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Teuerung in der Eurozone:Inflations-Anstieg erschwert Kampf gegen Schuldenkrise

Das Leben in der Eurozone wird teurer. Im September stieg die Inflationsrate auf drei Prozent. Damit war der Preisauftrieb so stark wie zuletzt vor drei Jahren. Das erschwert der EZB den Kampf gegen die Schuldenkrise. Denn für eine Zinssenkung ist jetzt kaum noch Spielraum.

Die Schuldenkrise macht den Politikern in Europa zu schaffen - und zunehmend auch den Verbrauchern. Die Inflationsrate in der Eurozone stieg im September auf drei Prozent und damit auf den höchsten Wert seit Oktober 2008.

Europaeische Zentralbank

Nach den neuen Inflationszahlen hat die EZB kaum noch eine Chancen, den Leitzins zu senken.

(Foto: dapd)

Das erschwert der europäischen Zentralbank (EZB) die Bekämpfung der Schuldenkrise. Denn normalerweise sieht sie die Preisstabilität im Eurogebiet nur bei Raten von weniger als zwei Prozent gesichert. Diese Marke wird nun schon den zehnten Monat in Serie gebrochen. Eigentlich müsste die EZB nun gegensteuern - doch das würde bedeuten, den Leitzins, der derzeit 1,5 Prozent beträgt, zu erhöhen.

Das ist angesichts der aktuell sehr labilen Wirtschaftslage allerdings ausgeschlossen. Vielmehr herrschte zuletzt aufgrund der düsteren konjunkturellen Aussichten sogar die Erwartung, dass die EZB bei ihrer Ratssitzung in der kommenden Woche die Zinsen senken würde. Das österreichische Ratsmitglied Ewald Nowotny etwa wollte das nicht ausschließen.

Die EZB hatte den Leitzins im April und Juli um je 0,25 Punkte auf aktuell 1,5 Prozent erhöht und danach eine Zinspause angekündigt. Zentralbank-präsident Jean-Claude Trichet sagte erst unlängst, dass die Eurozone in den kommenden Monaten mit Inflationsraten über zwei Prozent leben müsse. Aber sogar mit Werten über drei Prozent?

Nach Ansicht von Volkswirten heizte insbesondere ein kräftiger Anstieg bei den Sprit- und Heizölpreisen die Inflation an. Auch in Deutschland hatte ein kräftiger Anstieg bei diesen Produkten sowie bei Bekleidung die Inflationsrate im September auf den höchsten Stand seit drei Jahren getrieben. Die Verbraucherpreise lagen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um 2,6 Prozent höher als vor einem Jahr.

Die EZB hofft allerdings, dass die Inflation bald schon wieder abnimmt. Im jüngsten Monatsbericht der Notenbank heißt es, dass die Teuerung wegen der erwarteten Entspannung der Ölpreise "im Jahr 2012 unter zwei Prozent fallen" dürfte. Zudem erwarten immer mehr Ökonomen, dass die Eurozone vom Winter an in eine Rezession geraten könnte. Auch das würde die Inflation dämpfen. Fraglich allerdings, ob das die günstigere Perspektive wäre.