Luftfahrt:Neue Lufthansa-Tochter soll Zubringer übernehmen

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Die Maschinen werden von außen nur durch den Zusatz „City“ von den bisherigen Lufthansa-Jets zu unterscheiden sein. (Foto: Lufthansa)

City Airlines startet Ende Juni mit ersten Flügen in München. Das Projekt sorgt für Streit mit den Piloten. Sie sehen es als weiteren Versuch, Lohnkosten zu sparen.

Von Jens Flottau, Frankfurt

Über einen Zeitraum von locker zwei Jahren war niemandem so richtig klar, was City Airlines eigentlich sein soll. Nur eine Drohkulisse gegenüber der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), mit deren Hilfe diese zu Konzessionen bei Gehältern und Tarifbedingungen gedrängt werden sollte, oder tatsächlich noch eine neue Tochtergesellschaft für den schon reichlich komplexen Lufthansa-Konzern?

Je nachdem, wann man die Frage in den Nach-Corona-Jahren stellte, konnte die Antwort unterschiedlich ausfallen. Eine Drohkulisse war City Airlines auf jeden Fall, aber dass daraus wirklich eine echte Fluggesellschaft werden würde, war zwischendurch nicht so klar. Jedenfalls bot Lufthansa im Verlaufe der letzten großen Tarifrunde mit den Piloten an, auf City zu verzichten, wenn die VC nur bereit wäre, genug beim Sparen zu helfen. Für die VC war City so etwas wie ein rotes Tuch, denn die neue Airline sollte Flüge übernehmen, die bisher Lufthansa Airlines durchführt. Damit würden besser bezahlte Jobs durch schlechter bezahlte ersetzt.

Was genug sparen bedeutet, darüber waren sich die beiden wie so oft auch bis zuletzt nicht einig. Und so sitzt nun City-Airlines-Geschäftsführer Jens Fehlinger in einem Frankfurter Flughafenhotel und berichtet von den letzten Vorbereitungen: Am 26. Juni soll der erste Flug der neuen Lufthansa-Airline abheben. Und Fehlinger bezeichnet das Projekt als „eine der größten strategischen Investitionen der letzten Jahre“.

Ein weiterer Versuch, die Kosten auf der Kurzstrecke zu senken

City Airlines soll als Konzerntochter möglichst viele Zubringerflüge zu den Drehkreuzen in Frankfurt und München übernehmen. Aus Kostengründen hatte sich Lufthansa in den vergangenen Jahren immer weiter aus dem Bereich zurückgezogen. Mittlerweile fliegt sie nur noch weniger als die Hälfte aller Zubringer selbst, viele sind an günstigere Tochtergesellschaften wie Austrian, Swiss oder Air Dolomiti ausgelagert. Aber die Zubringer sind nötig, um die vielen Langstreckenmaschinen in Frankfurt und München zu füllen und profitabel fliegen zu lassen.

Aus den dezentralen Strecken, die weder nach Frankfurt noch nach München führen, hat sich Lufthansa ohnehin längst zurückgezogen, Eurowings hat diese übernommen. Für Ferienstrecken in Frankfurt und München gibt es Discover Airlines und für klassische Zubringer nun also City Airlines.

Es ist ein weiterer Versuch, die Kosten auf Kurzstrecken zu senken. In den 1990er-Jahren flogen eine Weile Maschinen mit „Lufthansa Express“-Logo auf innerdeutschen Strecken. Es folgte Germanwings, ebenfalls ein wirtschaftlicher Misserfolg, die während der Corona-Pandemie dichtgemacht wurde. Die heutige Eurowings scheint nach diversen teuren Fehlern und Strategiewechseln mittlerweile eine profitable Nische gefunden zu haben.

Und City Airlines soll jetzt das Gleiche versuchen: „Wir wollen in Europa Marktanteile zurückgewinnen“, sagt Fehlinger. Und die Maschinen, die dafür nötig sind, will er „selbst bereedern“.

Die Mitarbeiter werden deutlich schlechter bezahlt

Die Maschinen werden von außen nur durch den Zusatz „City“ von den bisherigen Lufthansa-Jets zu unterscheiden sein, an Bord soll der Service identisch sein mit dem der großen Schwestergesellschaft, aber die Mitarbeiter werden zu deutlich niedrigeren Gehältern und mit höherer Produktivität arbeiten müssen als ihre Kollegen. Fehlinger betont, City Airlines biete „gute Arbeitsbedingungen“ und man bekomme vier- bis fünfmal so viele Bewerbungen wie Jobs. In München, wo auch die ersten Flüge stattfinden werden, schafft City in diesem Jahr 200 Arbeitsplätze in Cockpit und Kabine, nächstes Jahr sollen es dann weitere 400 werden, ein Teil davon in Frankfurt. Außerdem hat City den Gewerkschaften Verhandlungen über Tarifverträge angeboten, wobei Fehlinger gleich betont: „Die Kosten müssen stimmen.“

City Airlines soll auch Auffangbecken für viele der heutigen Mitarbeiter der Regionalfluggesellschaft Lufthansa Cityline werden. Bei der läuft 2027 eine tarifliche Regelung aus, die ihr bislang erlaubt, große Airbus-Jets zu fliegen. Die Maschinen müssen danach woanders fliegen und auch für die Mitarbeiter sollen andere Jobs im Konzern gefunden werden.

City Airlines beginnt in München mit drei Airbus A319, die sie von Eurowings bekommt, sowie einem größeren Airbus A320neo. Im Jahr 2025 werden bis zu neun weitere A320neo hinzukommen. Ab 2026 übernimmt City Airlines 40 Airbus A220, die mit knapp 150 Sitzen auch für Strecken mit geringerem Aufkommen geeignet sind. City wird zunächst innerdeutsche Strecken von München nach Hamburg, Berlin, Hannover, Düsseldorf und Köln fliegen, dazu Flüge nach Birmingham, Manchester und Bordeaux übernehmen. Und je größer die Flotte wird, desto mehr soll die neue Lufthansa-Tochter auf weitere Europastrecken expandieren.

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