Die Szene dauerte vielleicht eine Viertelstunde, ein Wimpernschlag im Verlauf der 31 Monate, die der Wirecard-Prozess inzwischen dauert. Aber diese Viertelstunde am Donnerstag ließ tief blicken: in den Stand des Verfahrens und mehr noch in das Befinden des Hauptangeklagten Markus Braun. Der Mann, der Wirecard über zwei Jahrzehnte erst groß machte und dann in den Untergang führte, zeigte, wie er sich bis heute sieht: nicht als Täter in einem Betrug mit Schäden in Milliardenhöhe, nicht als Verantwortlicher für einen Konzern, wo Tausende ihre Jobs verloren und noch mehr das Vertrauen. Sondern als Opfer krimineller Kollegen, unglücklicher Umstände, einer rachsüchtigen Justiz. Aber diese Viertelstunde zeigte auch, dass er damit einer Verurteilung nicht entgehen dürfte, im Gegenteil.
MeinungWirecard-ProzessMarkus Braun spielt noch immer das alte Spiel – aber er bestimmt die Regeln längst nicht mehr

Kommentar von Stephan Radomsky
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Der Ex-Wirecard-Boss gewährt einen tiefen Einblick in den Stand des Verfahrens und vor allem in seine Sicht auf sich selbst. Dabei wird klar: alles beim Alten, schuld sollen die anderen sein. Beim Gericht dürfte das aber nicht verfangen.