Verhalten von Managern:Auch Steve Jobs ließ seinen Gedanken gerne freien Lauf

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Der Kampf lohnt sich, der Gewinner wird aufgrund der "Der-Sieger-bekommt-alles"-Mentalität derart reich, dass er sich über dem Gesetz wähnen darf. Skandale werden dann zu witzigen Anekdoten verklärt, geworfene Büromöbel (Zynga-Chef Mark Pincus, Microsoft-Manager Steve Ballmer) oder die Beleidigung von Mitarbeitern (die damalige Google-Managerin Marissa Meyer) regen kaum noch auf. Einen Eklat gibt es nur bei ganz großen Fehltritten: Mark Zuckerberg etwa verschickte vor den juristischen Auseinandersetzungen um Facebook unschöne, nicht jugendfreie Kommentare über die Kläger und frühere Partner und bezeichnete frühe Facebook-Nutzer als "Volldeppen". Oder Celery-Gründer Peter Shih, der in einem Blog aufzählte, was er an San Francisco hasst: Obdachlose, Transvestiten, Frauen.

Auch Steve Jobs, Schutzpatron aller Silicon-Valley-Gründer, ließ seinen Gedanken gern ungefiltert freien Lauf. In einem Meeting etwa begrüßte er die Anwesenden als "fucking dickless assholes", als verdammte schwanzlose Arschlöcher. Die Biographie von Walter Isaacson zeichnet das Bild eines charismatisches Genies, der auch ein übler Narziss war - der "gute Steve" und der "böse Steve", wie der Autor schreibt und zugleich die Frage aufwirft: Wäre Apple heute eines der wertvollsten Unternehmen der Welt, wenn der inzwischen verstorbene Jobs ein netter Kerl gewesen wäre? Die implizierte Antwort: natürlich nicht. Seit Jobs, der bei Apple gefeuert und später zur Rückkehr gebeten wurde, haben Gründer im Silicon Valley oft den Status der Unfehlbarkeit.

Das führt direkt zu Kalanick: Womöglich würde Uber heute nicht mehr existieren, hätte der Chef nicht frech Verbote in beinahe jeder Stadt der Welt zu unterlaufen versucht. Hätte er die Fahrer nicht unverschämt als "Unternehmer" definiert. Hätte er nicht dreist Experten von der Konkurrenz abgeworben. Hätte das Unternehmen nicht Konkurrenten, Journalisten und auch Ermittler der Polizei ausgespäht. Neue Mitarbeiter müssen bei Uber vor der Unterzeichnung des Arbeitsvertrages ein Blatt mit 14 Grundsätzen unterschreiben. Einer dieser Grundsätze: "Always be hustlin'." Man kann hustling mit "sich ins Zeug legen" übersetzen, aber auch mit "abzocken" oder "auf den Strich gehen".

Fraglich ist, ob Kalanicks Rauswurf wirklich eine Warnung ist

Die Erkenntnis, dass Kalanick nicht nur genial ist, sondern auch ein ziemlich übler Bursch, ist also nicht neu. Das Arbeitsklima gilt nicht erst seit dem Blogeintrag der ehemaligen Angestellten Susan Fowler, die ihren Ex-Vorgesetzten Diskriminierung und sexuelle Belästigung vorwirft, als frauenfeindlich. Kalanick selbst nannte sein Unternehmen in einem Interview mit dem Magazin GQ ganz lässig "Boob-er", weil ihm seine Machtposition Geschlechtsverkehr mit vielen Frauen ermögliche. Nur 33 Prozent der Uber-Angestellten in Nordamerika sind Frauen, im oberen Management sind es nur 22 Prozent.

"Es kann im Silicon Valley überaus effizient sein, sich ausschließlich auf den Erfolg des Unternehmens zu konzentrieren", sagt Robert Sutton, Professor in Stanford und Autor des Buches "The No Asshole Rule": "Du kannst nur ein Arschloch sein, so lange du erfolgreich bist. Deine Feinde nämlich liegen im Busch und warten nur auf eine Gelegenheit, dich abzuschießen." Die wahre Genialität von Steve Jobs etwa, das behauptet sein Biograph Isaacson, lag darin, dass er sowohl charmant als auch aufbrausend sein konnte - und genau wusste, bei wem er sich welche Eigenschaft leisten konnte. Kalanick wusste das am Ende offensichtlich nicht mehr.

Eines ist nämlich wichtig: Kalanick ist nicht zum Rücktritt gedrängt worden, weil ihn die Investoren für ein arrogantes Arschloch halten. Er musste gehen, weil diese Eigenschaften dem Wert des Unternehmens schadeten. Es ist auch fraglich, ob seine Demission als Warnung dient: Kalanick sitzt noch immer im Aufsichtsrat von Uber. Und einige Mitarbeiter haben gerade einen Aufruf gestartet, ihn als Chef zurückzuholen. Er ist ein genialer Visionär und ein arrogantes Arschloch. Hach!

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