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Luftfahrt:Ryanair attackiert die Lufthansa

Ryanair in Deutschland

Flugzeuge der Billig-Airline Ryanair sollen bald auch am Frankfurter Flughafen landen.

(Foto: dpa/Thomas Frey)
  • Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair will künftig auch am Frankfurter Flughafen eigene Flugzeuge stationieren.
  • Es ist der nächste Angriff auf die Lufthansa. Sie dominiert bislang die großen deutschen Flughäfen.

Der irische Billigflieger Ryanair setzt an zu einem weiteren Schritt im Kampf gegen die Lufthansa. Der Billigflieger aus Dublin will nun auch dort starten und landen, wo der deutsche Marktführer sein wichtigstes Verkehrszentrum hat: in Frankfurt. Der dortige Flughafenbetreiber Fraport und Ryanair kündigten am Dienstag eine gemeinsame Pressekonferenz für Mittwochvormittag an.

Nach Brancheninformationen will Ryanair ein Flugangebot von Frankfurt aus vorstellen. Damit kommt der Billigcarrier der Lufthansa, die ohnehin schon lange unter hohen Kosten leidet, noch näher als bisher.

Lange war es der Lufthansa gelungen, sich die drängenden Konkurrenten wie Ryanair in Frankfurt vom Leib zu halten. Bisher meidet Ryanair ebenso wie viele andere Billigflieger den Frankfurter Flughafen. Als Grund dafür hatten die Iren die im Vergleich zu anderen Airports deutlich höheren Gebühren genannt. Dem Vernehmen nach will Ryanair zunächst zwei Flugzeuge in Frankfurt stationieren, die als erste Ziele Palma de Mallorca und das südspanische Alicante anfliegen sollen. Die Iren profitierten dabei von einem Rabatt den Fraport inzwischen neu hinzukommenden Kunden gewährt.

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Die Billigflieger ziehen sich von den kleinen Flughäfen zurück

Wann und mit welchem konkreten Flugangebot Ryanair antritt, blieb in den Einladungen noch offen. Zu den Plänen von Ryanair wollten sich sowohl die Fluggesellschaft als auch die Frankfurter Flughafengesellschaft Fraport nicht äußern. Unternehmensvertreter wiesen stattdessen auf die Pressekonferenz am Mittwoch hin. Bei der Lufthansa hieß es: "Wir äußern uns dazu vorerst nicht". Man will offenbar die Aussagen von Ryanair am Mittwoch abwarten. Die Börse nimmt die Kampfansage von Ryanair an die Lufthansa offenbar ernst. Der Aktienkurs der Kranich-Airline büßte am Dienstag mehr als ein Prozent ein und verlor stärker als der Gesamtmarkt.

Der Kampf der Iren gegen die Lufthansa läuft schon lange. Doch bisher hat sich die Billiglinie noch von den ganz großen Flughafenzentren ferngehalten. Ryanair, die auf dem deutschen Markt in etwa einen Marktanteil von fünf Prozent hat, fliegt in Deutschland bevorzugt kleinere Flughäfen an. So biete Ryanair Flüge vom Flughafen Hahn aus an, der vom Flughafen Frankfurt etwa 100 Kilometer entfernt liegt. Außerdem bietet Ryanair Flüge von Baden-Baden an, von Bremen, Berlin-Schönefeld, Dortmund oder Düsseldorf Weeze.

Mit dem Plan, demnächst in Frankfurt zu landen, fordern die Iren die Lufthansa an deren wichtigstem Drehkreuz heraus. Am Montag hatte Ryanair schon mitgeteilt, die Fluggesellschaft wolle demnächst auch in Hamburg eine sogenannte Basis gründen, also den Flughafen Fuhlsbüttel nicht nur anfliegen, sondern dort auch Flugzeuge fest stationieren. An ihrem zweiten Drehkreuz in München muss sich die Lufthansa bereits mit der Billigkonkurrenz von Easyjet und Transavia, einer Tochter von Air France-KLM, auseinandersetzen. "Wir bemerken, dass sie sich auf größere Standorte konzentrieren und sich von den kleinen Flughäfen zurückziehen", sagt Peter Berster vom DLR-Institut für Flughafenwesen und Luftverkehr über die Billigflieger. "Wer größere Marktanteile in einem Land erreichen will, muss an die großen Märkte."

Die Lufthansa versucht, ihre Kosten zu reduzieren

Ryanair-Chef Michel O'Leary, der den irischen Preisbrecher seit mehr als 20 Jahren führt und als der Wirbelwind in der Branche gilt, will offenbar auch eine Schwäche der etablierten Airlines nutzen. Diese brächten den Flughäfen kein Wachstum mehr. "Deshalb machen sie jetzt mit uns Geschäfte", sagt der Mann, der Ryanair erfolgreich machte.

Bei der Lufthansa herrscht dem Vernehmen nach einige Verstimmung über die Bereitschaft der Frankfurter Flughafengesellschaft, neue Kunden wie Ryanair mit besonderen Rabatten anzulocken. Der Lufthansa-Führung stößt unangenehm auf, dass das hessische Verkehrsministerium als Aufsichtsbehörde des Flughafens der neuen Preispolitik zugestimmt habe. Mit dem Rabatt für Neukunden würden diejenigen bestraft, die seit 60 Jahren dem Frankfurter Flughafen die Treue hielten und weit mehr als die Hälfte aller Starts und Landungen abwickelten.

Der frühere Staatskonzern muss sich seit Jahren mit wachsendem Wettbewerb auseinandersetzen, der zu starkem Preisdruck führt. Die Lufthansa steht deshalb in harten Verhandlungen mit ihren Piloten über günstigere Gehälter. Ihre Tochtergesellschaften Eurowings und Germanwings liegen im Tarifstreit mit dem Kabinenpersonal.

© SZ vom 02.11.2016/jps
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