Klimaschutz:Klimaneutral, weil es sich lohnt

Klimaschutz: Kühlschrank für Server: Die sogenannte Einhausung des Kaltgangs im Rechenzentrum von M-net.

Kühlschrank für Server: Die sogenannte Einhausung des Kaltgangs im Rechenzentrum von M-net.

(Foto: Riess/M-net/oh)

Der Münchner Internetanbieter M-net hat mittlerweile 90 Prozent seiner CO₂-Emissionen eingespart und kompensiert den Rest - auch aus betriebswirtschaftlichen Gründen.

Von Helmut Martin-Jung

Donya-Florence Amer sieht die Sache recht nüchtern: "Ja, Klimaschutz kostet", sagt sie, "aber Nichtstun wird teurer." Amer ist die Chefin eines der jüngsten Firmenbereiche beim Bosch-Konzern, Bosch Climate Solutions (BCS). Etwa 20 Industriekunden begleitet sie mit ihrem Team auf dem Weg zur Klimaneutralität. Darunter auch der Münchner Telekommunikationsanbieter M-net, der an diesem Dienstag sein 25-jähriges Bestehen feiert. M-net, eine Tochter der Münchner Stadtwerke, hat schon vor Monaten vom TÜV Rheinland bescheinigt bekommen, dass er klimaneutral ist - als erster Internetanbieter in Deutschland.

"Auch unsere Industrie hat bisher ganz schön viel CO₂ ausgestoßen", sagt Nelson Killius, Sprecher der M-net-Geschäftsführung. "Unsere Branche verursacht weltweit etwa soviel CO₂ wie der Flugverkehr." Unternehmensintern wurde daher schon vor Jahren das Ziel ausgegeben, klimaneutral zu werden. Also sondierte man den Markt nach Partnern, die dabei helfen konnten, und entschied sich schließlich für Bosch.

Der Technologiekonzern aus Stuttgart hatte viel Aufmerksamkeit erregt, als er ankündigte, 2020 Klimaneutralität zu erreichen. Viele andere Firmen meldeten sich bei Bosch - so entstand die Idee, daraus ein Beratungsgeschäft zu machen. Die Experten von BCS ermitteln zunächst, wo ein Unternehmen steht und welche Bereiche wieviel CO₂ verursachen. Auf dieser Datengrundlage wird eine Strategie entwickelt. BCS gibt aber auch Empfehlungen zur klimafreundlichen Unternehmensführung und zur Kommunikation. Vier Hebel hat BCS identifiziert, die sich nutzen lassen, um den ökologischen Fußabdruck zu verkleinern: Energieeinsparung, eigene regenerative Energieerzeugung, grüner Strom und Kompensation.

Die meisten CO₂-Emissionen entstanden bei M-net nicht durch das Hauptgeschäft

Bei M-net stellte sich heraus, dass nicht das eigentliche Hauptgeschäft, nämlich das Telekommunikationsnetz, der Hauptverursacher von CO₂-Emissionen war, sondern drei andere Bereiche: Die Rechenzentren, die viel Strom für die Rechner und deren Kühlung brauchen, die Büros mit Heizung und Strom sowie der Fuhrpark. Beim Netz stehe M-net vor allem deswegen gut da, weil man schon lange hauptsächlich auf Glasfaser statt Kupferkabel setzt, "die energieeffizienteste Kommunikationstechnologie", wie Killius sagt.

Probleme erkannt, nun galt es erst einmal zu investieren. In den Rechenzentren wurde vor allem die Temperatursteuerung optimiert. M-net hat zudem damit begonnen, selbst erneuerbare Energien zu nutzen, zum Beispiel mit Photovoltaikanlagen, die Verteilerschränke mit Strom versorgen. Der Strom, der eingekauft wird, stammt zu 100 Prozent aus regenerativen Quellen. Für die Büros wurden unter anderem sparsame LED-Leuchtmittel angeschafft. Die Autos werden nach und nach durch E-Autos ersetzt, wenn die Leasingverträge auslaufen.

Ganz ohne Probleme geht das nicht immer ab. Mitarbeiter, die abends mit ihrem Firmenfahrzeug nach Hause fahren, haben dort nicht immer eine Lademöglichkeit. Und M-net hat auch ein Notstromaggregat auf einem Anhänger - "aber bisher gibt es noch kein E-Auto mit Anhängerkupplung", sagt Killius. 90 Prozent der CO₂-Emissionen von 2019 hat M-net inzwischen schon eingespart, die restlichen zehn Prozent werden kompensiert, allerdings nicht über die üblichen Zertifikate, die man für etwa 25 Euro pro Tonne CO₂ kaufen könne, wie Killius sagt. Vielmehr hat man sich zwei Kompensationsprojekte ausgesucht, ein Trinkwasserprojekt in Madagaskar und ein Aufforstungsprojekt in Poing bei München, wo M-net-Mitarbeiter selbst mit anpacken, um in einem geschädigten Waldstück klimatolerante Baumarten zu pflanzen.

"Wir haben viel Zustimmung und Begeisterung erfahren", sagt Killius, besonders die Idee, in der Region etwas gegen den Klimawandel zu tun, sei gut aufgenommen worden - schließlich sei man ja auch ein regionales Unternehmen. "Kritische Rückfragen bei den E-Autos gab es aber schon auch", gibt der M-net-Chef zu. Insgesamt aber ziehe das gesamte Unternehmen gut mit. Die Diskussion darüber, statt der Zertifikate eigene, teurere Projekte auszuwählen, sei "sehr kurz" gewesen, sagt Killius, "aber nicht aus Marketinggründen." Dahinter standen auch betriebswirtschaftliche Überlegungen: "Wenn wir jetzt nichts tun, beißt es uns in ein paar Jahren."

Der TÜV beurteilt Firmen auf der Grundlage des Greenhouse Gas Protocol. M-net erfüllt dabei die Stufen eins und zwei. Das heißt also, dass man für die CO₂-Emissionen, die direkt durch das Unternehmen entstehen, etwa durch den Fuhrpark, sowie für indirekte Emissionen, zum Beispiel beim eingekauften Strom, Klimaneutralität garantieren kann. Stufe drei würde dann auch Dinge wie Endgeräte einbeziehen, die M-net an seine Kunden herausgibt, etwa Internetrouter. "Daran arbeiten wir, sagt Killius, "aber wir sind da erst am Anfang." Den begonnenen Weg aber werde man fortsetzen.

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