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Lufthansa:Börsenkurs fällt trotz Rettung

Wieder Aufwärts soll es für die Lufthansa mit staatlicher Hilfe gehen. Doch an der Börse sah es zunächst anders aus.

(Foto: Christof Stache/AFP)

Auch Konkurrent KLM bekommt Milliardenhilfen.

Von Valentin Dornis

Die Lufthansa bleibt vorerst weiter in der Luft. Diese Nachricht kam am Donnerstagabend erst nach Börsenschluss: Die Aktionäre stimmten auf der außerordentlichen virtuellen Hauptversammlung am frühen Abend für den Einstieg des Staates und damit gegen eine Insolvenz von Deutschlands größter Fluggesellschaft. Die Rettung der Airline ist zwar erst einmal eine gute Nachricht, doch am Freitag fiel die Reaktion an der Börse nicht sonderlich begeistert aus. Zwischenzeitlich lag der Wert der Aktie knapp acht Prozent niedriger als noch am Vortag.

Die Lufthansa-Vertreter hatten die Anleger auf der Hauptversammlung eindringlich gebeten, dem Rettungspaket zuzustimmen: "Wir haben kein Geld mehr", sagte Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley. Für die Aktionäre bedeutete das allerdings, ihre eigenen Anteile zu verwässern: Der Bund steigt über eine Kapitalerhöhung mit 300 Millionen Euro bei Lufthansa ein und erhält damit 20 Prozent der Anteile. Dafür bekommt das Unternehmen bis zu drei Milliarden Euro Kredit der staatlichen Förderbank KfW und 5,7 Milliarden Euro an Stillen Einlagen. Am Ende stimmten die Anleger mit überwältigender Mehrheit von 98,04 Prozent zu, allerdings beteiligten sich weniger als 40 Prozent des stimmberechtigten Kapitals an der entscheidenden Abstimmung.

Nun hoffen Konzern und Anleger, dass die versprochenen Hilfen schnell kommen. "Das Geld aus dem Kfw-Kredit soll schnellstmöglich fließen", sagte ein Lufthansa-Sprecher am Freitag. Das Nachrichtenmagazin Spiegel hatte ebenfalls berichtet, dass die Bundesregierung einen Teil der insgesamt neun Milliarden Euro schnell zur Verfügung stellen werde. Das Bundeswirtschaftsministerium habe vorab mit der KfW geklärt, dass die vereinbarten drei Milliarden Euro Kredit ab sofort fließen können.

Auch die Konkurrenz von Lufthansa braucht Unterstützung, um die Corona-Krise zu überstehen: Am Freitag wurde bekannt, dass die niederländische KLM Royal Dutch Airlines staatliche Kredite von insgesamt 3,4 Milliarden Euro bekommt. Der Verwaltungsrat der Fluggesellschaft habe das Hilfspaket der Niederlande akzeptiert, teilte KLM mit. Damit erhält der Luftfahrtkonzern Air France-KLM in der Corona-Krise Finanzhilfen von über zehn Milliarden Euro, die entweder direkt vom Staat kommen oder staatlich abgesichert werden. Frankreich hilft der Schwestergesellschaft Air France mit sieben Milliarden Euro. KLM hat sich in den Niederlanden im Gegenzug verpflichtet, die Dividendenzahlungen an die Aktionäre auszusetzen, bis die Darlehen zurückgezahlt sind. Die Staatshilfen müssen noch von der Europäischen Kommission und dem niederländischen Parlament abgesegnet werden.

© SZ vom 27.06.2020

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