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Machtkampf bei Red Bull:Arena frei

Der Energy-Drink verleiht nicht nur Flügel, sondern beschert seinen Schöpfern auch Milliarden. Bislang ist der Österreicher Dietrich Mateschitz Gesicht und Kopf der Marke. Doch nun erhebt ein thailändischer Erbe Anspruch auf Macht und Mehrheit im Unternehmen.

Uwe Ritzer

Die Bestattung folgte buddhistischen Riten und dauerte eine Woche. Auch Dietrich Mateschitz erwies Chaleo Yoovidhya in der Tempelanlage Wat Khrua Wan Worawiharn im Westen der thailändischen Hauptstadt Bangkok die letzte Ehre. Beide kannten sich seit 30 Jahren.

Red Bull

Stierkampf auf den Trikots der New York Red Bulls: Doch auch im Unternehmen selbst ist ein Machtkampf entbrannt.

(Foto: AFP)

1982 wurde der Österreicher Mateschitz auf ein Getränk namens "Krating Daeng" aufmerksam, was übersetzt "Roter Stier" heißt. Ein Wachmacher mit viel Koffein und Taurin, der in einer von Yoodvidhyas Firmen hergestellt wurde. Marketing-Genie Mateschitz und der thailändische Unternehmer machten daraus eine Weltmarke der Getränkeindustrie: Red Bull. Und sich selbst machten sie damit zu Milliardären.

Chaleo Yoodvidhya war 89 Jahre alt, als er Mitte März starb. Sohn Chalerm, 61, fand anerkennende Worte für Mateschitz, den Trauergast aus Österreich: "Dietrich ist auch ein Familienmitglied für uns." Er sagte aber auch einiges mehr, was nun die Frage aufwirft, ob Red Bull ein Machtkampf bevorsteht. Oder ob sich Chalerm Yoodvidhya nur rechtzeitig gegenüber seinen Geschwistern als starker Nachfolger profilieren wollte. Denn Vater Chaleo, zweitreichster Mann Thailands, hinterließ nicht nur ein Vermögen von schätzungsweise fünf Milliarden Dollar, sondern auch elf Kinder.

"Ich habe geholfen, den Drink aus dem Nichts zu entwickeln", zitierte die Bangkok Post Chalerm Yoodvidhya. "Manchmal musste ich mein eigenes Geld einsetzen, um die Firma zu stützen." Das könnte heißen: Nachdem mein Vater jetzt tot ist, will ich ein größeres Stück vom Kuchen haben, womöglich sogar das Sagen bei der Red Bull GmbH. Bislang hält Chalerm Yoodvidhya zwei Prozent an der Firma. Damit sei er der Puffer zwischen seinem Vater und Mateschitz gewesen, die jeweils 49 Prozent kontrollieren und beide gerne die volle Kontrolle gehabt hätten.

Der ehemalige Bummelstudent machte aus Red Bull mehr als Sirup mit Gummibärchengeschmack

Ist das schon eine Kampfansage an Dietrich Mateschitz? Er kommentierte die Aussagen von Chalerm Yoodvidhya bislang nicht und ließ auch eine Anfrage dazu unbeantwortet. Bislang ist der 67-Jährige das alleinige Gesicht von Red Bull. Drahtig, immer braun gebrannt, mit weißem Stoppelbart und stets attraktiven Frauen an seiner Seite hat der ehemalige Bummelstudent aus der Steiermark dafür gesorgt, dass Red Bull mehr ist als nur ein klebriger Sirup mit Gummibärchengeschmack.

Die Firma ist eine Marketingmaschine. Extremsportler, Fußballklubs, eigene Medien ("Servus") und ein Formel-1-Rennfahrer wie Weltmeister Sebastian Vettel laden das Image der Marke aus Fuschl am See permanent auf. Red Bull will das Elixier der Jungen und der Sportlichen sein, derer, die Mut haben und Erfolg. Vermittelt wird dieses Bild bevorzugt über eigene Medien. Experten schätzen, dass ein Viertel des Umsatzes von zuletzt 4,2 Milliarden Euro ins Marketing fließt.

Die Rechnung scheint aufzugehen: Voriges Jahr wurden 4,6 Milliarden Dosen des Getränks verkauft, das die Firma Red Bull übrigens nicht selbst herstellt. Gemixt und abgefüllt wird bei der Fruchtsaftfirma Rauch in Vorarlberg.

Das Ende der fernöstlichen Bescheidenheit

Zeitlebens schien Chaleo Yoodvidhya bei alledem auf das Marketinggeschick seines Geschäftspartners Mateschitz zu vertrauen. Das Verhältnis der beiden Alpha-Tiere war für Außenstehende schwer zu durchschauen. Immer wieder kursierten Gerüchte über thailändisch-österreichische Streitereien bezüglich Marketingaufwand und Strategie. Wirkliche Beweise für solchen Zwist gelangten aber nie nach draußen. Und in der Öffentlichkeit überließ die Familie Yoodvidhya Dietrich Mateschitz gerne die Bühne.

Chalerm Yoodvidhyas Interview in der Bangkok Post deutet nun auf das Ende der fernöstlichen Bescheidenheit hin. Thais hätten schließlich genug Hirn und Fähigkeiten, um selbst Weltklasseprodukte herzustellen und Geld damit zu verdienen, wird der Erben zitiert.

© SZ vom 04.04.2012

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