bedeckt München 21°

Maschinenbau:Greiffenberger in Gefahr

"Zukunft ist machbar" - so lautet der Werbeslogan des Maschinenbauers Greiffenberger. Doch in Wahrheit sieht es mit der Firma ganz anders aus.

Werbeslogans können bisweilen eine ungewollte, ja gegenteilige Wirkung entfalten. Dann nämlich, wenn sie von der Wirklichkeit überholt werden. Was selbstbewusst klang, kann dann plötzlich trotzig und ängstlich wirken. Die Greiffenberger AG erlebt das gerade, ein börsennotierter Maschinenbaukonzern aus Bayern, der Antriebstechnik, Metallbandsägeblätter, Präzisionsbandstahl und Kanalsanierungstechnologie herstellt. "Zukunft ist machbar" lautet der Firmenslogan und er klingt in diesen Tagen so, als wolle sich das Unternehmen selbst Mut machen. Denn es steht mit dem Rücken zur Wand. 1100 Beschäftigte bangen um ihre Arbeitsplätze.

Unmittelbar vor dem Wochenende teilte der Konzern mit Sitz im oberfränkischen Marktredwitz und Ablegern in Augsburg (J. N. Eberle & Cie.) und Velten (BKP Berolina Polyester) in einer Pflichtmitteilung nach dem Wertpapiergesetz mit, dass die Wirtschaftsprüfer der KPMG ihr Testat für das Geschäftsjahr 2015 verweigern. Sie sähen sich nicht in der Lage, die Fortführungsprognose des Vorstands seriös zu beurteilen. Greiffenberger ist hoch verschuldet und das Eigenkapital schmilzt rapide. 2015 gab es einen Verlust von 25,7 Millionen Euro. Allein in der Antriebstechnik-Sparte ABM schlugen Wertberichtigungen von 14,5 Millionen Euro zu Buche.

Eine Aktie der familiengeführten Industrieholding kostete am Montag zeitweise weniger als 80 Cent; vor einigen Monaten war sie noch 4,60 Euro wert. Zuletzt wurde die Hauptversammlung verschoben und der Abbau von 120 Arbeitsplätzen bei der Marktredwitzer Tochterfirma ABM Antriebstechnik angekündigt, die zuletzt knapp 94 Millionen der 152,2 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete.

Für die Rettung bleibt nicht mehr viel Zeit. Die Gläubigerbanken haben Greiffenberger-Alleinvorstand Marco von Maltzan eine Frist bis Ende Oktober eingeräumt, um seinen Sanierungsplan umzusetzen. Der Unternehmensberater wechselte vorigen Herbst vom Aufsichtsrat in den Vorstand, aus dem sich Stefan Greiffenberger überraschend schnell krankheitsbedingt verabschiedete. Seine Familie - Vater Heinz ist Aufsichtsratschef und war früher Manager des Porzellanherstellers Rosenthal - hält 50,7 Prozent der Aktien. Der Rest ist im Streubesitz.

Nun sucht Marco von Maltzan händeringend nach einem Investor, denn das Unternehmen braucht dringend Geld. "Wir führen intensive Gespräche", sagt er und beziffert den kurzfristigen Finanzbedarf auf "zehn Millionen Euro". Alles sei möglich, ein Investor, der sich an der AG beteilige, Teile des Konzerns übernehme oder anderweitig Geld investiere.

Maltzan macht vor allem Probleme bei ABM für die Krise verantwortlich, die 2015 eskaliert seien. Dort habe man sich mit zu vielen Kunden verzettelt und die Fertigungstiefe des für viele Industriebranchen tätigen Antriebstechnikspezialisten sei zu tief und unwirtschaftlich. Insgesamt aber sei die Verschuldung der Greiffenberger AG zu hoch. "Die Finanzierung war sehr sportlich", so Maltzan.

Letzteres sehen Arbeitnehmervertreter und Aktionärsschützer genauso. Sie werfen dem alten Management und den Eignern vor, die Alarmsignale zu lange ignoriert zu haben. "Finanziell ist seit Jahren alles auf Kante genäht", sagt ein Gewerkschafter. "Die Probleme kommen nicht von heute auf morgen", zitierte die Frankenpost einen Aktionärsvertreter.

Leidtragende sind in jedem Fall jene 120 Beschäftigten in Marktredwitz, die ihre Jobs verlieren. Die Produktion wird teilweise in ein polnisches Greiffenberger-Werk verlagert. Für die Betroffenen soll es einen Sozialplan geben. Viele in dem oberfränkischen Werk ballen jedoch die Faust. Seit Jahren schon habe die Belegschaft immer wieder auf tarifvertragliche Leistungen verzichtet, um der Firma zu helfen, sagt einer. "Hätten wir das nicht getan gäbe es sie schon längst nicht mehr."