Maredo-Neustart:Frische Steaks für die Cowboys

"Maredo" Steakhaus in München, 2018

Das Restaurant "Maredo" in München ist mittlerweile geschlossen. In Berlin und Dortmund soll bald wieder eröffnet werden.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die insolvente Steakhaus-Kette Maredo fängt neu an: Vieles wirkt vertraut, nun gibt es aber auch Grillgemüse und Ziegenkäsetaler. Reicht das?

Von Felicitas Wilke

Georg Voss begleitet Maredo schon lange. Als Gast habe er immer besonders gern das Rib-Eye-Steak mit dem argentinischen Pesto Chimichurri gegessen, sagt er. Beruflich kooperierte er als Verantwortlicher einer Catering-Gesellschaft der Lufthansa mit der Steakhaus-Kette und leitete später drei Jahre lang ein Maredo-Joint-Venture. "Ich habe Maredo immer geschätzt, aber dachte mir manchmal: Ein bisschen mehr Zeitgeist würde der Marke guttun", sagt Voss. Jetzt will er sich darum selbst kümmern: Zusammen mit Co-Geldgebern hat er sich die Markenrechte an Maredo gesichert und zunächst drei Filialen des zuletzt insolventen Unternehmens wieder eröffnet. Weitere sollen folgen.

Seit Anfang Juli servieren die Restaurants am Gendarmenmarkt in Berlin, in Dortmund und in Mülheim an der Ruhr wieder Steaks aus Uruguay und Argentinien. Zwar war es die Corona-Krise gewesen, die Maredo im ersten Lockdown in die Insolvenz geraten ließ und ihr im zweiten den Todesstoß versetzte, doch die Probleme hatten schon vorher begonnen. Nachdem die drei Gründer das Unternehmen in den 2000er-Jahren verkauft hatten, ging es durch die Hände mehrerer Investoren. "Sie haben vergleichsweise wenig reinvestiert, sodass das Design in vielen Restaurants nicht mehr up to date war", sagt Voss. Altbackener Cowboy-Look, unrentable Filialen - und dann noch Corona.

Georg Voss will die Marke mit dem gehörnten M im Logo in deutsche Flaniermeilen zurückbringen. Doch das ist gar nicht so einfach, waren die Filialen doch Anfang des Jahres schon allesamt geschlossen und die Beschäftigten entlassen worden. Bei den neuen Beschäftigten, sagt Voss, handle es sich zum Teil um frühere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. "Die ehemaligen Vermieter wiederum mussten wir erst mal überzeugen, dass unser Konzept aufgehen kann." An zehn bis zwölf Standorten, darunter in Stuttgart, Frankfurt, Münster und Leipzig, ist das offenbar gelungen: Dort will Voss im nächsten halben Jahr wieder eröffnen und den noch nicht renovierten Filialen innerhalb von zwei Jahren ein neues Design verpassen. In anderen Städten, sagt er, hätten Mitbewerber die Räumlichkeiten ergattert.

Das Credo lautet: Große Überraschungen vermeiden

Maredo ist nicht die einzige Gastro-Kette, die während der Pandemie in die Pleite schlitterte und jetzt den Neustart wagt. Auch Vapiano, bekannt für italienische Speisen und berüchtigt für Warteschlangen vor der Pasta-Theke und für hygienisch nicht immer einwandfreies Essen, hatte im März 2020 Insolvenz angemeldet. Jetzt versucht sich auch Vapiano mit neuen Investoren an einer Renaissance - auf durchaus radikale Weise, wie im Juni bekannt wurde. Die Kette verbannt in den kommenden Monaten die Pizza von ihrer Speisekarte und ersetzt sie durch die Pinsa. Dabei handelt es sich um einen ebenfalls belegten Teigfladen, der sich gerade vor allem in Großstädten als ovale, hippe Alternative zur Pizza etabliert.

Bei Maredo hingegen will Investor Georg Voss die ganz großen Überraschungen zunächst vermeiden. Ein Blick auf die Speisekarte der wieder eröffneten Filialen offenbart vom Maiskolben über das Rib-Eye-Steak bis hin zur Salatbar alles, wofür die Kette schon vor der Pleite stand. "Maredo war ein Steakhaus und wird es bleiben", sagt Voss. Neu auf dem Menü sind zusätzliche Burger, mit denen er vor allem das jüngere Publikum ansprechen will und sogenannte Bocadillos - geröstetes Brot mit Belag, der nicht zwingend Fleisch enthält. Im Jahr 2021 serviert ein Steakhaus nun auch Grillgemüse, Ziegenkäsetaler und Champignon-Pattys. "Wenn heute zehn Freunde zusammen essen gehen wollen, sind schnell mal zwei Vegetarier dabei, die sich bei uns auch wohlfühlen sollen", sagt Voss.

Zudem sollen die Gäste ihr Fleisch künftig auch direkt am Tisch anbraten und Grillseminare in den Filialen belegen können. Den Gästen ein Erlebnis zu bieten, "das über einen Teller Fleisch mit Beilage hinausgeht", das hält Moritz Dietl für eine gute Idee. Er ist geschäftsführender Partner der Treugast Solutions Group, die auf die Beratung von Hotels und gastronomischen Betrieben spezialisiert ist. "Heute sollte ein Restaurantbesuch nicht mehr nur der Nahrungsaufnahme dienen, sondern auch instagramtauglich sein", sagt Dietl. Postet der Gast sein Essen - so wie einst Franck Ribéry sein goldenes Steak aus Dubai - macht er im besten Fall unbezahlte Werbung fürs Restaurant.

Ob die Idee aufgeht? Der Investor selbst bezeichnet sein Vorhaben als "mutig", Berater Dietl gar als "riskant". Doch wer sich als Gastronom attraktive Standorte sichere, ein zeitgemäßes Konzept liefere und Qualität biete, könne selbst in der Krise erfolgreich sein. Möglicherweise auch mit einem Mix aus Rib-Eye und Ziegenkäse.

© SZ
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