor acht Jahren. In Nordkorea, in Kuba oder in Iran gibt es aus politischen Gründen nirgends das gelbe M. Denn der Big Mac stillt nicht nur Hunger, er steht als eines der berühmtesten Produkte der Fast-Food-Kette auch sinnbildlich für den amerikanischen Kapitalismus - so sehr, wie es sonst vielleicht nur Coca Cola tut.

Als Ende der Neunzigerjahre beinahe eine Filiale in Teheran eröffnet hätte, protestierten die Konservativen massiv. Für sie war und ist McDonald's mit seinem Big Mac "das Symbol des Imperialismus".

503 Kalorien, 25 Gramm Fett, 42 Gramm Kohlehydrate

Um kritisch auf den Big Mac zu blicken, kann man auch durchaus Kapitalist sein. Man muss nur ein wenig auf den Erhalt der eigenen Körpermaße erpicht sein, um in dem Burger nicht die "unwiderstehliche Perfektion" zu sehen, eine Bezeichnung, wie sie McDonald's auf seiner US-Website führt. 503 Kalorien, 25 Gramm Fett und 42 Gramm Kohlehydrate lassen so manchen Cholesterinspiegel schon vom Hinschauen in ungeahnte Höhen steigen.

Doch so fettig und kapitalistisch der Big Mac ist - in dieser schnelllebigen Zeit steht er für Stabilität. Seit fünf Jahrzehnten gilt bei ihm die Formel Brötchen-Käse-Fleisch-Brötchen-Gurke-Sauce-Zwiebeln-Fleisch-Brötchen mit ein paar Salatblättchen fürs gute Gewissen dazwischen. Damit widersetzt er sich tapfer allen schnöseligen Avocado-, Ziegenkäse- und Pulled-Pork-Trends, wie sie in den Burgerboutiquen von Berlin bis München und von Delmenhorst bis Marktredwitz angeboten werden. Auch im schärfer gewordenen Wettbewerb mit dem Döner, hierzulande einem seiner Hauptkonkurrenten um die Gunst hungriger Passanten, hält er sich gut.

Jim Delligatti, der Erfinder, kann den runden Geburtstag seines Big Macs nicht mehr feiern. Er starb im vergangenen November im Alter von 98 Jahren - obwohl oder gerade weil er sich bis ins hohe Alter mindestens einmal pro Woche einen Big Mac gönnte.

© SZ vom 23.08.2017/vit
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