Maple-Bank:Cum-Ex: Ehemaliger-Bankchef gegen Millionen-Kaution frei

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Die Maple-Bank, die ihren Sitz in Frankfurt hatte, soll den Staat um fast 400 Millionen Euro geprellt haben.

(Foto: REUTERS)

Das Bankhaus Maple soll den Fiskus um 388 Millionen Euro betrogen haben. Ihr ehemaliger Chef ist nun vorerst aus der Untersuchungshaft entlassen worden.

Von Klaus Ott und Jörg Schmitt

Für ihre Freiheit sind sie bereit Millionen zu zahlen. Uli Hoeneß, langjähriger Manager und Präsident von Bayern München, hat einst fünf Millionen Euro Kaution auf den Tisch gelegt, um vor seinem späteren Haft-Urteil wegen Steuerhinterziehung nicht gleich ins Gefängnis zu müssen. Ex Audi-Chef Rupert Stadler, der während der Abgasaffäre monatelang in U-Haft saß, zahlte drei Millionen Euro, um vorerst frei zu kommen.

Im Vergleich dazu nehmen sich die 1,8 Millionen Euro, die Ex-Maple-Chef Wolfgang Schuck aufbringen muss, geradezu bescheiden aus. Noch dazu, da der mutmaßliche Schaden, den Maple angerichtet haben soll, viel höher ausfällt als bei Hoeneß und - angeblich - bei Stadler, der alle Vorwürfe bestreitet.

Das kleine, auf große Finanzgeschäfte spezialisierte Bankhaus Maple soll den deutschen Fiskus mit dubiosen Cum-Ex-Aktiendeals um 388 Millionen Euro geprellt haben. Zahlreiche Geldinstitute und Börsenhändler haben sich beim Handel von Aktien mit (Cum) und ohne (Ex) Dividende vom trickreich getäuschten Fiskus eine nur einmal gezahlte Steuer gleich mehrmals erstatten lassen.

In einem ersten Strafurteil des Landgerichtes Bonn, das einen anderen Fall betrifft, werden solche Aktiendeals als kriminell erachtet. Der Gesamtschaden für den deutschen Fiskus soll mehr als zehn Milliarden Euro betragen.

Als der Fiskus von Maple Hunderte Millionen Euro zurückforderte, ging das in Frankfurt ansässige Bankhaus pleite. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt wirft Schuck, weiteren fünf ehemaligen Maple-Beschäftigten und einem damaligen Rechtsanwalt der Bank Steuerhinterziehung in besonders schweren Fällen vor. Im Dezember vergangenen Jahres kam es zur Anklage.

Damals kamen Schuck und ein weiterer Ex-Maple-Manager wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft. Schucks Ex-Kollege ist bereits Mitte März wieder entlassen worden, gegen sechs Millionen Euro Kaution. An diesem Mittwoch folgte Schuck, der nur 1,8 Millionen Euro zahlen musste. Die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft bestätigte auf Anfrage, dass zwei im Dezember 2019 verhaftete Beschuldigte gegen Kautionen in dieser Höhe am 16. März und 29. April "vom weiteren Vollzug der Untersuchungshaft verschont worden" seien, nannte aber keine Namen.

Der Steuerschaden beträgt 388 Millionen Euro, bislang hat Maple nur 69 Millionen zurückgezahlt

Gleichzeitig teilten die Ermittler mit, das Landgericht Frankfurt habe fünf Arrestbeschlüsse über insgesamt knapp 24,9 Millionen Euro erlassen. Auf diese Weise soll bei ehemaligen Maple-Managern Vermögen sicherstellt werden. Einer der Beschlüsse richtet sich gegen Schuck und beläuft sich auf knapp 8,4 Millionen Euro. Das könnte seine niedrige Kaution erklären.

Die Freilassung ist laut Generalstaatsanwalt mit "umfangreichen Auflagen" verbunden. Details nannten die Ermittler nicht. Zu den Auflagen sollen auch elektronische Fußfesseln für Schuck und den anderen freigelassen Ex-Maple-Manager gehören.

Die Verteidigerin von Schuck wollte sich auf SZ-Anfrage nicht zur Freilassung ihres Mandanten und zu den Vorwürfen äußern. Ob das Landgericht Frankfurt einen Prozess ansetzt und ob die Vorwürfe gegen Schuck und andere zutreffen, oder nicht, bleibt abzuwarten.

Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft hat Maple von dem mutmaßlichen Steuerschaden in Höhe von 388 Millionen Euro bislang 69 Millionen Euro beglichen. Die weiteren Forderungen des Fiskus seien "aufgrund des laufenden Insolvenzverfahrens des Instituts bislang nicht beglichen" worden.

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