Bei der Lufthansa hat kurz nach Mitternacht ein erneuter Pilotenstreik begonnen. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat bis Dienstag zu Arbeitsniederlegungen bei der Lufthansa und mehreren Tochtergesellschaften aufgerufen. Zahlreiche Flüge sollen dadurch ausfallen.
Die Ausfallquote werde voraussichtlich wie beim letzten Arbeitskampf im März bei rund 80 Prozent der geplanten Flüge bei der Kernmarke Lufthansa auf der Kurzstrecke liegen, erklärte VC-Präsident Andreas Pinheiro am Sonntag. Das wären etwa 400 Flugstreichungen pro Tag. „Das ist nicht schön für die Passagiere, wird aber so kommen“, sagte Pinheiro. Bei Langstreckenflügen sei der Ausfall etwas geringer, weil die Gewerkschaft Flüge in den Nahen Osten aufgrund der angespannten Lage durch den Iran-Krieg ausnimmt.
Am Freitag erst hatten die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter der Lufthansa die Arbeit niedergelegt, was zu massiven Störungen
zum Ende der Osterferien geführt hatte. Im Tarifstreit über die betriebliche Altersvorsorge legen die Cockpit-Beschäftigten der Lufthansa zum dritten Mal in diesem Jahr die Arbeit nieder. Der Streik hat in der Nacht zum Montag um 0.01 Uhr begonnen und soll am Dienstag kurz vor Mitternacht enden. Auch die Regionalfluggesellschaft Cityline wird zwei Tage bestreikt. Deren Flüge werden nach Einschätzung der VC komplett ausfallen.
Auch Pilotinnen und Piloten von Eurowings sind zum Streik aufgerufen
Erstmals zum Streik aufgerufen sind die Pilotinnen und Piloten der Lufthansa-Tochter Eurowings Deutschland – auch dabei geht es um höhere Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge. Der Ausstand ist auf den Montag begrenzt. Eurowings erklärte, nur der deutsche Flugbetrieb sei betroffen, während Eurowings Europe nicht bestreikt werde. „Die Fluggesellschaft geht davon aus, einen großen Teil ihres Flugprogramms durchführen zu können“, erklärte das Unternehmen. Neben Eurowings Europe könne die Airline auch auf die Unterstützung von Partner-Airlines zählen. Auf diese Weise versucht auch die Lufthansa, die Auswirkungen auf die Fluggäste zu begrenzen.
Der VC-Chef bekräftigte, in den Gesprächen zu Forderungen nach höheren Beiträgen zur Altersversorgung wolle die Lufthansa nach wie vor keinen Cent mehr zahlen. Für den Fall, dass sich der Arbeitgeber nicht bewegt, schloss der VC-Chef weitere Streiks nicht aus. „Solange wir kein Angebot haben, ist eine weitere Eskalation nicht ausgeschlossen“, sagte Pinheiro.
Vor zehn Jahren hatten die Tarifparteien nach einer Streikwelle das System von einer garantierten Leistung auf einen fixen Beitrag umgestellt. Die Höhe hängt damit von Renditen am Kapitalmarkt ab, was nach Ansicht der VC zu einer zu niedrigen Betriebsrente führt. Nach einer Beispielrechnung der VC vom vergangenen Jahr soll die Lufthansa die Zuzahlung von derzeit 820 Euro auf 1800 Euro im Monat erhöhen. Gefordert wurde zudem ein jährlicher Bonus von 1000 Euro und eine Einmalzahlung in das System in Höhe eines Monatsgrundgehalts. Die Lufthansa erklärte, das sei nicht bezahlbar. Die Ausgaben für die „ohnehin schon sehr gute“ Altersversorgung im Cockpit würden sich mehr als verdoppeln.


