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Luftfahrtkonzern:Airbus plant Sparprogramm

Airbus Group Chief Executive Tom Enders listens during a news conference on the aerospace group's annual results, in London

Es wird zu viel doppelt gearbeitet: Konzernchef Tom Enders will für mehr Transparenz bei Airbus sorgen.

(Foto: Hannah McKay/Reuters)

Das Unternehmen hat Probleme, Lieferanten liefern zu spät, Flugzeuge werden nicht fertig. Chef Enders will nun auch die Struktur des Konzerns ändern.

Der europäische Luftfahrtkonzern Airbus nähert sich offenbar einer Entscheidung über sein konzernweites Sparprogramm. Airbus Group-Chef Tom Enders sagte bei einer Veranstaltung des Unternehmens in Toulouse, es gehe nicht nur um Effizienz auf der Arbeitsebene, sondern auch um Unternehmensstrukturen und die Konzernzentrale. Weitere Details nannte er nicht.

Airbus hat derzeit mit mehreren Großbaustellen zu kämpfen, die massiv auf den Gewinn drücken. Immer neue Probleme beim Bau des Militärtransporters A400M machen das Programm immer teurer, gerade erst musste das Unternehmen deswegen weitere Rückstellungen bilden. Doch auch im lange boomenden zivilen Geschäft läuft es derzeit nicht mehr rund: Die Produktion des größten Zivilflugzeuges, des Airbus A380, muss in den kommenden Jahren mehr als halbiert werden, weil die Nachfrage so schwach ist. Gleichzeitig kämpft der Flugzeugbauer beim neuen Langstreckenjet A350 mit dem Zeitplan, hauptsächlich wegen verspäteter Lieferanten. Auch das neue Kurz- und Mittelstreckenflugzeug A320neo bereitet Sorgen - vor allem wegen des Triebwerksherstellers Pratt & Whitney: Zuerst mussten die Motoren modifiziert werden, jetzt kommt Pratt mit dem Bau nicht mehr hinterher und hat gerade angekündigt, statt 200 in diesem Jahr nur noch 150 Stück ausliefern zu können.

Lieferanten liefern zu spät oder zu wenig: Flugzeuge werden nicht fertig

Airbus dementierte einen Bericht der Financial Times, demzufolge es sich um ein völlig neues Sparprogramm handele. Vielmehr gehe es um Pläne, die schon länger in Arbeit seien und nichts mit den aktuellen Themen wie A350 oder A400M zu tun hätten. Ziel sei eine grundlegende Modernisierung des Unternehmens, die Produktion und Vertrieb digitalisiere. Dadurch sollten die Kosten reduziert werden, andererseits erhofft sich Konzernchef Enders aber auch mehr interne Transparenz bei Forschung und Entwicklung: Die Mitarbeiter sollen in die Lage versetzt werden, schneller Informationen über ihre Projekte auszutauschen und sich auch über die Grenzen der einzelnen Tochtergesellschaften hinaus gegenseitig zu helfen. Enders kritisierte schon im Frühjahr, dass es immer noch zu viel doppelt gearbeitet werde.

Enders arbeitet schon länger an zentraleren Strukturen, durch die er und die Konzernführung einen besseren Durchgriff in die einzelnen Divisionen bekommen sollen. Deswegen sind die Pläne auch intern nicht immer unumstritten.

Laut FT soll das Programm schon Ende September vom Verwaltungsrat abgesegnet werden. Das Unternehmen wollte dies nicht bestätigen. Enders deutete aber an, dass das Projekt auch Arbeitsplätze kosten könne: "Wenn es um Effizienz und Synergien geht, kann man nichts ausschließen", so der Konzernchef. Das Unternehmen plant dem Vernehmen nach, in den nächsten Wochen die Gewerkschaften in Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Spanien über die Details des Programmes zu informieren.