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Der Euro in der Krise:Unterstützung von Schmidt und Schröder

Am Zwangscharakter der Ökonomie, an der übergroßen Rolle des Staats, ändert jedoch auch die Tatsache nichts, dass jüngst ein Multi-Millionär ins Zentralkomitee der Kommunistischen Partei einzog. Er spreche nicht im Namen der Europäischen Union, sagt Regling hierzu, er sei nicht der richtige Ansprechpartner dafür. Er hoffe nur, die EFSF-Anleihen als attraktive Investition für China präsentieren zu können: "Ich bin zuversichtlich, dass wir eine längerfristige Beziehung haben."

Davon können Schweden auch ausgehen. Die chinesischen Unternehmen Pand Da und Youngman wollen für umgerechnet 100 Millionen Euro den Autobauer Saab übernehmen, für 100 Prozent. Das bestätigt Saab-Chef Victor Muller. Er hatte Saab Anfang 2010 von General Motors (GM) erworben und kämpfte seit dem mit schweren Problemen. Im September beantragte Saab dann Gläubigerschutz.

Am Freitag hätte ein Gericht über ein Konkursverfahren entscheiden sollen - doch in letzter Minute kamen die Chinesen. Verhandelt wurde schon länger, man konnte sich aber nicht über den Preis einigen. Um die Produktion in Trollhättan wieder in Gang zu bringen, werden die Chinesen auch die Schulden des Unternehmens zahlen müssen, darunter teilweise die Oktober-Gehälter für die mehr als 3000 Saab-Angestellten. Außerdem muss der frühere Eigentümer GM dem Deal vermutlich noch zustimmen. Saab-Chef Muller redet von "fantastischen Neuigkeiten". In Trollhättan hoffen viele, dass Saab dem guten Beispiel Volvos folgen kann. Diese Firma war im August 2010 von Ford für 1,2 Milliarden Euro an den chinesischen Autobauer Geely verkauft worden. Unter Führung des deutschen Managers Stefan Jacoby ist Volvo seitdem stark gewachsen.

China hat schon seit langem einige prominente Befürworter in Deutschland, zum Beispiel den Altkanzler Helmut Schmidt, der die Volksrepublik schon mehrmals bereiste und zu dem Thema meint, es reiche nicht, überall das demokratische Modell als Muster durchsetzen zu wollen.

Gerhard Schröder, auch ein Altkanzler aus den Reihen der SPD, plädiert energisch dafür, eine Zweckgesellschaft neben dem EFSF zu gründen, um Investoren wie China mit ins Boot zu holen. Dieses Vorhaben sei "vernünftig". Allerdings bedinge das in manchen Ländern Europas einen Sinneswandel. Vorher habe man Investitionen aus China zu meiden versucht, jetzt brauche man das Land. Die erwünschte Gegenleistung sei ein größerer Einfluss Chinas in europäischen Unternehmen und Banken - "die wollen auf Augenhöhe mitreden".

Die Idee von der Zweckgesellschaft, in der private Investoren zusammen mit dem EFSF Geld für Anleihen ausgeben, sei von Frankreich unterstützt worden, von Staatspräsident Nicolas Sarkozy, sagt Schröder. Er wolle so bekommen, was ihm mit der von Deutschland verweigerten Banklizenz für den EFSF entgangen ist: "Cash, das er für die Rettung der französischen Banken braucht."

China betrachtet Europa "mit Sorge"

Sarkozy selbst sagt: "China ist für die Rettung des Euro zwar nicht unerlässlich - aber die Europäer haben keinen Grund, chinesisches Kapital zu verweigern, das sie in einen Euro-Rettungsfonds investieren wollen." Europas Unabhängigkeit stelle das nicht in Frage. Es zeige vielmehr, dass China Vertrauen in den Euro habe.

Fred Hu, Chef der chinesischen Beteiligungsfirma Primavera Capital, erklärt, sein Land beobachte die Entwicklung in Europa seit langem "mit Sorge". Die Ergebnisse des EU-Gipfels seien aber "ermutigend". China habe "erhebliche Mittel, Europa zu helfen, für Stabilität und Wachstum zu sorgen", wirbt er und schickt ein "Ja, aber" hinterher: Diese Hilfe würde an Bedingungen geknüpft.

Alles weitere nach den "Konsultationen" des Spitzenbeamten Regling.