Manroland-Insolvenzverwalter Schneider Mann für außergewöhnliche Aktionen

Um Geld einzutreiben, ließ Werner Schneider schonmal die Boeing 737 des thailändischen Kronprinzen beschlagnahmen. Jetzt will der Insolvenzverwalter beim Druckmaschinenhersteller Manroland retten, was zu retten ist.

Von Dieter Sürig

Werner Schneider, der vorläufige Insolvenzverwalter des Augsburger Druckmaschinenherstellers Manroland, ist für außergewöhnliche Aktionen bekannt. Im Sommer hatte er eine Boeing 737 des thailändischen Kronprinzen am Münchner Flughafen beschlagnahmt, um Außenstände für den insolventen Baukonzern Walter Bau einzutreiben. Nun sichtet der 68-jährige Wirtschaftsprüfer die Lage bei Manroland, spricht mit Geschäftsführung und Betriebsrat, verhandelt mit Banken. Und versucht Zulieferer und Kunden bei Laune zu halten, damit sie nicht abspringen und das Unternehmen mit seinen 6500 Beschäftigten noch weiter in den Abgrund reißen.

Als Schneider im Jahr 2005 die Walter-Bau-Insolvenz übernommen hatte, verhandelte er wenige Tage später mit den Baukonzernen Züblin, Bilfinger Berger und Strabag und konnte damit Arbeitsplätze retten: Strabag übernahm bereits zwei Monate später den Kernbereich von Walter Bau. Man kann deswegen davon ausgehen, dass Schneider schon bald bei den Konkurrenten von Manroland, bei Heidelberger Druck und Koenig&Bauer (KBA), vorstellig werden wird, um Chancen für eine Beteiligung oder Übernahme auszuloten. Koenig&Bauer zeigt sich bereits offen für Kooperationen. "KBA brächte eine Menge mit, deshalb würden wir uns sinnvollen Gesprächen nicht entziehen", sagte KBA-Finanzchef Axel Kaufmann jetzt der Börsenzeitung.

Womöglich wird Schneider auch mit der Schweizer Beteiligungsgesellschaft Capvis sprechen, die zuvor Interesse angemeldet hatte, dann aber wegen "hoher Restrukturierungskosten bei schlechten Ergebnissen" abgesprungen war. Auch die WIFAG Maschinenfabrik AG aus Bern ist als möglicher Investor im Gespräch.

Schneider hält sich vorerst zurück. Er werde mit der Konkurrenz sprechen, aber das habe keine Priorität, sagte er am Sonntag der SZ. Zunächst will er schauen, "wann wie viel Geld wo vorhanden ist". Aber er wird wohl keine Chance vorbeiziehen lassen, um den Augsburgern zu helfen. Darauf deutet nicht nur seine Boeing-Aktion für Walter Bau hin, sondern auch sein Engagement im Gravenbrucher Kreis, einem Zusammenschluss von etwa 30 Insolvenzverwaltern. Die haben es sich auf die Fahne geschrieben, insolvente Unternehmen zu retten, "wo immer es die wirtschaftlichen, finanziellen und rechtlichen Rahmenbedingungen zulassen". Bis Hilfe naht, wird der Betrieb im Insolvenzverfahren fortgesetzt. Die Auszahlung der Gehälter ist bis Ende Januar gesichert, heißt es in Augsburg.