Wenige Piloten streiken und ganz Deutschland lahmt - zumindestens ein bisschen: Obwohl der Pilotenstreik bei der Lufthansa vorerst ausgesetzt wurde, werden die Nachwehen den Flugplan der Lufthansa noch bis Freitag durcheinanderbringen.

Auch am Dienstag wird die größte deutsche Fluggesellschaft nur mit dem reduzierten Sonderflugplan fliegen, der eigentlich für den zweiten Streiktag vorgesehen war. Damit dürfte wie bereits am Montag etwa jeder zweite Flug ausfallen. Auch Flüge der Tochter Germanwings und der Frachtsparte Cargo sind erneut betroffen.
Täglich aufgestockt
Der Flugplan solle täglich aufgestockt werden, so dass sich der Betrieb bis zum Freitag wieder normalisiere, sagte eine Lufthansa-Sprecherin am Dienstagmorgen. Zu den rund 1000 Flügen im Sonderflugplan kämen bereits am Dienstag einige weitere zusätzlich hinzu.
Zum aktuellen Flugplan sagte Lufthansa-Sprecher Klaus Walther im ZDF: "Wir werden auf den innerdeutschen 'Rennstrecken' wie Frankfurt-München, Frankfurt-Berlin oder Frankfurt-Hamburg den einen oder anderen zusätzlichen Flug einrichten können. Aber bis das komplette Netzwerk wieder funktioniert, dauert es noch."
Die Lufthansa begründet das nur langsame Wiederanlaufen mit den komplizierten Abläufen im weltweiten Flugnetz.
Weder Maschinen noch Besatzungen seien in vielen Fällen dort, wo sie laut Flugplan sein müssten. Ein großer Teil der Jets steht auf Parkpositionen an den Knotenpunkten Frankfurt und München. Das Unternehmen arbeite mit Hochdruck daran, die Abläufe geordnet wieder hochzufahren, versicherte ein Lufthansa-Sprecher.
Am Montagabend hatten sich die Tarifparteien vor dem Frankfurter Arbeitsgericht auf einen Vergleich geeinigt. Der eigentlich bis Donnerstag geplante Streik wurde nach nur einem Tag bis zum 8. März ausgesetzt, so dass nun genug Raum für neue Verhandlungen ist.
Ein genauer Termin für die Gespräche steht laut Lufthansa noch nicht fest. Es soll über Gehälter und Arbeitsbedingungen von rund 4500 Piloten im Kernbereich des Konzern geredet werden.
Die Lufthansa gab sich allerdings zuversichtlich, bis zum Ende der Friedenspflicht zu einem Ergebnis zu kommen. "Wir sind optimistisch, dass das gelingen wird, wir sind bereit dazu", sagte ihr Sprecher Klaus Walther. Die Verhandlungen würden jedenfalls "unverzüglich" aufgenommen.
Bereits am Montagabend hätten "erste Kontakte auf Arbeitsebene" stattgefunden. Die Lufthansa sei dabei "auch gerne bereit, über eine tarifvertragliche Arbeitsplatzgarantie zu reden."
Millionen als Ausgleich
Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) will aber auch weiterhin die interne Billigkonkurrenz zum Thema machen. Am Montag hatte sie eine wichtige Forderung in dieser Frage fallengelassen. Die Lufthansa hätte nach Vorstellungen von Cockpit als Ausgleich Millionen zahlen sollen, sobald ein Jet ihrer Tochtergesellschaft Lufthansa Italia von einem Piloten außerhalb des Konzerntarifvertrags geflogen wird. Dieser Verhandlungsgegenstand ist vorerst vom Tisch.
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), der noch am Sonntag im Tarifkonflikt versucht hatte zu vermitteln, zeigte sich am Montagabend erleichtert. "Ich bin sehr froh, dass es jetzt zu weiteren Verhandlungen kommt", sagte er in Berlin. Lufthansa und die Pilotengewerkschaft Cockpit seien jetzt aufgerufen, in den kommenden 14 Tagen eine einvernehmliche und nachhaltige Lösung zu finden.
Am Montag war das befürchtete Chaos an den Flughäfen ausgeblieben. Passagiere wurden teils auf andere Fluggesellschaften oder bei innerdeutschen Strecken auf die Bahn umgebucht.
Im Vergleich zu den üblichen 330.000 Fernverkehrs-Kunden am Tag sei die Zahl der Reisenden bei der Bahn aber "nur geringfügig höher" gewesen, teilte die Bahn in Berlin mit. In Abstimmung mit der Lufthansa wurden auf einigen Strecken Zusatzzüge eingesetzt oder die Platzkapazitäten erhöht.
Unterdessen konnte die Lufthansa den Arbeitskampf einer weiteren Berufsgruppe vorläufig abwenden. Der Konzern werde im März Tarifverhandlungen für die rund 16.000 Flugbegleiter der Fluggesellschaft aufnehmen, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO) zu sueddeutsche.de.
Die UFO habe der Lufthansa ihre Forderungen bereits in den vergangenen Wochen wiederholt übermittelt, ohne jedoch eine Antwort zu bekommen. "Nachdem wir jetzt auch über die Presse Verhandlungen gefordert haben, hatten wir innerhalb weniger Stunden ein Gesprächsangebot", so der UFO-Sprecher. Erster Verhandlungstermin werde voraussichtlich der 10. März sein.
Französische Fluglotsen im Streik
Während sich in Deutschland die Wogen im Luftverkehr etwas glätten, gibt es neue Probleme für Flugreisende in Frankreich. Aus Protest gegen eine Zusammenlegung der nationalen Flugsicherungen in der EU traten dort die Fluglotsen in einen viertägigen Streik. Hunderte Flüge im ganzen Land fielen aus oder wurden um Stunden verschoben. Am Pariser Flughafen Orly wurde auf Anordnung der Luftverkehrsbehörde jeder zwei Flug gestrichen, auf Charles de Gaulle jeder vierte.
Die von Brüssel geplante Schaffung eines einheitlichen europäischen Luftraums werde zu einem Jobabbau in Frankreich und zu schlechteren Arbeitskonditionen führen, lautet die Sorge der französischen Fluglotsen. Fünf Gewerkschaften haben zu dem Streik aufgerufen.
Im Video: Lufthansa und Pilotengewerkschaft wollen wieder verhandeln. Dennoch gilt der Notfallflugplan der Lufthansa bis Freitag morgen. Viele Passagiere sind verärgert.
