Luftverkehr:Flugbranche setzt auf Do-it-yourself

Luftverkehr: So wie in Amsterdam herrschte im vergangenen Sommer an vielen europäischen Flughäfen Chaos.

So wie in Amsterdam herrschte im vergangenen Sommer an vielen europäischen Flughäfen Chaos.

(Foto: Jeroen Jumelet/dpa)

Fluggesellschaften und Flughäfen hoffen, dass sich das Sommerchaos von 2022 nicht wiederholt. Die Passagiere sollen dabei kräftig mithelfen.

Von Jens Flottau, Frankfurt

Der Sommer 2022 ist vielen Passagieren noch in lebhafter Erinnerung: Zehntausende abgesagte Flüge, Verspätungen, scheinbar endlose Schlangen an den Sicherheitsschleusen - unbeschreibliches Chaos überall. Wie also wird eigentlich der nächste Sommer, wenn vermutlich noch einmal deutlich mehr Fluggäste in den Urlaub reisen wollen und auf den Flughäfen auf schwer genervte Geschäftsreisende treffen?

"Wenn alle an einem Strang ziehen, dann wird das für uns in diesem Sommer machbar sein", sagt Jost Lammers, Präsident des Bundesverbandes der deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) und Chef der Flughafen München Gesellschaft (FMG). Klingt beim ersten Hinhören eigentlich ganz gut, allerdings nur dann. Denn Lammers hat zwar "hohe Erwartungen an die Systemstabilität" - sprich: es wird schon klappen - schränkt aber gleich ein, dass "ganz viele Rädchen ineinandergreifen müssen."

Die gute Nachricht aus Sicht der Passagiere ist, dass die Branche nicht mehr wie 2022 kalt erwischt wird von einem in der Form nicht erwarteten rasanten Anstieg der Nachfrage (plus 110 Prozent). Der Luftverkehr in Deutschland ist trotzdem auch erst bei 70 Prozent des Niveaus von 2019 angekommen, im Rest Europas liegt er nun schon bei 84 Prozent. Grund ist vor allem, dass die Billigfluggesellschaften auf den deutschen Markt lang nicht so schnell zurückgekehrt sind - hohe Gebühren und eine aggressive Lufthansa, die ihre Drehkreuze in München und Frankfurt gegen ungeliebte Eindringlinge wie Ryanair und Easyjet vehement verteidigt, spielen dabei eine zentrale Rolle.

Die schlechte Nachricht ist aber, dass es auch aus Sicht von Lammers eine Menge "Unwägbarkeiten" gibt. In Deutschland herrscht nahezu Vollbeschäftigung, Airlines und Flughäfen fällt es wie vielen anderen extrem schwer, zusätzliche Mitarbeiter zu finden. Bessere Geräte für die Sicherheitskontrollen einzuführen, die mehr Durchsatz bieten, dauert. Die Flugsicherung führt neue IT-Systeme ein, was zu Engpässen führen könnte, im Juni in Deutschland findet eine große Militärübung namens "Air Defender 2023" statt, die den zivilen Flugkapazitäten ebenfalls nicht zuträglich sein dürfte. Es bleibt also schwierig.

Bezeichnenderweise setzt die Branche darauf, dass die Passagiere selbst viel zu einem glatteren Verlauf beitragen. Sie sollen am besten online einchecken, ihr Gepäck an Automaten abgeben. Außerdem rät Lammers "dringend, mit nicht mehr als einem Handgepäckstück zu reisen."

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