Luxusmode:53 Euro für eine Dior-Handtasche

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Bernard Arnault ist Chef des Luxusmodekonzerns LVMH. (Foto: Gonzalo Fuentes/Reuters)

Nach einer Armani-Tochter wurde nun auch Manufactures Dior in Italien unter gerichtliche Verwaltung gestellt. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, Aufträge an chinesische Firmen vergeben zu haben, die ihre Arbeiter ausbeuteten.

Wegen Verstößen gegen den Arbeitsschutz ist nach einer Armani-Tochter in Italien nun auch ein Ableger des französischen Luxusmode-Konzerns LVMH unter juristische Aufsicht gestellt worden. Das Mailänder Gericht ordnete an, Manufactures Dior für ein Jahr unter gerichtliche Verwaltung zu stellen, wie aus einem von Reuters eingesehenen Dokument hervorgeht. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, Aufträge an chinesische Firmen vergeben zu haben, die ihre Arbeiter ausbeuteten. Dabei gehe es nicht um einen einmaligen Verstoß. „Es handelt sich nicht um etwas Sporadisches, das einzelne Produktionschargen betrifft, sondern um eine allgemeine und konsolidierte Methode“, heißt es in dem Dokument.

Die Ermittlungen konzentrierten sich auf vier kleine Lieferanten mit 32 Mitarbeitern, die in der Umgebung von Mailand arbeiteten, von denen zwei illegal ins Land einwanderten, während weitere sieben ohne die erforderlichen Dokumente arbeiteten. Die Arbeiter seien gezwungen worden, am Arbeitsplatz zu schlafen, um „24 Stunden am Tag als Arbeitskräfte zur Verfügung zu stehen.“ Das Personal habe „unter hygienischen und gesundheitlichen Bedingungen gelebt und gearbeitet, die unter dem für einen ethischen Ansatz erforderlichen Minimum liegen“, hieß es weiter. Daten zum Stromverbrauch zeigten „nahtlose Tag-Nacht-Produktionszyklen, auch während der Feiertage.“

Darüber hinaus seien Sicherheitsvorrichtungen von den Maschinen entfernt worden, um einen schnelleren Betrieb zu ermöglichen. Die Kosten seien so eingedämmt worden, dass Dior nur 53 Euro für die Lieferung einer Handtasche in Rechnung gestellt werden konnten. Als Beispiel wird ein Dior-Modell mit der Codenummer PO312YKY angeführt, das das Modehaus dann für 2600 Euro in Geschäften verkaufte. Pelletteria Elisabetta Yang und Davide Albertario Milano seien direkte Lieferanten von Manufactures Dior. Pelletteria Elisabetta Yang stellte Dior für das Geschäftsjahr 2023/24 752 881 Euro in Rechnung, Davide Albertario 737 623 Euro für 2024. LVMH äußerte sich nicht zu der Angelegenheit.

Die Aktien des Konzerns gaben am Dienstag um 1,6 Prozent nach. Die Lieferketten der Luxusindustrie sind in den vergangenen Jahren verstärkt unter die Lupe genommen worden. Italien ist die Heimat Tausender kleiner Hersteller, die nach Daten des Beratungsunternehmens Bain 50 bis 55 Prozent der weltweiten Luxusgüterproduktion abdecken.

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