Als Reaktion auf die Kosten von Streiks und die hohen Kerosinpreise stellt die Lufthansa den Betrieb der Regionalfluggesellschaft Cityline schneller ein als geplant. Auch die Kapazitäten bei der Kernmarke Lufthansa sollen reduziert werden.
Von Samstag an sollen 27 Flugzeuge von Lufthansa Cityline aus dem Programm genommen werden, erklärte das Unternehmen, „um weitere Verluste der defizitären Fluggesellschaft zu reduzieren“. Bisher sollte Cityline den Betrieb erst 2028 einstellen. Die Jets stünden kurz vor dem Ende ihrer technischen Einsatzfähigkeit und hätten vergleichsweise hohe Betriebskosten, teilt Lufthansa mit.
Die Flugbegleitergewerkschaft UFO hat entsetzt auf die
umgehende Schließung reagiert. „Wir sind erschüttert und schockiert über so viel Skrupellosigkeit“, sagte Tarifexperte
Harry Jäger der Nachrichtenagentur Reuters. „Das ist offener Krieg gegen die eigenen Leute.“
Zum Ende des Sommerflugplans werden außerdem vier ältere Langstreckenflugzeuge bei der Kernmarke Lufthansa ausgeflottet. Im Winterflugprogramm werde das Angebot auf der Kurz- und Mittelstrecke um fünf Maschinen reduziert. Zugleich soll die günstiger arbeitende Tochter Discover schneller mit neuen Airbus-A350-Jets expandieren.
Es würden besonders ineffiziente Flugzeuge vorzeitig aus dem Flugbetrieb genommen, um weniger Kerosin am freien Markt zukaufen zu müssen. Der Kerosinverbrauch der Passagier-Airlines der Lufthansa Group sei auf Basis des Rohölpreises mit rund 80 Prozent überdurchschnittlich hoch abgesichert.
Die Lufthansa reagiert damit auch auf den zurzeit unlösbaren Tarifstreit mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit über die betriebliche Altersvorsorge. Die Piloten haben gerade die vierte Streikrunde mit zwei Tagen Ausstand bis Freitag
begonnen. Parallel hat in der vergangenen Woche auch das Kabinenpersonal gestreikt.
UFO will bei der bald geschlossenen Tochtergesellschaft Cityline für ihre Klientel einen Sozialtarifvertrag erstreiten. Lufthansa hat nun angekündigt, Gespräche darüber aufzunehmen – allerdings nicht mit der Flugbegleitergewerkschaft, sondern mit den Betriebsräten.


