LuftfahrtLufthansa erwartet keine Kerosin-Knappheit

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Eine Lufthansa-Maschine landet in Frankfurt am Main. Den Ausführungen von Carsten Spohr zufolge werden Lufthansa-Maschinen trotz des Kerosinmangels das auch weiterhin tun können.
Eine Lufthansa-Maschine landet in Frankfurt am Main. Den Ausführungen von Carsten Spohr zufolge werden Lufthansa-Maschinen trotz des Kerosinmangels das auch weiterhin tun können. Boris Roessler/Boris Roessler/dpa

Konzernchef Carsten Spohr geht davon aus, dass die fehlenden Importe aus der Golfregion kompensiert werden können. Derzeit plant die Airline, keine weiteren Flüge zu streichen – und erhöht die Flugpreise.

Von Jens Flottau, Frankfurt

Die Lufthansa rechnet bis mindestens Ende Juni nicht damit, dass Treibstoff in Europa knapp werden könnte. Laut Vorstandschef Carsten Spohr bereitet sich das Unternehmen zwar auf alternative Szenarien für die Zeit danach vor. Er glaubt aber, dass die fehlenden Lieferungen aus der Golfregion „auf Dauer“ ersetzt werden können.

Spohr forderte allerdings von der Europäischen Kommission weitere Schritte. Sie müsse die sogenannte Slot-Regulierung zeitweise aussetzen, durch die Fluglinien normalerweise an großen Flughäfen Start- und Landezeiten verlieren, wenn sie nicht mindestens 80 Prozent der geplanten Flüge ausführen. Außerdem müsse sie das „Tankering“ erlauben, bei dem Flugzeuge auf dem Hinflug auch schon den Treibstoff für den Rückflug mitnehmen. Das ist eigentlich wegen der zusätzlichen Umweltbelastung, die durch den höheren Verbrauch entsteht, in Europa verboten.

Etwa ein Viertel des normalen Treibstoffbedarfs stammt aus der Golfregion. Dieser Anteil werde derzeit zur Hälfte durch zusätzliche Importe aus den USA, Nigeria und „ein bisschen“ aus Israel ersetzt, so Spohr. Auch Raffinerien könnten „den Output erhöhen“. Die andere Hälfte werde derzeit aus Lagerbeständen kompensiert. Die Importe könnten aber weiter erhöht werden, sodass dann auch die Lager wieder aufgefüllt werden könnten. Lufthansa plant deswegen nicht, bis zum Winter weitere Flüge aus dem Programm zu nehmen. Zuletzt hatte der Konzern das Flugangebot der Tochter Cityline gestoppt und damit die Gesamtkapazität um etwa ein Prozent reduziert.

Spohr zufolge ist die Kerosinversorgung in anderen Regionen, vor allem in Asien, problematischer. Lufthansa hatte zuletzt versucht, mehr Langstrecken dorthin anzubieten, zumal die Golf-Airlines Emirates, Etihad und Qatar Airways wegen der iranischen Drohnenangriffe zeitweise stark eingeschränkt hatten. Einige Flughäfen in Asien hatten die Anfragen aber abgewiesen, weil sie zunächst sicherstellen wollten, dass sie die jetzt schon geplanten Flüge versorgen können. Sollte sich die Lage verschlimmern, erwägt Lufthansa, auf den Asien-Flügen Zwischenlandungen an Airports einzubauen, an denen es ausreichend Treibstoff gibt.

Um Raffineriekapazitäten hierzulande freizugeben, fordert Spohr von der Flugsicherheitsbehörde European Union Aviation Safety Agency (EASA), diese müsse den in den USA üblichen Treibstoffstandard Jet-A auch in Europa zulassen. Derzeit wird aus den USA importierter Treibstoff in Europa noch einmal durch den Raffinerieprozess geschleust, um es auf den hier üblichen Standard Jet-A1 (mit niedrigerem Gefrierpunkt) zu bringen. Die EASA bestätigte auf Anfrage, dass sie Jet-A zulassen will.

Lufthansa selbst rechnet für 2026 mit Treibstoffkosten in Höhe von 8,9 Milliarden Euro, das sind 1,7 Milliarden mehr als im vergangenen Jahr. Sie hält allerdings trotzdem an ihrer Prognose fest, einen bereinigten operativen Gewinn deutlich über dem Vorjahresniveau zu erreichen. Das liegt vor allem daran, dass die Preise für Treibstoff im ersten Quartal noch unter dem Level von 2025 lagen, sie im zweiten Quartal 60 Prozent der zusätzlichen Kosten über höhere Ticketpreise kompensieren kann. Für die zweite Jahreshälfte geht sie angesichts der weiterhin starken Nachfrage sogar davon aus, dass sie die höheren Kosten vollständig an die Kunden durchreichen kann. Im April sind laut Lufthansa die Stückerlöse, grob gesagt also die Ticketpreise, in der Gruppe um zwölf Prozent gestiegen.

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