Maschinenbau:Frau für die frischen Ideen

Pressebilder: für Nahaufnahme: Nadja Hatzijordanou digitalisiert den traditionsreichen Maschinenbauer Körber

Nadja Hatzijordanou mag den Umgangston der Maschinenbauer. Das macht es leichter, mit allen offen zu sprechen.

(Foto: Viktor Strasse/oh)

Nadja Hatzijordanou soll den Maschinenbauer Körber digital machen.

Von Kathrin Werner, München

Nadja Hatzijordanou ist Macherin. "Bist du Macher oder Memme?", hat ihr Vater immer gefragt. Er ist als Vierjähriger mit seinen Eltern aus Griechenland nach Deutschland gekommen, der Vater war Busfahrer, die Mutter Kassiererin bei Penny. Er selbst hat studiert und heute ein eigenes Architekturbüro. "Mein Vater ist stolz darauf, dass er ein Macher ist", sagt Hatzijordanou. "Und das hat er mir weitergegeben."

Was genau Hatzijordanou macht: Digitalisierung. Die 36-Jährige soll den traditionsreichen Hamburger Maschinenbauer Körber in die digitale Welt bringen. Bei Körber prüft sie, ob sich aus Ideen, die in der Firma entstehen, eigene Start-ups gründen lassen. Die Firma kannte sie nicht, bis sie auf die Stellenausschreibung stieß. "Ich habe dann gelernt: Die sind gar nicht so klein." Genauer gesagt: Körber ist richtig groß. Mehr als 10 000 Beschäftigte bauen unter anderem Maschinen für die Herstellung, Prüfung und Verpackung von Medikamenten, Toilettenpapier oder Zigaretten. Seit einigen Jahren gibt es die Sparte Körber Digital, die mit künstlicher Intelligenz die Effizienz in der Produktion steigern will. "Der Gedanke war, dass wir mit dem wie wir es bisher gemacht haben, erfolgreich gewesen sind - aber jetzt einen neuen digitalen Weg gehen müssen, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein", sagt Hatzijordanou.

Nach dem Studium hat sie zuerst selbst ein Start-up mitgegründet, was aber eher Zufall war. Ein Bekannter der Mutter suchte jemanden, der sich mit der wirtschaftlichen Seite von Unternehmen auskannte. Hatzijordanou war gerade mit dem BWL-Studium fertig und wollte "gerne eine erfolgreiche Unternehmerin werden". Also gründeten sie gemeinsam ein Start-up für Keramikteile in besonderen Formen. "Ich war zuständig für alles, worauf die technischen Gründer keine Lust hatten", sagt sie: Finanzen, Vertrieb, Marketing, Investorengespräche. Sie lernte viel, aber irgendwann wurde ihr klar, dass aus der Idee nie ein richtig großes Geschäft werden würde. "Zu diesem Zeitpunkt fehlte mir noch Erfahrung", sagt sie. "Heute würde ich die Chancen eines Unternehmens sicher anders hinterfragen und beurteilen. Und vor allem auch das Team zum Gründen besser aussuchen."

Was gute Start-ups ausmacht, ist zu ihrem Geschäft geworden. Sie hat unter anderem als Coach beim Hasso-Plattner-Institut gearbeitet, der Potsdamer IT-Forschungseinrichtung des SAP-Mitgründers. Auch die Ergebnisse ihrer Promotion fließen ein. Sie setzte sich damit auseinander, wie Start-ups den Wettbewerb besser einschätzen können.

Die erste Körber-Ausgründung ging mit Hatzijordanous Unterstützung im vergangenen Herbst an den Start. Factorypal hat einen Algorithmus entwickelt, der die Zusammenarbeit von verschiedenen Maschinen bei der Klopapier- und Küchenrollenherstellung verbessert. Hatzijordanou arbeitet mit Kolleginnen und Kollegen aus allen Bereichen zusammen. Falls etwa ein Gründer eine Frage für einen Datenforscher hat, stellt sie den Kontakt her. Manchmal stößt sie auf Widerstände, aber die anfängliche Skepsis weiche langsam, sagt sie. "Wir wollen nicht als die hippen Digitalfuzzis wahrgenommen werden, sondern konkreten Mehrwert schaffen", sagt sie. "Und das geht nur, wenn man vertrauensvoll mit den Kollegen der anderen Geschäftsbereiche zusammenarbeitet."

© SZ
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