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LVMH-Chef Bernard Arnault:Der Luxuskönig verteilt sein Erbe

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Der Tod ist für Bernard Arnault "das Grundproblem des Menschen". Jetzt hat der reichste Mann Europas mit 73 seine beiden ältesten Kinder befördert. Aber zurücktreten? Bon dieu!

Von Michael Kläsgen

Das mit dem Tod ist irgendwie blöd, keine Frage. Dagegen kann auch er als einer der reichsten Menschen der Welt nichts machen. Sonst würde der Franzose Bernard Arnault Luxusmarken wohl ewig weitersammeln, wie andere Briefmarken oder interessante Erfahrungen. Bei Arnault, Sohn eines Bauunternehmers aus dem nicht ganz so schönen Roubaix in Nordfrankreich, hat sich da inzwischen einiges angehäuft. Mit den Taschen und Koffern von Louis Vuitton und dem Champagner von Moët Hennessy fing es im großen Stil an. Deswegen heißt sein Konglomerat auch LVMH. Rimowa und Birkenstock kamen später hinzu, nicht ganz so glamourös, aber grundsolide, deutsch eben. Auch davor macht der Sammeltrieb Arnaults nicht halt.

Trotz Ukraine-Krieg, Inflation und Corona summiert sich der Börsenwert von LVMH in diesen Tagen auf fast 380 Milliarden Euro. Damit ist das Luxus-Konglomerat laut Bloomberg das wertvollste Unternehmen Europas und gut dreimal so viel wert wie SAP, Deutschlands Börsen-Schwergewicht. Es läuft also für Arnault und seine Firma, wenn da nur nicht diese blöde Sache wäre. "Ich denke, dass das Grundproblem des Menschen der Tod ist", vertraute er einer Journalistin in einem Moment der Offenheit an, die noch seltener sind als diamantenbestückte Kroko-Ledertaschen. 73 ist er jetzt, fünf Kinder hat er aus zwei Ehen, und ein Macher wie er muss dann auch mal unangenehme Dinge entscheiden. Das hat er jetzt getan, ein bisschen jedenfalls.

Nicht, dass er zurücktreten würde. Bon dieu, bitte nicht missverstehen. Hatte er doch neulich erst die Altersgrenze für den Posten des Vorstandschefs von 75 auf 80 Jahre anheben lassen. Und der Chef, das ist natürlich er. Vielleicht sogar bis zu seinem Tod. Die Regelungen für seine Nachfolge hat er dennoch in Angriff genommen. Schritt für Schritt trifft er Entscheidungen, aus denen sich ablesen lässt, wie er sich das vorstellt, wenn das Unvermeidbare eingetreten ist.

Seine Erstgeborene, seine Tochter, beförderte Arnault zuletzt - aber eben auch seinen Sohn

Am Mittwoch ernannte er Delphine, die Erstgeborene und seine einzige Tochter, zur Leiterin von Dior, der wohl bekanntesten Haute-Couture-Marke seines Luxusreichs. Die 47-Jährige war in den vergangenen zehn Jahren Vizechefin von Louis Vuitton und damit zuständig für die Produkte der Marke. Sie hatte zuvor auch schon für Dior gearbeitet und weiß, wie das Geschäft aus Sicht ihres Vaters zu laufen hat.

Wenn sich schon nicht jede Frau ein Dior-Kleid leisten kann, dann verkauf ihr doch wenigstens ein Dior-Parfüm, auch das steigert Umsatz und Gewinn. Jede Marke lässt sich irgendwie ausdehnen auf andere Produkte, deren Herstellung sich industrialisieren und skalieren lässt. Das ist der Schlüssel zum Erfolg von LVMH. Zuletzt hat Dior so noch mal mehr Mode- und Lederwaren verkauft als andere LVMH-Marken.

Die Marke ist offenbar alles andere als verstaubt. Nach zwei Jahren Renovierung eröffnete in Paris im vergangenen März der Dior-Vorzeigeladen in der Avenue Montaigne neu. Bis Oktober strömten mehr als eine halbe Million Leute in die Boutique, manche davon kauften auch das ein oder andere Parfüm-Fläschchen.

Für Delphine als neue Frontfrau von Dior ist das also ein ganz nettes Geschenk. Die Kronprinzessin mit berechtigter Hoffnung, ihrem Vater als Luxuskönigin von Frankreich nachzufolgen, ist sie damit nicht. Denn der Patriarch hat auch seinen ältesten Sohn Antoine neulich befördert. Der 45-jährige Filius, verheiratet mit dem russischen Mannequin Natalia Wodjanowa, Spitzname Supernova, darf sich fortan stellvertretender Vorsitzender der Christian Dior SE nennen, der Holding-Gesellschaft, über die die Familie LVMH kontrolliert.

Auch er hat, wie alle anderen Kinder, zuvor bei einer der Luxusmarken gearbeitet, zuletzt beim Schuhlabel Berluti, und war Chef der Kommunikationsabteilung von LVMH. Als solcher weiß er, dass er besser verneint, wenn er gefragt würde, ob er jetzt der designierte Nachfolger seines Vaters ist.

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