bedeckt München 12°

Lastwagen:MAN stellt ersten neuen Lkw seit 20 Jahren vor

MAN bringt neue Lastwagen auf den Markt

Joachim Drees, Vorstandschef von MAN, steht neben einem neu entwickelten Lastwagen. Die neuen Lkw verbrauchten bis zu acht Prozent weniger Diesel und seien auch für Elektroantriebe vorbereitet.

(Foto: dpa)
  • MAN hat nach langer Zeit erstmals wieder eine neue Lastwagen-Generation vorgestellt.
  • Mit Spurwechsel- und Stauassistent soll sie für mehr Sicherheit sorgen - ein Abbiege-Assistent ist jedoch nicht serienmäßig integriert.

Der Lkw-Bauer MAN bringt erstmals seit 20 Jahren wieder eine neu entwickelte Lastwagen-Generation auf den Markt. Vorstandschef Joachim Drees hat die Modellreihen am Montagabend in der spanischen Hafenstadt Bilbao Spediteuren und großen Transportunternehmen aus ganz Europa präsentiert. Mit dem schwedischen Hersteller Scania und der südamerikanischen VW Caminhoes gehört MAN zur VW-Tochter Traton.

Auf den ersten Blick ist der Zeitpunkt für die neue Lkw-Generation ungünstig: Die Konjunktur schwächelt, MAN erwartet 2020 einen Auftragseinbruch um mindestens zehn Prozent, streicht Schichten und schickt Leiharbeiter nach Hause. Branchenexperten erwarten jedoch, dass MAN mit dem Modellwechsel wieder Marktanteile gewinnen kann. Und das Transportvolumen in der EU - wo MAN den größten Teil seiner Lkw verkauft - soll in den kommenden 20 Jahren um 40 Prozent zulegen. MAN hat 2018 gut 95 000 Lastwagen verkauft - die allermeisten in Europa - und damit 9,1 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet.

Während Autokäufern vor allem Aussehen und Kaufpreis wichtig sind, schauen Transportunternehmen vor allem auf die Kosten über die gesamte Laufzeit, wie Martin Bulheller vom Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) erklärt. Hier will MAN punkten: Die neue Lkw-Generation der Münchner verbraucht bis zu acht Prozent weniger Kraftstoff - durch einen Dieselmotor mit neuer Software, bessere Aerodynamik und digitale Hilfen für eine effizientere Fahrweise. Dazu kommt, dass die Wartung durch neue Bauteile und Vernetzung mit Zentrale und Werkstatt einfacher und schneller wird - auch das spart Betriebskosten. Updates für neue digitale Dienste erfolgen unterwegs.

Die Gesamtkosten sind inzwischen nicht mehr der einzige Maßstab, sagt Bulheller. Heute haben Fahrer ein gewichtiges Wort mitzureden. Denn allein in Deutschland fehlen in den kommenden zwei Jahren 150 000 Berufskraftfahrer. "Früher hatten viele Transportunternehmen eine einzige Marke. Heute sind die Fuhrparks bunt gemischt. Durch den Fahrermangel ist da Bewegung reingekommen", sagt Bulheller. Ein Fahrer könne heute sagen: "Ich komm' zu dir, wenn du mir einen Scania hinstellst." Oder einen Mercedes, Volvo, DAF oder MAN: "Jede Marke hat ihre Fans."

Abbiege-Assistent nicht serienmäßig

Mit Spurwechsel- und Stauassistent soll der neue MAN-Lkw Fahrern das Leben erleichtern und für mehr Sicherheit sorgen - auch mit einem Abbiege-Assistenten ab Werk, der Radler und Fußgänger schützen soll. Der Abbiege-Assistent ist allerdings nicht serienmäßig.

Der neue MAN-Truck fährt zunächst mit Diesel, aber alle neuen Antriebe könnten leicht integriert werden. "Wir planen, ab dem Jahr 2024 auch Elektroantriebsvarianten der Neuen Truck-Generation in das Serienangebot aufzunehmen. Bis dahin wird es Kleinserien geben", sagt ein Unternehmenssprecher. Die Nachfrage nach E-Lastwagen für den Schwerverkehr sei gering: Sie sind teuer, die Infrastruktur fehlt. Die EU verpflichtet die Lkw-Bauer jedoch, den CO2-Ausstoß innerhalb der kommenden zehn Jahre um 30 Prozent zu senken. Sonst drohen Strafzahlungen in Milliardenhöhe.

© SZ.de/dpa/vit

EU-Pläne zu Lkw
:Gute Nacht, Brummi

Lkw-Fahrer sollen ihre Kabinen künftig regelmäßig gegen Hotelbetten tauschen. Die Rede ist von einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Nur: Wollen die Fahrer das? Besuch auf einem Rastplatz an der Autobahn 9.

Von Max Sprick

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite