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Machtkampf im Energiekonzern:"Bis überhaupt nichts mehr vorwärtsgeht"

"Jeder kann jedem Steine in den Weg legen, bis überhaupt nichts mehr vorwärtsgeht", sagt ein Beteiligter. "Die Gesellschaft ist einfach nicht führbar", ein anderer. Für Thüga-Chef Woste wird es auch deshalb eng. Einerseits wünschen sich vor allem die Kämmerer beteiligter Kommunen noch höhere Erlöse von der Thüga, andererseits kann die auf Erlöse kaum Einfluss nehmen.

Dazu nämlich müssten die vielen Stadtwerke profitabler werden, an denen Thüga beteiligt ist. Nur: Die Vorschläge der Thüga für Sparmaßnahmen stoßen in den betroffenen Stadtwerken auf Ablehnung. Und die Minderheitsbeteiligung reicht nicht aus, um sie trotzdem durchzusetzen.

Will die Thüga auf dem deutschen Energiemarkt Konzernen wie Eon und RWE ernsthaft gefährlich werden, braucht sie Geld. Gespräche mit potenziellen Investoren im arabischen Raum seien ergebnislos geblieben, heißt es. Ohne mehr Einfluss auf die Stadtwerke aber bleibe der Thüga nur, ihre Beteiligungen zu verwalten. Das Unternehmen bietet den Stadtwerken auch gemeinsamen Stromeinkauf an, versucht Dienstleistungen und Kompetenzen zu bündeln.

Von einer echten Kooperation à la Musterstadt aber sind die Thüga-Beteiligungen weit entfernt - was nicht zuletzt daran liegt, dass die kommunal geführten Stadtwerke im Zweifel gerne ihr eigenes Süppchen kochen.

In der Energiewende hätte man Rundum-sorglos-Anbieter werden können

Die Thüga vergibt damit Chance um Chance. Denn in der Energiewende könnte den Stadtwerken eine Schlüsselrolle zufallen: Sie haben kurze Wege zu den Verbrauchern und könnten ihnen Rundum-sorglos-Angebote zurechtschneidern, von der Solarzelle auf dem Dach bis zum Energiespeicher im Keller.

Ohnehin spielt eine stärker dezentrale Versorgung mit Strom den kommunalen Firmen in die Hände. Doch die Thüga, so bemängeln ihre Kritiker, schöpfe dieses Potenzial nicht aus. Sie sei gehemmt durch ihre verschachtelte Organisation und interne Machtkämpfe.

Wie es aussieht, könnte Woste, bis zum Sommer noch Präsident des mächtigen Branchenverbands BDEW, nun zum Opfer der verkorksten Struktur werden. Ende Oktober läuft sein Vertrag aus, Beobachter rechnen ihm kaum noch Chancen aus, seine Position zu halten. Denkbar wäre allenfalls ein Ein-Jahres-Vertrag, als Übergangslösung. Von der Thüga selbst war am Dienstag nichts dazu zu erfahren. "Marktgerüchte kommentieren wir nicht", sagte ein Sprecher.

© SZ vom 17.09.2014/fued

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