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Lufthansa:Noch weniger Flieger, noch weniger Personal

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Schon jetzt hat die Lufthansa viele Flieger vorübergehend stillgelegt, etwa am neuen Berliner Flughafen BER.

(Foto: Markus Mainka/Imago)

Die Corona-Pandemie trifft die Lufthansa noch härter als bislang angenommen. Der Konzern will deshalb Tausende weitere Stellen und Dutzende Flugzeuge einsparen. Für den größten Passagierjet der Welt dürfte es das Aus bedeuten.

Von Jens Flottau, Frankfurt

Angesichts düsterer Aussichten und hoher Verluste hat der Vorstand der Lufthansa nun noch tiefere Einschnitte bei Flotte und Personal beschlossen. Europas größte Fluglinie will ihre Flotte nun dauerhaft um 150 Maschinen verkleinern und zusätzliche Jobs streichen. Details zum Personalabbau teilte der Konzern allerdings nicht mit.

Die Lufthansa kassiert nun die ursprüngliche Prognosen für die Erholung des Luftverkehrs. Der Konzern war zunächst davon ausgegangen, dass die Nachfrage bis Ende des Jahres auf etwa die Hälfte des Niveaus von Ende 2019 zurückkehrt. Nun rechnet die Lufthansa damit, dass für den Flugverkehr stattdessen lediglich ein Niveau von 20 bis 30 Prozent realistisch sei. Auf der Basis der aus heutiger Sicht optimistischeren Annahmen hatte die Fluggesellschaft geplant, 100 Flugzeuge und 22 000 Stellen zu streichen.

Nun könnten nach Schätzungen rund 5000 zusätzliche Arbeitsplätze wegfallen - vorausgesetzt das Unternehmen kann sich mit den Gewerkschaften nicht auf breit angelegte und von vielen angenommene Teilzeitmodelle einigen. Die Verhandlungen stocken aber vor allem bei Piloten und den Bodendienstmitarbeitern. Die Lufthansa beschäftigt derzeit weltweit etwa 130 000 Mitarbeiter. Das Unternehmen betont, es wolle durch Vereinbarungen mit den Mitarbeitervertretern die Zahl der betriebsbedingten Kündigungen begrenzen.

Zudem wird die neue Sparrunde wahrscheinlich das Aus für den Airbus A380 bei der Lufthansa bedeuten. Sechs Maschinen werden sowieso schon 2022 an Airbus zurückgegeben. Die übrigen acht werden jetzt langfristig eingemottet und sollen nur dann reaktiviert werden, wenn sich der Luftverkehr schneller als erwartet erholt. Das Gleiche gilt für Flotte von Airbus A340-600, die bislang ebenfalls auf Langstrecken eingesetzt wurden. Wegen des Flotten-Umbaus muss Lufthansa im dritten Quartal Wertberichtigungen von 1,1 Milliarden Euro verbuchen.

Wegen der prekären Lage macht die Lufthansa derzeit im laufenden Geschäft jeden Monat rund 500 Millionen Euro Verlust. Bis zum Winter will der Konzern das Minus durch rigides Sparen auf rund 400 Millionen Euro drücken. Ziel bleibe weiterhin, im Lauf des kommenden Jahres die Verluste ganz zu stoppen und somit auf viel niedrigerem Niveau als früher operieren zu können, hieß es. So soll es beispielsweise 20 Prozent weniger Leitungspositionen geben, und zwar schon im ersten Quartal 2021. Auch die Büroflächen werden in Deutschland um 30 Prozent verkleinert. Außerdem beschloss der Vorstand, die Managementstruktur zu ändern und die bisherige konzernweit eingeführte Matrix-Organisation auf einige Kernfunktionen der verschiedenen Fluggesellschaften zu konzentrieren.

© SZ/sry
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