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Made in Germany:Deutschland als Ausstatter der Globalisierung

Doch das originär Deutsche an derartigen Produkten ist eben nicht, dass sie hierzulande von Facharbeitern zusammengeschraubt wurden. Es geht vielmehr um das Design und die Forschung, die dahintersteckt und oft noch in Deutschland angesiedelt ist. Und um den typisch deutschen Tüftlergeist, also darum, mit Produkten Probleme für den Kunden zu lösen, die er für nicht lösbar gehalten hat. Dank dieser Tugenden wurde Deutschland zum Ausstatter der Globalisierung; deswegen treiben Maschinen hiesiger Firmen die Aufholjagd Chinas an.

Aber was haben Deutschlands Beschäftigte davon? Wenn sie keine Akademiker oder topausgebildeten Facharbeiter sind, wenn sie nicht für den Geist made in Germany, sondern den Schweiß made in Germany stehen, bald nicht mehr viel. Denn neue Fabriken siedeln Konzerne immer öfter im Ausland an: nah beim Abnehmer, geschützt gegen Handelsbarrieren und mit günstigen Löhnen. Selbst einzelne Entwicklungs- und Designabteilungen wandern inzwischen ab.

Deutschland profitiert also nur dann weiter vom Erfolg der Konzerne, wenn der Standort attraktiv für Investitionen bleibt. Eine Stärke sind etwa die vielen Hochschulen, die den Unternehmen gute Absolventen und Forschungsergebnisse liefern. Doch die Klagen der Firmen über Fachkräftemangel nehmen in dem Maße zu, wie die Zahl der Absolventen wegen der Alterung der Gesellschaft abnimmt. Ohne höhere Ausgaben für Bildung und eine Einwanderungspolitik, die kluge Köpfe weltweit anlockt, fällt Deutschland im Standortwettbewerb zurück.

Mythos Made in Germany

Und so schön der Mythos Made in Germany ist: Das Land muss die Fixierung auf die Exportwirtschaft aufgeben. Kehrseite der Exportüberschüsse sind Schuldenberge in den Abnehmerstaaten, etwa in Südeuropa. Diese Ungleichgewichte führen zu Krisen - wie derzeit. Bricht dann in Spanien und Italien die Konjunktur ein, leidet Deutschland ganz besonders, weil die Bundesrepublik so sehr von Exporten abhängt.

Die Regierung sollte allerdings nicht die Industrie schwächen: Das wäre Blödsinn. Aber sie sollte heimische Dienstleistungsbranchen stärken, wie den Gesundheitssektor. Mehr Jobs in Bereichen, die nichts mit Exporten zu tun haben, wären gut für Deutschland und gut für die Welt. Damit Made in Germany nicht vom Segen zum Fluch wird.

© SZ vom 22.08.2012/fzg
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