Luftfahrt:Lufthansa will die Techniksparte nun doch behalten

Luftfahrt: Arbeiten an einem Triebwerk: Viele Motoren des Herstellers Pratt & Whitney müssen in den nächsten Monaten überprüft werden.

Arbeiten an einem Triebwerk: Viele Motoren des Herstellers Pratt & Whitney müssen in den nächsten Monaten überprüft werden.

(Foto: Christian Charisius/dpa)

Der Konzern gibt die Investorensuche für Lufthansa Technik auf und will stattdessen neue Standorte eröffnen. Der Grund: Der Bedarf ist so groß, weil es zu viele Probleme mit den Triebwerken gibt.

Von Jens Flottau, Frankfurt

In der ersten Jahreshälfte 2024 werden rund 600 Flugzeuge der Airbus A320neo-Baureihe gleichzeitig am Boden stehen. Die Motoren bestimmter Baujahre des amerikanischen Herstellers Pratt & Whitney müssen wegen möglicher Materialfehler kontrolliert und viele von ihnen wahrscheinlich repariert werden. Für die Fluggesellschaften, die angesichts des weiter anhaltenden Nachfragebooms jedes Flugzeug in die Luft bringen wollen, ein riesiges, teures Ärgernis.

Die neueste Pratt-Krise war nun aber wohl auch einer der letzten Anstöße für eine ziemlich wichtige strategische Entscheidung der Lufthansa. Als diese wegen der Corona-Pandemie Mitte 2020 kurz vor der Insolvenz stand, hatte sie beschlossen, einen Minderheitseigner bei ihrer Wartungssparte Lufthansa Technik an Bord zu holen und damit hoffentlich mehrere Milliarden Euro einzunehmen. Über drei Jahre zogen sich die Verhandlungen hin, ein Abschluss gelang nicht. Nun hat der Konzern entschieden, den Verkauf abzublasen und stattdessen selbst kräftig ins Wartungsgeschäft zu investieren.

"Angesichts der anhaltenden Herstellerprobleme - insbesondere bei Triebwerken - ist der strategische Wert unserer Lufthansa Technik als integraler Teil der Lufthansa Group in den vergangenen Monaten nochmals deutlich gestiegen", sagt Detlef Kayser, Konzernvorstand für Flotte und Technologie, zudem Aufsichtsratsvorsitzender von Lufthansa Technik. Die Probleme bei Pratt sind besonders gravierend: Generell verbrauchen die Motoren der neuesten Generation zwar deutlich weniger Sprit als ihre Vorgänger, sind aber deutlich wartungsintensiver.

Der Konzern hatte sich zuletzt von immer mehr Tochtergesellschaften getrennt

"Wir haben noch viel vor mit Lufthansa Technik", sagt Kayser. Vor allem soll die Sparte weiter wachsen. In Europa soll bald ein weiteres Werk entstehen, um die Kapazität vor allem in der Triebwerkswartung auszubauen. Kayser zufolge sind "auch Zukäufe möglich". Ein weiteres Wachstumsfeld ist die Wartung von militärischen Flugzeugen, die bislang nicht zum Kerngeschäft gehört hat. Lufthansa Technik hat ihren Hauptsitz in Hamburg und wird 2023 voraussichtlich einen Umsatz von mehr als sechs Milliarden Euro machen. Im vergangenen Jahr waren es 5,6 Milliarden.

Der Konzern hatte sich zuletzt von immer mehr Tochtergesellschaften getrennt, unter anderem dem Catering-Spezialisten LSG Sky-Chefs. Lufthansa möchte sich auf die eigentlichen Airlines konzentrieren - 13 Flugbetriebe gehören mittlerweile zur Gruppe. Im Sommer einigte sich Lufthansa zudem mit dem italienischen Staat, zunächst 41 Prozent von ITA Airways zu übernehmen. Doch bis heute hat sie das Vorhaben noch nicht formal bei der Europäischen Kommission eingereicht, diese muss den Zusammenschluss genehmigen. Der Konzern will möglichst alle Bedingungen vorab klären, um das eigentliche Verfahren abzukürzen. Unter anderem geht es Berichten zufolge darum, Start- und Landezeiten am Flughafen Mailand-Malpensa abzugeben. ITA hat dort nur eine sehr geringe Präsenz, für Lufthansa ist Mailand aber ein wichtiger Standort für Zubringerflüge zu den Drehkreuzen in München und Frankfurt.

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