Luxus-Skigebiet in Nordkorea:Kims Paradies

Schneebedeckte Pisten, Hotels direkt am Hang - und die Bevölkerung hungert: Die Pläne Nordkoreas, als Propagandaprojekt ein luxuriöses Skigebiet zu eröffnen, stoßen nicht überall auf Beifall. Zum Beispiel in der Schweiz, wo Kim Jong Un die nötigen Skilifte bestellen wollte.

Von Wolfgang Koydl

Denkt man an typische Schweizer Exportprodukte, ist eines der letzten Empfängerländer, die einem in den Sinn kommen, Nordkorea. Leckere Schokolade, dampfendes Fondue und teure Uhren - das dürfte unerreichbarer, wenn nicht gar völlig unbekannter Luxus in diesem Armenhaus sein. Tatsächlich aber hat die Eidgenossenschaft 2012 Güter im Wert von 2,5 Millionen Franken ins Reich von Diktator Kim Jong Un verkauft - darunter Uhren, Schokolade und Raclette-Käse. Außerdem telefoniert man in Nordkorea mit Wählscheibenapparaten. Sie sind zwar museal, doch immerhin in der Schweiz hergestellt.

Viele kulinarische Leckereien allerdings dürften im Umfeld des Tyrannen enden, dem schließlich ein persönlicher Bezug zur Schweiz nachgesagt wird: Von 1998 bis 2001 soll ihn sein Vater Kim Jong Il inkognito auf eine Schule in Bern geschickt haben. Deshalb überraschte nicht, dass sich der junge Kim auch bei seinem jüngsten Projekt auf ein typisch schweizerisches Qualitätsprodukt besann: eine Seilbahn. Soldaten bauen im Osten des Landes ein Ski-Resort, das weniger den werktätigen Massen als zahlungskräftigen ausländischen Touristen vorbehalten sein wird. Mit Pisten von insgesamt 110 Kilometern Länge, Hotels, Seilbahnen, Skiliften und einem Hubschrauber-Landeplatz muss sich Kims Pulverschneeparadies nicht hinter Wintersportorten in den Alpen verstecken.

Schon im Frühjahr kontaktierten die Machthaber in Pjöngjang die renommierte Bartholet Maschinenbau AG (BMF) im sankt-gallischen Flums. Die Firma ist eine Spezialistin, wenn es darum geht, Menschen mit technischer Hilfe in verschiedenster Weise auf einen Berg zu bringen. Die Nordkoreaner interessierten sich für eine kombinierte Anlage aus Sessel- und Kabinenbahn. Kostenpunkt: ungefähr sieben Millionen Franken. Anfang Juni wurde der Deal besiegelt. BMF sollte die Anlage in Einzelteilen an einen chinesischen Partner liefern, der sie vor Ort montieren würde. Sicherheitshalber fragten die Flumser die Regierung in Bern, ob es Einwände gegen den Handel gebe. Immerhin hatten die UN wegen eines Atomtests die Sanktionen gegen Nordkorea im März erneut verschärft. Unter anderem ist der Verkauf von "Luxusgütern" verboten - wobei jeder Staat selbst definieren kann, was er darunter versteht.

Bern untersagte den Deal zwar nicht, riet aber wegen des möglichen Reputationsschadens davon ab. Doch das Bergbahnunternehmen ignorierte die Warnung. Schließlich hätten auch Nordkoreaner mit der Seilbahn fahren können, meinte Verwaltungsratspräsident Roland Bartholet. Die Regierung zog die Reißleine: Mit einer Verfügung erweiterte sie die Embargo-Liste um "Infrastrukturinstallationen und Ausrüstungsgüter für Sportanlagen mit Luxuscharakter". Die Vorstellung, dass nordkoreanische Arbeitssklaven dereinst die Pisten hinabwedeln würden, erschien in Bern doch sehr grotesk.

© SZ vom 20.8.2013/mahu/leja
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