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Maschinenbau:Der Plagiator ist der Nachbar

Piraten kosten den Maschinenbau 7,3 Milliarden Euro. Die Digitalisierung stellt die Unternehmen vor ganz neue Herausforderungen. Bauschaum auf dem USB-Anschluss reicht nicht mehr.

Die gute Nachricht ist keine Entwarnung. 2015 ist der Schaden durch Produktpiraterie im deutschen Maschinen- und Anlagenbau deutlich von 7,9 Milliarden Euro im Vorjahr auf 7,3 Milliarden Euro gesunken, obwohl die Erlöse der Branche gestiegen sind. Ein Umsatz in dieser Höhe würde knapp 34 000 Arbeitsplätze sichern. Das geht aus einer am Mittwoch in Hannover veröffentlichten Studie des Branchenverbandes VDMA zur Produktpiraterie hervor. "Das heißt aber nicht, dass das Problem kleiner geworden ist", sagt VDMA-Experte Steffen Zimmermann. 70 Prozent der Firmen sind von Produkt- und Markenpiraterie betroffen - in stark unterschiedlichem Maße. "Es gibt Unternehmen, in denen der Schaden mehr als zehn Prozent vom Umsatz ausmacht." - "Der größte Angreifer ist der Wettbewerber, nicht die NSA oder der chinesische Staat."

Noch immer kommen die meisten Plagiate aus China, das Land nannten 83 Prozent der Befragten als Herkunftsland, elf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. "Früher kopierten die Firmen in China eher für den Eigenbedarf, viele deutsche Firmen wussten gar nicht, dass sie kopiert werden." Heute seien die chinesischen Plagiate sichtbarer, weil sie vermehrt außerhalb Chinas angeboten werden - auch auf Internetseiten wie Alibaba und Taobao. Zimmermann zufolge gibt es je nach Produkt Hunderte bis Tausende von Angebotseiten, auf denen die Ware in fast jeder beliebigen Stückzahl zu haben sei, auch eine Million.

Auf Rang zwei der Herkunftsländer hält sich mit einem Anteil von 24 Prozent Deutschland. "Der größte Wettbewerber sitzt häufig im Nachbar-Ort", sagt Zimmermann. Deutsche kopieren eher Hightech. Es gebe auch Plagiatoren unter den Firmen im VDMA. "Es gibt Mitarbeiter, die versuchen, ihren Bonus zu maximieren." Nicht selten wisse die Geschäftsführung vom Plagiator in den eigenen Reihen gar nichts. Die Erstausrüster, im Fachjargon OEMs, fahren laut Zimmermann häufig eine "Second-Source-Strategie", das heißt, sie suchen eine zweiten Lieferanten, der das gleiche Produkt preiswerter herstellt.

Ein Beispiel dafür ist der Autozulieferer Michael Militzer. Er verklagte Ford erfolgreich, weil der Konzern Konstruktionszeichnungen für ein Wellenausgleichssystem der von Militzer gegründeten Firma Mitec an andere Lieferanten weiterreichte. Viele wehren sich nicht. "Es gibt ein David-Goliath-Problem", sagt Zimmermann.

Die Digitalisierung stellt die Unternehmen vor neue Herausforderungen. Viele Daten stecken direkt in der Produktion. "Die Unternehmen müssen sich Gedanken machen, wie sie ihr Know-how von innen schützen können", sagt Zimmermann. Ein Weg seien in die Anlagen eingebettete Schutzmechanismen, etwa Sicherheitschips. Den Schutz einfach an eine Anlage anzuflanschen, sei Industrie 3.0. "Den USB-Anschluss mit Bauschaum abzudichten, reicht nicht mehr."