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Made in Germany:Der Kunde als Job-Patriot

Jeder zweite Deutsche lehnt Nokia-Handys wegen der Werkschließung in Bochum ab. Aber kann man durch gezieltes Einkaufen Arbeitsplätze sichern? Ein Selbstversuch.

Die Deutschen drohen mit Boykott. Nach einer Forsa-Umfrage will mehr als die Hälfte der Bundesbürger kein Nokia-Handy mehr kaufen, weil die Finnen ihre Produktion von Bochum ins rumänische Cluj verlagern - trotz der Milliardengewinne.

Politiker verschrotten ihr Nokia-Mobiltelefon, und mancher Verbraucher kommt ins Grübeln: Was wird überhaupt noch in Deutschland hergestellt? Wie kann man einkaufen, um deutsche Arbeitsplätze zu sichern? Wer das herausfinden will, braucht Zeit, Geduld und Hartnäckigkeit.

Alternativen fehlen

Eine in Deutschland produzierte Alternative zu Nokia-Handys zum Beispiel gibt es nicht mehr. Genauso wenig werden noch DVD-Player in der Bundesrepublik hergestellt. Bei Fernsehern kann man auf die relativ teuren Loewe-Produkte zurückgreifen, deren Bestandteile zum Großteil hier gefertigt sind. Überwiegend mit deutschen Jobs werden auch Waschmaschinen von Miele produziert.

Ein komplizierter Fall sind Autos. Alle großen deutschen Autobauer haben Fabriken in der Heimat, produzieren aber genauso im Ausland. Schrauben, Dichtungen, Elektronikteile kommen aus allen Kontinenten dieser Erde.

Gerade Porsche schmückt sich gerne mit dem Label "Made in Germany" und begründet unter anderem damit die hohen Preise seiner Fahrzeuge. Dieses Etikett ist jedoch rechtlich nicht geschützt und gibt relativ wenig Aufschluss. Den Geländewagen Cayenne lassen die Stuttgarter teilweise im slowakischen Bratislava fertigen. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn schätzt den Anteil der deutschen Wertschöpfung an dem teuren Spritschlucker deshalb auf nur 38 Prozent.

Knochenarbeit ist die Suche nach einem echten deutschen Schuh. Der Ladenbesitzer lacht herzlich: "Deutsche Schuhe? Ich bin ja schon froh, wenn die italienischen, die ich bestelle, nicht alle aus Asien kommen." Hoffnung macht eine Firma mit dem nicht gerade deutschen Namen Lloyd: Auf dem Ladenschild steht unter dem Firmenlogo das Wort "Germany". Die Verkäuferin ist sich sicher: "Die Schuhe werden komplett in Sulingen bei Bremen hergestellt." Allerdings gibt Lloyd im Internet selbst an, dass zwar ein erheblicher Anteil an den Schuhen in Sulingen gefertigt wird, man aber beispielsweise die Schuhoberteile in Rumänien fertigt.

Echte deutsche Birke

Es bleibt: Birkenstock. Der gelbe Schriftzug auf dem Fußbett verspricht "Made in Germany". Gefragt, ob das wirklich so ist, enttäuscht die Verkäuferin den Kunden: "Versprechen kann ich nicht, dass die wirklich in Deutschland produziert werden. Ich glaube, da trickst jedes Unternehmen."

Bestätigt fühlt sie sich, als auf einer mit bunten Perlen bestickten Sandale Spanien als Herkunftsland erscheint. "Ha, sehen Sie?!". Doch sie tut dem Unternehmen Unrecht. Die Sandalen sind keine Birkenstocks, sondern Papillios. Birkenstock lässt tatsächlich einzig und allein in der Bundesrepublik fertigen.