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Martin Shkreli:FBI verhaftet "meistgehassten Mann des Internets"

Proteste gegen Martin Shkreli , nachdem sein Unternehmen den Preis eines Medikaments um 4000 Prozent erhöht hatte (Archivbild)

(Foto: AP)
  • Der US-Amerikaner Martin Shkreli geriet zuletzt in die Kritik, weil er den Preis eines bekannten Aids-Medikaments um das mehr als 41-fache anhob.
  • Der Unternehmer kaufte zudem die einzige Kopie des neuen Wu-Tang-Clan-Albums.
  • Jetzt ist er in New York wegen des Verdachts auf Betrug verhaftet worden.

Vielleicht heißt der amerikanische Traum so, weil Träume immer die Wirklichkeit verklären. Martin Shkreli hätte der Beweis sein können, dass der Mythos noch immer funktioniert, dass eine Gesellschaft, in der Arm und Reich so weit auseinanderliegen, noch Sprünge von unten nach oben zulässt.

Shkreli, Wunderkind aus Brooklyn, Sohn hart arbeitender Einwanderer aus Kroatien und Albanien, Highschool-Abbrecher, einst Wall-Street-Karrierist mit noch nicht einmal 20 Jahren. Dann Hedgefonds-Manager, Pharma-Investor. Eine Traum-Geschichte - einerseits.

Andererseits, in der Wirklichkeit, hat das FBI Shkreli am Donnerstagmorgen in New York verhaftet. Es ist der vorläufige Höhepunkt in der Geschichte dieses 32-jährigen Burschen, der außerhalb der Hochfinanz vielleicht nie bekannt geworden wäre.

Die Behörden werfen Shkreli vor, aus der von ihm gegründeten Biotech-Firma Retrophin Gelder abgezweigt zu haben, um alte Rechnungen zu bezahlen. Bis zu zehn enttäuschte Investoren seines insolventen Hedgefonds MSMB soll er mit fingierten Beraterverträgen, Aktienoptionen und komplizierten Deals ausbezahlt haben, schreibt Bloomberg. Retrophin hatte ihn im Oktober vor einem Jahr entlassen, seine Nachfolger verklagten ihn.

Wie Martin Shkreli sich zur gierigen Hassfigur machte

Ja, vielleicht wäre dieser jungenhafte Fuchs nur einer von Tausenden Wall-Street-Aufschneidern geblieben. Schnelles Geld, ein Händchen für Deals, nicht immer sauber. Nichts Besonderes. Wenn er nicht mit seiner neuen Investment-Firma Turing Pharmaceuticals ausgerechnet das seit 1953 zugelassene Medikament Daraprim gekauft hätte, Wirkstoff Pyrimethamin. Es wirkt gegen die parasitäre Krankheit Toxoplasmose und wird in der Aids-Behandlung eingesetzt. Preis pro Pille vorher: 18 Dollar. Preis pro Pille, nachdem Shkreli es aus dem regulären Verkauf entfernen ließ: 750 Dollar. 4000 Prozent Aufschlag. Aufschrei in der Öffentlichkeit: extrem laut .

Die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton war kurze Zeit später nicht die erste, die ihn zu überreden versuchte, den Preis wieder zu senken. Seine Antwort per Tweet: "lol", Internet-Sprech für ein lautes "haha". Dann, Shkrelis Auftritt bei einer Veranstaltung des Forbes-Magazins in New York im Dezember: "Ich hätte den Preis wahrscheinlich noch weiter angehoben", sagte er. "Meine Investoren erwarten von mir, dass ich meine Profite maximiere." Kann man noch mehr tun, um den Hass der Massen auf sich zu ziehen? "Meistgehasster Mann des Internets" wurde er genannt, oder meistgehasster Mann in Amerika.

Und dann, kürzlich, die Sache mit dem Album der Rap-Gruppe Wu-Tang-Clan. Deren Marketing-Trick, ein Album zu produzieren, nur ein Unikat davon zu pressen und meistbietend zu versteigern, sorgte vor einigen Monaten für maximale Aufmerksamkeit. Eine gute Woche ist es her, da deckte das Magazin Bloomberg Businessweek den Käufer auf: Martin Shkreli. Zwei Millionen Dollar hat er angeblich bezahlt - das Album aber noch gar nicht angehört, wie er betonte. Noch mehr Hass, diesmal aus der Rap-Szene.

Seine Karriere hatte Shkreli einst als Praktikant in der Fernsehsendung "Mad Money" beim Investment-Sender CNBC begonnen. Mad Money, verrücktes Geld. Am Donnerstagmorgen soll Shkreli in seinem Appartment in Manhattan gewesen sein, als das FBI ihn mitnahm. Es würde nicht zu diesem Mann passen, wenn das der letzte Höhepunkt der Geschichte gewesen ist.

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