Managerbezahlung Ein Zar für die Gehälter

Der New Yorker Staranwalt Kenneth Feinberg soll über die Gehälter in jenen Firmen wachen, die Staatshilfen erhalten haben. Obergrenzen gibt es nicht.

Von Nikolaus Piper

Es war ein kritischer Augenblick für US-Präsident Barack Obama: Im Februar wurde bekannt, dass der de facto bankrotte Versicherer AIG Geld der Steuerzahler verwendet hatte, um Boni an seine Manager zu zahlen. Ein Sturm der Entrüstung brach aus und drohte, zu einer politischen Blockade weiterer Hilfen zu führen. Daraus hat die Regierung eines gelernt: Wenn ihre Wirtschaftspolitik Erfolg haben soll, muss sie sich um die Bezahlung der Manager kümmern.

Kümmerte sich um die Rechtsansprüche von Opfern der Terroranschläge vom 11. September: Der neue "Pay Czar" Kenneth Feinberg.

(Foto: Foto: AP)

Jetzt legte Finanzminister Timothy Geithner die Ergebnisse dieses Lernprozesses vor: Er ernannte Kenneth Feinberg, einen bekannten New Yorker Anwalt, zum Beauftragten für die Gehälter in jenen Firmen, die am meisten Geld von der Regierung bekommen haben. Amerikanische Medien gaben ihm den Titel "Pay Czar" - ein Zar für die Gehälter. Gleichzeitig verzichtet die Regierung jedoch darauf, allgemeine Gehaltsobergrenzen zu erlassen. Noch im Februar hatte die Regierung angekündigt, für alle Unternehmen, die "außerordentliche" Staatshilfe bekommen hatten, eine Grenze von 500.000 Dollar zu ziehen.

Sogar Recht auf Rückzahlung

Dagegen hatten die Wall-Street-Banken Protest eingelegt, weil sie fürchteten, die Konkurrenz aus Europa und Asien könnte ihnen die besten Mitarbeiter abwerben. Geithner ließ den Plan darauf fallen. Für den Rest der Wirtschaft will er neue, aber unverbindliche Regeln.

Für sieben Unternehmen hat die Entscheidung Geithners weitreichende Konsequenzen: Zar Feinberg wird die Entlohnung der zwanzig bestbezahlten Manager, einschließlich der Chefs, bis ins Detail regeln.

Dies betrifft Citigroup, die Versicherung AIG, Bank of America, General Motors, Chrysler und die Finanzierungstöchter der beiden Autokonzerne. Feinberg hat sogar das Recht, die Rückzahlung von Gehaltsbestandteilen zu verlangen. Die betroffenen Firmen haben jetzt 60 Tage Zeit, um ihre Gehaltspläne zur Genehmigung vorzulegen.

Begrenzen die Manager ihr Gehalt freiwillig auf 500000 Dollar, bekommen sie Feinbergs Zustimmung automatisch. "Diese Finanzkrise hat viele Ursachen, und die Praxis der Managerbezahlung war eine davon," erklärte der Finanzminister.

Finanzmarktreformen entscheidend

Kenneth Feinberg wurde bekannt, als er sich im Auftrag des früheren Präsidenten George Bush um Rechtsansprüche von Opfern der Terroranschläge vom 11. September 2001 kümmerte.

Im Zuge der weiteren Reform der Gehaltsregeln will Geithner den Hauptversammlungen das Recht geben, die Bezahlung der Manager zu missbilligen. Solche "Say-on-Pay"-Klauseln gibt es jetzt schon, sie müssen aber immer erst formell beantragt werden. Die Kommentare der Hauptversammlungen sind zwar unverbindlich, sie werden aber vom Management wegen der Wirkung in der Öffentlichkeit und auf künftige Investoren gefürchtet.

Entscheidend für die Zukunft der Wall Street und die Verhinderung künftiger Finanzkrisen werden die Pläne zur Reform der Finanzmarktregulierung sein, die Geithner noch im Lauf dieses Monats vorlegen will. Auch dabei geht es um Gehälter, allerdings nicht um deren Höhe, sondern um die Struktur der Bezahlung. Die Anreizsysteme an der Wall Street waren bisher stark auf den kurzfristigen Gewinn ausgelegt. Führende Mitarbeiter konnten mit riskanten Spekulationen hohe Boni verdienen, auch wenn die Geschäfte sich nach einiger Zeit als desaströs erweisen sollten.

Jetzt sollen die Manager ausschließlich am langfristigen Gewinn der gesamten Firma orientiert werden, zum Beispiel dadurch, dass Boni nicht bar gezahlt werden, sondern in Form von Aktien, die der betreffende Manager viele Jahre halten muss, ehe er sie verkaufen darf.