Apple:Was kann das neue Macbook Pro?

Lesezeit: 3 min

Apple-Chef Tim Cook mit einem Macbook

Stolzer Chef: Apple-CEO Tim Cook bei der Präsentation der neuen Macbooks.

(Foto: Apple/AFP)

Apple hat seine Profi-Macbooks gründlich überarbeitet. Überflüssiges fällt weg, viel Power kommt dazu - und einige alte Bekannte sind wieder da. Und leider auch die Preise.

Von Helmut Martin-Jung

Die Notch, echt jetzt? Wenn sich Kritiker eines neuen Stücks Technik an einem eigentlich recht nebensächlichen Detail abarbeiten, zeigt das meist, dass es sonst wenig daran auszusetzen gibt. Bei Apples neuen Laptops der Reihe Macbook Pro ist es die Aussparung am oberen Bildschirmrand, in der unter anderem die Kamera untergebracht ist. Ja, es stimmt, schön ist anders, doch Apple hat bei seiner neuen Profi-Reihe vieles richtig gemacht. Dominierte sonst oft das Design über Praktikabilität, erfüllen die Neuen viele Wünsche, die Macbook-Nutzer schon lange hatten.

Vor allem bedient Apple einen Wunsch - den nach immer mehr Rechenleistung. Einen Profi-Laptop kauft sich schließlich, wer viel Power braucht (oder damit angeben möchte). Die Kalifornier, die schon relativ lange viel Entwicklungsarbeit in Chips gesteckt haben, ernten nun nach ihrem Erfolg bei Smartphones, wo sie das Feld in puncto Chip-Performance unangefochten anführen, auch bei ihren Computern mehr und mehr Früchte dieser Anstrengungen.

Auf einem im Vergleich riesigen Chip kombiniert Apples Team einen Hauptprozessor mit zehn Rechenkernen, davon acht starke und zwei sparsame, eine schnelle Grafikeinheit sowie diverse andere Rechenhilfen. Die unterstützen zum Beispiel dabei, hochauflösende Videoströme zu beherrschen, KI-Berechnungen auszuführen oder Peripheriegeräte anzubinden. Der besonders schnelle Zwischenspeicher (Cache) ist groß, die Verbindung zum Hauptspeicher (RAM) schnell. Da das ziemlich clevere Konzept auch noch in Fünf-Nanometer-Technik gefertigt wird, laufen die Chips mit erträglichem Energieverbrauch.

Ganz so niedrig wie beim Vorgänger, dem M1, sind M1 Pro und vor allem M1 Max, ist der allerdings nicht mehr. Hier zeigt sich, dass es Apple nicht durch Verbesserungen an den Rechenkernen selbst, sondern vor allem durch ihre Vermehrung geschafft hat, die Leistung im Vergleich zum Vorgänger drastisch zu steigern, unterstützt von der schnellen Anbindung an den Speicher.

Wer die Vorgängergeneration der Macbooks kennt, wird zwei Dinge vermutlich kaum vermissen: zum einen die ziemlich merkwürdige berührungsempfindliche Leiste oberhalb der Tastatur, genannt Touch Bar. Auf deren Bildschirmoberfläche wurden auf einer schmalen Oled-Anzeige zum jeweiligen Kontext passende Kommandos angezeigt, auf die man mit dem Finger tippen konnte. Sie hat sich nie durchgesetzt.

Die Zeit der Adapter ist vorbei

Zum zweiten verwendet Apple nun wieder eine Tastatur herkömmlicher Bauart, nachdem eine platzsparende, aber reparaturanfällige selbst entwickelte Variante Apple viel Ärger eingebracht hatte. Der kurzhubige "Butterfly"-Mechanismus war nicht nur laut, er verschmutzte auch schnell und funktionierte dann nicht mehr richtig. Bei vielen Macbook-Besitzern musste sie ausgetauscht werden.

Die Neuzugänge dagegen werden die meisten Nutzer sicher begrüßen: Es gibt Anschlüsse für Kopfhörer/Mikrofon, HDMI, drei Mal USB-C sowie einen Schlitz für Speicherkarten im SD-Format. Und sogar der von vielen vermisste Magsafe-Anschluss ist wieder da, also der magnetisch haftende Anschluss zum Laden des Laptops. Vorbei die Zeiten, in denen des makellosen Designs wegen nur noch ein USB-C-Anschluss zur Verfügung stand, für den man dann Adapter brauchte - was der Optik auf dem Schreibtisch auch nicht besonders zugutekam.

Besonders feiern lassen sollte sich Apple für diese Neuerungen nicht - schließlich gelingt es der Konkurrenz aus dem Windows-Lager schon längst, Anschlüsse, die man oft braucht, auch in schmalen Laptops unterzubringen. Es war eher, wenn man so will, eine Kapitulation vor den Nutzerwünschen, die das Gefummel mit Adaptern satt haben. Dass das immer noch sehr hübsche Design der Macbooks Pro deshalb großen Schaden nähme, kann man trotzdem kaum behaupten.

Die Macbooks Pro gibt es mit 14,2-Zoll- und 16,2-Zoll-Bildschirmdiagonale (36 bzw. 41 Zentimeter), sie zeigen 3024 mal 1964 bzw. 3456 mal 2234 Bildpunkte an. Die Bildschirme spiegeln zwar, gleichen das Manko aber durch eine große Reserve an Helligkeit aus. Die Tastatur tippt sich angenehm, hängt nirgends durch.

Bleibt die Frage, wer die neuen Macbooks Pro braucht. Im Grunde sind sie optimiert für Zielgruppen, die ohnehin schon zu den Apple-Usern gehören: Filmschaffende etwa, die an Ort und Stelle schon mal den Rohschnitt erledigen wollen, können das nun erheblich schneller tun, auch Musiker freuen sich über mehr Spuren, die sie in ihren Projekten verwenden können - alle also, die wirklich viel Rechenpower brauchen. Der Rest muss nicht so viel Geld ausgeben, los geht es ab 2250 Euro, die Maximalkonfiguration kostet fast 7000 (!) Euro.

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