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Luxemburg-Leaks zu Eon:Selbst die eher schwammigen Luxemburger Gesetze stellen ein paar Bedingungen

Legal? Im Grunde ja - außer eben Dutchdelta erwiese sich als fremdgelenkte Briefkastenfirma. Und genau an dieser Stelle wird es womöglich unangenehm für Eon. Denn um als eigenständige Firma gelten zu können, muss Dutchdelta selbst nach den eher schwammigen Luxemburger Gesetzen ein paar Kriterien erfüllen.

Die international gängige Maßeinheit ist hierfür die Frage nach der "Substanz". Hat eine Firma wirklich Substanz in einem Land, oder ist sie eine leere Hülle? Zentral ist für diese Einschätzung, ob die wichtigen Entscheidungen im Land fallen. So genannte "key decisions", also Schlüsselentscheidungen, müssen laut Luxemburger Regularien in Luxemburg fallen. Zudem muss die Mehrheit der Manager oder Verwaltungsräte aus Luxemburg sein, oder zumindest dort geschäftlich tätig.

Ein erster Blick in die Bilanzen weckt Zweifel. An der Luxemburger Adresse der Konzerntochter hat über die Jahre nämlich keineswegs ein vielköpfiges Spezialistenteam an diesen Finanzierungsmodellen herumgetüftelt. Vielmehr hatte Dutchdelta den Unterlagen zufolge zeitweise offenbar zwar zwei Luxemburger Verwaltungsräte - aber keinen einzigen Angestellten. So steht es wörtlich in einer Bilanz, Angestellte 2011: "0".

Ein Eon-Sprecher bestreitet. Man habe immer mindestens einen Angestellten gehabt, zudem hätten Angestellte von anderen Luxemburger Eon-Töchtern Dienstleistungen für die Dutchdelta erbracht, deswegen stünden von 2004 bis 2011 keinerlei Löhne in den Bilanzen. Den sehr ausdrücklichen "null Angestellte"-Eintrag in der Bilanz kann der Sprecher jedoch nicht erklären.

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Vielleicht ist es ja eine gute Idee, sich mal am Firmensitz in Luxemburg umzusehen. Die Milliardenfirma - 2008 waren tatsächlich einmal 33 Milliarden Euro als Zugänge bilanziert - hat ihre Büros im vierten Stock des Boulevard Prince Henri Nummer 17. Ein unscheinbares Bürohaus am Stadtpark. Auf den Briefkästen schmale Aufkleber mit etlichen Firmennamen darunter Dutchdelta. Die Klingel gilt für den vierten und den fünften Stock, und damit für mindestens sieben weitere Firmen. Wer klingelt und Fragen zu Dutchdelta stellt, bekommt kaum Antworten und wird über die Sprechanlage eher brüsk nach Deutschland verwiesen.

Weiterführender als das Gespräch am Klingelschild ist der Name einer der Firmen, die im fünften Stock residieren: Intruma. Diese Firma hat sich auf Hilfsdienste für internationale Firmen konzentriert, die Geschäfte über Luxemburg abwickeln wollen. Laut Selbstauskunft auf ihrer Website bietet die Intruma unter anderem "Büroraum" an, um ihren Kunden "Sichtbarkeit" in Luxemburg zu ermöglichen.

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