Managerhaftpflicht Zeit der Geschenke ist vorbei

D&O-Versicherer müssen mit mehr Schäden fertig werden. Aber die Preise für die Policen sind weiter im Keller - es gibt viele Anbieter, und das Geschäft sieht anfangs attraktiv aus. Aber unter der Oberfläche schlummern hohe Risiken.

Von Herbert Fromme, Köln

Der Vorstand der mittelgroßen Bank war spendabel. Feste für Vorstände und Aufsichtsräte mit Partnerinnen oder Partnern, Einladungen zu WM-Spielen, teure Geschenke. "Auf der Geschenkeliste stehen auch Thermomix-Geräte", berichtet Heiner Eickhoff vom Kölner Versicherungsunternehmen Dual im SZ-Interview. Die Geschenksumme beläuft sich auf über 300 000 Euro, der gesamte durch korruptionsbegünstigte Entscheidungen angerichtete Schaden auf mehrere Millionen.

Aufgeflogen ist das spendable Gebaren bei einer Prüfung der Finanzaufsicht Bafin. Inzwischen ist die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Bei Eickhoff und seinem Kollegen Marcel Armon ist der Fall gelandet, weil die Bank eine Manager-Haftpflichtversicherung abgeschlossen hatte, eine so genannte D&O-Deckung. Damit schützen Firmen ihre Vorstände, Geschäftsführer und Aufsichtsräte gegen finanzielle Ansprüche nach Fehlern - auch bei Ansprüchen des eigenen Unternehmens. Ob die Versicherer hier zahlen müssen, steht noch nicht fest. Auf jeden Fall müssen sie für die juristische Abwehr aufkommen. "Allein das geht in die Millionen", sagt Eickhoff.

Eickhoff ist Dual-Gründer und "Executive Chairman". Armon leitet das Tagesgeschäft als Sprecher der Geschäftsführung. Das Unternehmen gehört dem britischen Versicherer Hyperion.

Anders als die meisten D&O-Anbieter weist Dual für sein Geschäft schwarze Zahlen auf, weil es sich auf Banken, Fondsanbieter und andere Finanzdienstleister konzentriert. Im Geschäft mit kleineren Unternehmen - das sie weitgehend aufgegeben haben - sehen Eickhoff und Armon große Probleme. "Das größte ist die Insolvenz", sagt Eickhoff. Dabei geht es um Zahlungen einer Firma in den letzten Monaten vor dem Zusammenbruch, die aus Sicht des Insolvenzverwalters nicht mehr hätten ausgeführt werden dürfen. "Dann haftet derjenige, der die Zahlungen veranlasst hat." Die Insolvenzverwalter stürzten sich als erstes auf die D&O-Versicherung. Auch Dual muss in einem zehn Jahre alten Fall wohl jetzt zahlen. "Wir haben den Schaden nie richtig ernst genommen," räumt Eickhoff ein. "Der Insolvenzverwalter hat wegen der letzten Zahlungen gegen den Vorstandsvorsitzenden geklagt und gewonnen." Das kostet die Versicherer jetzt 2,5 Millionen Euro.

Die D&O-Versicherung ist marktweit ein Verlustgeschäft. Der Branchenverband GDV schätzt, dass die Gesellschaften 2016 rund 500 Millionen Euro an Prämien eingenommen haben, aber für Schäden und Rückstellungen mehr als 600 Millionen Euro ausgegeben haben. Dazu kommen noch die Kosten. Die Situation wird sich noch verschlimmern, glaubt Armon. "In den vergangenen zehn Jahren hatten wir ja eine positive konjunkturelle Phase, da hielten sich die Insolvenzen im Mittelstand in Grenzen", sagt er. "Sollte sich das in einer wirtschaftlichen Krise ändern, werden wir einen ganz anderen Schadenaufwand in der D&O-Versicherung sehen."

Trotzdem geben die Preise in der Sparte weiter nach. "Heute kann man eine Million Euro Deckung für 600 Euro kriegen." Das liegt an der scharfen Konkurrenz - mehr als 50 Versicherer balgen sich um die Risiken - das liegt auch daran, dass die Schäden oft erst nach Jahren eintreten und das Geschäft anfangs sehr attraktiv aussieht.

Dual berechnet Risiken, quotiert Preise, schließt Verträge und ist an der Schadenbearbeitung beteiligt. Aber das Versicherungsrisiko selbst übernehmen andere. Das Unternehmen betreibt im Auftrag Dritter die Versicherung. Das D&O-Geschäft zeichnet die Kölner Firma für die Versicherer Liberty und Allianz sowie für die beiden Lloyd's-Syndikate Everest und Channel. Das Prämienvolumen beläuft sich auf 50 Millionen Euro, aus anderen Sparten kommen 20 Millionen Euro hinzu.

Haben Eickhoff und Armon selbst auch eine D&O-Police? "Natürlich, wir haben eine Gruppendeckung für die gesamte internationale Gruppe, aber wir in Deutschland haben unsere eigene über zehn Millionen Euro", sagt Armon; bei einem externen Anbieter, versteht sich.