Maschinenbau:China überholt Deutschland

Maschinenbau

Da sprühen die Funken: Im Maschinenbau arbeiten in Deutschland viele Menschen.

(Foto: Jan Woitas/dpa)

Die Volksrepublik rückt an die Spitze bei Exporten im Maschinenbau - auch mithilfe unfairer Subventionen.

Von Eisabeth Dostert

Das bringt Karl Haeusgen, Familienunternehmen und Präsident des Branchenverbandes VDMA, jetzt erst einmal nicht aus der Ruhe. Im vergangenen Jahr hat China Deutschland als Weltmeister im Export von Maschinen und Anlagen abgelöst. Die Volksrepublik exportierte Waren im Wert von 165 Milliarden Euro, das entsprach einem Anteil von 15,8 Prozent am weltweiten Außenhandelsvolumen von rund von rund 1048 Milliarden Euro. Deutschland exportierte Maschinen und Anlagen im Wert von 162 Milliarden Euro. Die Zuschreibung "Exportweltmeister" hat für Haeusgen keine "echte Aussagekraft". Das Volumen der deutschen Ausfuhren sei ja nach wie vor hoch und die Profite seien gut. "Ob die Chinesen ein paar Millionen Euro vorne liegen, ist nicht wirklich relevant."

Was Haeusgen ärgert, sind die hohen staatlichen Subventionen für Exporte in China. "Ohne die wären manches Unternehmen gar nicht in der Lage zu exportieren. Es ist kein Wettbewerb auf Augenhöhe." Die Regierung in Peking strebe eine "technologische Autarkie im Maschinenbau an" und nehme immer stärker Einfluss auf Rahmenbedingungen, technologische Entwicklungen und sogar einzelne Marktsegmente, ergab eine Zwischenbilanz des VDMA, des Schweizer Verbandes Swissmem und des Beratungsunternehmens Sinolytics der Pekinger Strategie "Made in China 2025".

Viel entscheidender als der Titel ist für Haeusgen, wie hoch Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeiten sind. Die brauche es, um auf lange Sicht Wohlstand und Arbeitsplätze zu halten. Um die technologischen Fähigkeiten des Industriezweigs in Deutschland, aber auch in Europa ist Haeusgen nicht bange. "Da können wir ganz selbstbewusst sein. Die sind innovativ." Die Rahmenbedingungen seien gut, auch für den Transfer von der Forschung in die Praxis.

Mehr Sorgen macht sich Haeusgen um die Wettbewerbsfähigkeiten, weil sie von Faktoren abhängt, die außerhalb seines Einflusses liegen: Steuern, Bürokratie, tarifliche Vorschriften. Um das Lieferkettengesetz zu erfüllen, brauche eine Firma wie die seine, der Hydraulikspezialist Hawe, zwei Vollzeitstellen. Und das sei nicht das einzige Beispiel. "Solche regulierungsbedingten Stäbe kann sich eine Firma wie Hawe vielleicht noch leisten, aber ein Mittelständler auf der Schwäbischen Alb mit 150 Mitarbeitern nicht." Hawe setzte 2020 mit knapp 2500 Mitarbeitern gut 410 Millionen Euro um.

© SZ
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