bedeckt München 27°

Luftverkehr:Lufthansa erwägt Kauf von Air-Berlin-Strecken und -Flugzeugen

Eine Air-Berlin-Maschine auf dem Rollfeld des Düsseldorfer Flughafens.

(Foto: AFP)
  • Die Lufthansa verhandelt offenbar mit der angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin über einen großen Teil des Unternehmens.
  • Es könnte eine Flotte von etwa 40 Flugzeugen den Besitzer wechseln.
  • Air Berlin will zudem Strecken außerhalb seiner Hauptstandorte Berlin und Düsseldorf loswerden.

Die finanziell angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin verhandelt offenbar mit der Lufthansa über einen Verkauf eines großen Unternehmensteils. Nach Informationen aus Branchenkreisen will die Airline - auch auf Druck des wichtigsten Anteilseigners Etihad Airways - die dezentralen Strecken außerhalb der Hauptstandorte in Berlin und Düsseldorf loswerden und sich künftig auf das Geschäft mit Umsteigern und Geschäftskunden zu konzentrieren. Die Air-Berlin-Aktie stieg am Mittwoch nach Bekanntwerden der Pläne dramatisch an, am späten Vormittag betrug das Plus 21 Prozent.

Dem Vernehmen nach könnte Lufthansa eine Flotte von etwa 40 Flugzeugen übernehmen, also etwas weniger als ein Drittel des Air-Berlin-Flugbetriebes. Diese fliegen derzeit vor allem Strecken zu Urlaubszielen rund um das Mittelmeer, wo Air Berlin vor allem auf dem Flughafen Palma de Mallorca trotz starker Kürzungen weiterhin zahlreiche Flüge anbietet. Weder Lufthansa noch Etihad und Air Berlin wollten sich auf Anfrage zu den Gesprächen äußern. Das Handelsblatt hatte zuerst über die konkreten Pläne berichtet.

Air Berlin häuft seit Jahren horrende Verluste an

Die Fluggesellschaft Air Berlin ist als Spezialist für Ferienflüge ans Mittelmeer groß geworden. Später vollzog der langjährige Konzernchef Joachim Hunold eine verhängnisvolle strategische Wende und wollte die Airline als Netzanbieter im Geschäftsreisesegment positionieren. Dafür kaufte er die Deutsche BA und LTU - die Flugbetriebe sind jedoch bis heute nicht vollständig integriert. Air Berlin befindet sich seit vielen Jahren daher im Krisenmodus und häuft horrende Verluste an. 2012 beteiligte sich Etihad Airways mit 29 Prozent an Air Berlin und hält ihre deutsche Beteiligung mit immer neuen Finanzhilfen am Leben. 2015 machte Air Berlin einen operativen Verlust von 307 Millionen Euro, im ersten Quartal 2016 waren es 172 Millionen. Das Eigenkapital der Firma ist seit langem negativ.

Etihad versucht derzeit, Air Berlin noch stärker zu einer Fluggesellschaft mit Fokus auf Geschäftsreisende umzukrempeln. Die Gesellschaft hat vor allem Interesse an den Zubringerflügen nach Düsseldorf und Berlin und an einigen der Langstrecken. Das Touristikgeschäft ans Mittelmeer hingegen passt weniger zum Etihad-Modell. Allerdings laufen einige Teile der Ferienflüge bei Air Berlin noch am besten, die großen Verluste fliegt das Unternehmen Insidern zufolge auf den Geschäftsreisestrecken innerhalb Europas ein.

Bei Lufthansa würden die Touristikflüge hingegen gut hineinpassen: Deutschlands größte Fluggesellschaft will die Billigsparte Eurowings schnell wachsen lassen und sucht dabei auch nach Möglichkeiten, andere Flugbetriebe zu übernehmen. Die Air-Berlin-Strecken könnten bei Eurowings integriert werden und würden das angestrebte schnelle Wachstum von Eurowings ermöglichen.

Bundesregierung favorisiert "deutsche Lösung" für Air Berlin

Ob es tatsächlich zu der Übernahme kommt, ist allerdings alles andere als sicher: Die Lufthansa hätten zusammen mit dem Air-Berlin-Teil an einigen deutschen Flughäfen wie Stuttgart, Hamburg oder Nürnberg einen sehr hohen Marktanteil. Das Bundeskartellamt würde dies mit Sicherheit genau prüfen. SZ-Informationen zufolge favorisiert die Bundesregierung aber für Air Berlin eine "deutsche Lösung". Branchenkreisen zufolge gibt es bereits Gespräche dazu, wie die Air-Berlin-Strecken mitsamt den Flughafen-Slots an Eurowings übertragen werden könnten.

Ungeklärt wäre dann jedoch auch die Perspektive für den bei Etihad verbleibenden Großteil von Air Berlin. Eine Option ist offenbar, diesen mit Alitalia zu verschmelzen, an der Etihad 49 Prozent der Anteile hält.