Markenrecht Island will seinen Namen zurück

Die Supermarktkette "Iceland" sicherte sich den Markennamen.

(Foto: AFP)

Eine Supermarkt-Kette hat sich die Markenrechte an "Iceland" gesichert. Sie klagt sogar dagegen, wenn isländische Firmen den Namen benutzen. Jetzt reicht es dem kleinen Land.

Von Silke Bigalke

Der Name hat schon früher Verwirrung gestiftet. Im November etwa listete der britische Independent zehn Ländernamen auf, die es so nicht mehr gibt: Abessinien beispielsweise heißt heute Äthiopien, Ceylon kennt man als Sri Lanka, und das alte Bejam, wer würde es erraten, heißt heute Island.

Gerade eine britische Zeitung müsste es besser wissen. Bejam hat nichts mit dem nordischen Inselstaat zu tun. Es ist der Name einer britischen Supermarktkette, die Ende der Achtzigerjahre von einer anderen geschluckt wurde: Von Iceland Foods, spezialisiert auf Tiefgekühltes und Fertiggerichte.

Iceland, das Unternehmen, heißt seit 45 Jahren so, und nervt Island, das Land, schon lange. Jetzt allerdings erwägt die Regierung in Reykjavík, dagegen vorzugehen. Das Problem: Dem Tiefkühlkost-Händler ist es Ende 2014 gelungen, sich die Rechte an dem Namen beim Amt der Europäischen Union für Geistiges Eigentum (EUIPO) zu sichern. Die Marke "Iceland" gehört nun den Briten.

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Viele heimische Marken und Produkte sind jahrzehntealt, jeder kennt sie seit der Kindheit. Doch hinter ihnen stehen oft längst Weltkonzerne.

Gegen das Namensschild über den Filialen, weiße Buchstaben auf rotem Untergrund, habe man ja nichts, heißt es in Reykjavík. Es gibt sogar eine Iceland-Filiale in Island. Doch die Briten haben sich den Namen nicht nur für ihre Läden gesichert, sondern für viele Produkte. Wenn isländische Firmen nun Tee, ihre Cremes oder getrockneten Fisch "made in Iceland" verkaufen wollen, können sie Probleme bekommen.

Iceland Foods sei gegen mehrere isländische Firmen vorgegangen und habe gewonnen, klagt das Außenministerium in Reykjavík. "Es erscheint vernünftig, dass für ein Unternehmen oder Produkt, das in Island oder von einer isländischen Firma hergestellt wurde, der Landesname benutzen werden darf", heißt es in der Erklärung des Ministeriums. Es erwägt nun gemeinsam mit anderen Parteien eine Löschungsklage gegen den Markeneintrag. In Deeside in Wales, dem Sitz von Iceland Foods, gibt man sich überrascht. "Uns ist nicht bewusst, dass unsere Nutzung des Iceland-Namens irgendwelche Verwechslungen mit dem Land Iceland auslöst", sagte ein Sprecher der BBC.

Supermärkte profitieren sogar von der Fußball-EM

Nun bemüht sich die isländische Regierung seit einigen Jahren, das Land und seine Produkte international besser zu vermarkten, etwa mit der halb staatlichen Agentur "Promote Iceland" und Slogans wie "Inspired by Iceland". Als die Agentur den Spruch kürzlich bei der EU-Patentstelle angemeldet hat, hat Iceland Foods prompt Widerspruch eingelegt. Ähnlich erging es "Iceland Gold" mit seinen Fischprodukten und "Clean Iceland" mit seinen isländischen Kräutern, Beerensaft und anderen Lifestyle-Waren.

Dabei profitiert die Supermarktkette wohl am meisten von der Verwechslung. Bei der Fußball-EM, als das Island-Team und seine huh-enden Fans zu Publikumslieblingen wurden, gingen viele Glückwünsche über Twitter versehentlich an @IcelandFoods statt an @footballiceland. Das Unternehmen hatte den Wert früh erkannt und das Team mit gesponsert. Als Island im Achtelfinale gegen England gewann, trieben die Fans das Namensspiel weiter: "Darum geht meine Mutter zu Iceland" schrieb einer im Netz, ein anderer montierte Wayne Rooneys Kopf auf ein Iceland-Brathähnchen. Werbewert: unbezahlbar.

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