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Luftverkehr:Condor will weiterfliegen

Condor-Chef  Ralf Teckentrup

Ralf Teckentrup, 62, fing nach dem Studium als Wirtschaftsingenieur 1986 bei der Lufthansa an. 2004 kam er zu Condor und führt seitdem die Geschäfte.

(Foto: Christian Christes/dpa)

Die Charterairline stand kurz vor dem Aus, jetzt ist ein neuer Eigentümer aus Polen eingestiegen. Aber es gibt noch offene Fragen.

Die Prioritäten für das Management der Ferienfluggesellschaft Condor waren in den vergangenen Monaten ziemlich eindeutig definiert. Airline-Chef Ralf Teckentrup und seine Leute mussten nach dem Zusammenbruch des Mutterkonzerns Thomas Cook zunächst dafür sorgen, dass Condor überhaupt weiterfliegt - und dann möglichst schnell einen Käufer finden. Nachdem sich mittlerweile mit der polnischen Luftfahrtgruppe PGL, zu der auch LOT Polish Airlines gehört, ein Investor gefunden hat, will das Unternehmen schnell wachsen.

Teckentrup rechnet damit, dass das seit Oktober laufende Schutzschirmverfahren Ende März beendet wird. Vorher muss die Gläubigerausschuss der vorgeschlagenen Quote für ihre Forderungen zustimmen. Im April würde dann PGL Condor vollständig übernehmen. Der staatliche Übergangskredit in Höhe von 380 Millionen Euro, der es dem Unternehmen überhaupt erst ermöglicht hat, in den vergangenen Monate seit der Cook-Insolvenz weiter zufliegen, soll ebenfalls im April zurückgezahlt werden, teilweise mit der Kaufpreis, den die Polen zahlen. "Es gibt aus meiner Sicht keine Risiken", betont Teckentrup. Nach der Freigabe der Fusion durch das Bundeskartellamt in dieser Woche stünden noch die Entscheidungen der Kartellbehörden der Türkei, Spaniens und Zyperns aus.

Condor und LOT wollen zudem beginnen, ihre künftige Zusammenarbeit im Detail zu erarbeiten, bislang durften sie sich damit aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nur kursorisch befassen. "Wir haben eine Menge Ideen, was wir zusammen machen können", sagt Teckentrup. Obwohl also die Pläne mit dem neuen Eigentümer noch abgestimmt werden müssen, hat Condor den Rahmen schon gesetzt: "Wir werden zweistellig wachsen." Im kommenden Winter werden voraussichtlich drei zusätzliche Flugzeuge auf den Kurz- und Mittelstrecken eingesetzt. Condor plant auch, wieder Maschinen in Berlin zu stationieren, von wo sich die Airline nach der Thomas-Cook-Pleite zurückgezogen hatte. Dem Vernehmen nach erwägt das Management auch, Langstreckenflüge von Düsseldorf aus aufzulegen. Teckentrup wollte sich zu den Plänen nicht konkret äußern.

Düsseldorf ist für die deutschen Airlines wegen des großen Einzugsgebietes ein interessanter Markt. Zuletzt ist aber Lufthansa-Ableger Eurowings mit den eigenen Langstrecken tief in die roten Zahlen geflogen. Der Konkurrent Tuifly, der zum Reisekonzern Tui gehört, stationiert vom kommenden Winterflugplan an ebenfalls zwei Großraumflugzeuge auf dem nach Frankfurt und München drittgrößten deutschen Flughafen.

Ungeklärt ist allerdings das künftige Verhältnis zwischen Condor und Lufthansa. Die größte deutsche Airline hatte bislang Zubringerflüge zu den Condor-Langstrecken durchführt. Im Konzern gibt es starke Kräfte, die ein Ende der Zusammenarbeit fordern, denn man wolle über Condor nicht indirekt den eigenen Konkurrenten LOT fördern. Auch beim Vielfliegerprogramm Miles and More arbeiten Lufthansa und Condor mittlerweile zusammen.

Lufthansa hat noch nicht entschieden ob sie die Kooperation aufkündigt, mit einer Entscheidung wird aber in den nächsten Wochen gerechnet. Die Zubringerfunktion von Lufthansa zu verlieren, wäre für Condor ein empfindlicher Rückschlag. Die großen deutschen Reiseveranstalter setzen sich sehr für Condor ein, denn sei wollen sie nicht zu stark von der Lufthansa und ihrer Billigtochter Eurowings abhängig werden.

© SZ vom 22.02.2020

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