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Mauritius-Leaks:Geschäfte auf Kosten der Nachbarn

Die Insel Mauritius im Indischen Ozean

Eine schöne Insel für Urlauber, auch eine Steueroase: Mauritius.

(Foto: Xavier Coiffic/Unsplash)

Geheime Unterlagen zeigen: Die Steueroase Mauritius spielt eine zentrale Rolle im Offshore-Geschäft. Sie lockt Geldgeber aus dem Westen - auf Kosten anderer Länder in Afrika.

Es war eine TV-Dokumentation, die den Musiker Bob Geldof erschütterte: Eine 1984 ausgestrahlte BBC-Produktion zeigte den Hunger in Äthiopien, die kranken Erwachsenen und die sterbenden Kinder. Genau gegen dieses Leid wollte Geldof etwas tun. Zusammen mit befreundeten Weltstars wie Sting schrieb er den Benefizsong "Do they know it's Christmas?", er startete das Wohltätigkeitskonzert Live Aid und spielte Millionen ein - Millionen für Afrika.

Geldof, der Philanthrop, der Megastar, der Gutes tut - das ist die bekannte Seite des Musikers, der einst mit der irischen New-Wave-Band "The Boomtown Rats" weltbekannt wurde. Die weit weniger bekannte Seite ist die von Bob Geldof, dem Unternehmer, der in Afrika Geschäfte macht: Geschäfte in einer Steueroase, zulasten anderer afrikanischer Länder.

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2008, mehr als zwei Jahrzehnte nach dem ersten Live-Aid-Konzert, gründete Geldof die Investmentfirma 8 Miles LLP. Ihr erklärtes Ziel sind "bessere Ergebnisse in den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance bei der Gründung marktführender afrikanischer Unternehmen". 8 Miles LLP hat unter anderem in eine äthiopische Weinfirma, eine ugandische Bank und eine ugandische Hühnerfarm investiert - und zwar über Fonds und eine Firma, beide angesiedelt auf Mauritius, einer Steueroase.

Dies geht aus internen Unterlagen des Finanzdienstleisters Conyers Dill & Pearman hervor, die dem International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) zugespielt worden sind. Das ICIJ hat die etwa 200 000 Dokumente, die von den Neunzigerjahren bis ins Jahr 2017 reichen, zusammen mit der Süddeutschen Zeitung und etwa 50 Journalisten aus insgesamt 18 Ländern ausgewertet und veröffentlicht die Ergebnisse unter dem Titel Mauritius-Leaks. Conyers Dill & Pearman erklärte dazu, sich "strikt an die Gesetze aller Rechtsordnungen, in denen wir tätig sind", zu halten.

Die einstige britische Kolonie Mauritius liegt 2000 Kilometer östlich vom afrikanischen Kontinent im Indischen Ozean. Über Jahrhunderte hinweg lebte die Insel vom Export von Zuckerrohr, nach der Unabhängigkeit im Jahr 1968 aber sollten neue Einnahmequellen her. In den Neunzigerjahren sah der damalige Finanzminister Rama Sithanen, wie Luxemburg, die Schweiz und Hongkong mit niedrigen Steuern und undurchsichtigen Firmenkonstruktionen Investoren anlockten - und wollte diesem Beispiel folgen. "Es besteht das Potenzial, neue Wege zu gehen und nach neuen Märkten zu suchen", argumentierte er und brachte ein Gesetz auf den Weg, dass null Prozent Steuern auf Gewinne vorsah und die Gründung von Briefkastenfirmen ermöglichte.

Bis heute werden Dividenden oder Lizenzen auf der Insel - wenn überhaupt - nur marginal mit einer Quellensteuer belastet. Gleiches gilt für Kapitalertragssteuern. Dazu kommt: Mauritius hat kein öffentliches Firmenregister, in dem man online herausfinden könnte, wem eine Firma gehört.

Mauritius wurde qua Gesetz zur Steueroase. Und davon profitiert auch Bob Geldof: Jener Mann, der sich selbst als Afrika-Freund und Kämpfer gegen die Ungleichheit inszeniert, kann durch seine Offshore-Konstruktionen auf Mauritius jede Menge Steuern sparen. Ein Unternehmenssprecher erklärte dazu auf Anfrage: "Die Unternehmen, in die wir investieren, zahlen alle Steuern in ihrem afrikanischen Heimatland". Bob Geldof selbst wollte sich auf ICIJ-Anfrage nicht äußern.

Der Schaden, der in Afrika durch legale - aber damit noch längst nicht legitime - Steuervermeidung und illegale Steuerhinterziehung entsteht, ist immens: Jedes Jahr verlieren Entwicklungsländer mehr Geld durch Steuervermeidung, Geldwäsche und Korruption, als sie im selben Zeitraum an Hilfsgeldern bekommen. Was die Folgen für den afrikanischen Kontinent angeht, ist Mauritius eine der schädlichsten Steueroasen, kritisiert die Nichtregierungsorganisation Tax Justice Network.

Auch deutsche Unternehmen und Banken nutzen die Steueroase Mauritius. Sie gründen dort Firmen oder vergeben Kredite an dortige Firmen, investieren in Fonds oder holen sich rechtliche Ratschläge ein. Die Deutsche Bank etwa verwaltete über viele Jahre hinweg etliche Mauritiusfirmen, für einige stellte sie sogar Direktoren und berief Treffen von Anteilseignern ein. Das Bankhaus erklärte dazu auf SZ-Anfrage, dass es sich um "standardisierte administrative Bankdienstleistungen" gehandelt habe. Zu einzelnen Firmen könne man "aus rechtlichen Gründen" keine Angaben machen. Außerdem sei das Mauritius-Geschäft 2018 verkauft worden.

Volkswagen und Porsche gründeten 2014 auf Mauritius zusammen mit einem französischen Unternehmen eine Firma, um Autos nach Malawi, Kenia, Simbabwe, Sambia und in weitere afrikanische Länder zu exportieren. Steuerliche Aspekte haben dabei nach Angaben des Volkswagen-Konzerns "keine Rolle gespielt".

Dass eine Firma auf Mauritius gegründet wird, um in anderen Ländern Afrikas zu investieren, ist tatsächlich keine Seltenheit. "Ein erheblicher Teil ausländischer Investitionen in zahlreiche Staaten südlich der Sahara wird über Mauritius geleitet", sagt Jan Loeprick von der Weltbank. "Unternehmen, die zum Beispiel in Europa, Nordamerika oder China ansässig sind, lassen die Investitionen von einer Firma auf Mauritius ausführen. Dadurch kann für Erträge, die über Mauritius zurückfließen, eine erhebliche Reduzierung der Steuerlast oder Steuerbefreiung erreicht werden." Schätzungsweise 30 bis 60 Millionen Dollar fließen pro Jahr auf die Insel.

Damit die Geschäfte weiter florieren, will die Insel offenkundig verhindern, als notorische Steueroase gebrandmarkt zu werden und auf einer schwarzen Liste der Steuerparadiese zu stehen. Auch deshalb trat Mauritius 2017 einem Aktionsplan von OECD und G20 bei, der sich gegen die Verschiebungen von Gewinnen von Hoch- in Niedrigsteuerländer richtet. Doch das fällt Mauritius relativ leicht: "Zwei wesentliche Maßnahmen sind in dem Aktionsplan außen vor gelassen", sagt Sebastian Beer vom Internationalen Währungsfonds, der zu den Auswirkungen der Steuerpraktiken von Niedrigsteuerländern wie Mauritius auf die Staaten südlich der Sahara forscht. "Mauritius kann nach wie vor niedrige Quellensteuern und geringe Körperschaftssteuern anbieten." Das Geschäftsmodell der Insel bleibt also bestehen.

Mitarbeit: Will Fitzgibbon

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