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Luftfahrt:MTU hofft auf Boeing-Auftrag

Bavarian Governor Seehofer Visits MTU Aero Engines Factory

Das deutsche Unternehmen MTU profitiert vom zunehmenden Flugverkehr. Hier eine Turbine im Münchner Werk.

(Foto: Johannes Simon/Getty)

Der Triebwerkshersteller könnte von einer neuen Baureihe profitieren.

Der Münchner Triebwerkshersteller MTU Aero Engines setzt darauf, gemeinsam mit dem amerikanischen Kooperationspartner Pratt & Whitney Motoren für das von Boeing geplante New Midmarket Airplane (NMA) zu bauen. MTU-Chef Reiner Winkler zufolge bieten Pratt und MTU eine größere Version des sogenannten Geared Turbofan (GTF) an, die auch die neueste Generation der Airbus A320-Familie antreibt.

Der US-Flugzeughersteller Boeing könnte noch in diesem Jahr eine neue Baureihe starten, die von der Größe her zwischen den klassischen Kurzstrecken- und den Großraumflugzeugen angesiedelt sind. Der Konzern rechnet mit einem Bedarf von 2000 bis 3000 Maschinen über die nächsten 20 Jahre. Damit lägen die Stückzahlen zwar unter denen der A320neo oder Boeing 737, sie wären aber weit größer als bei Langstreckenjets und würden der MTU weitere Wachstumschancen eröffnen. Idealerweise würde nur ein Triebwerkshersteller die NMA-Reihe ausrüsten, so Winkler. Sollten zwei konkurrierende Motoren angeboten werden, müsse man sich den Business Plan genau anschauen.

Das Unternehmen befindet sich sowieso auf starkem Wachstumskurs und hat seine eigenen Ziele übertroffen. Im vergangenen Geschäftsjahr 2018 legte es sowohl beim Umsatz als auch beim operativen Gewinn um jeweils 17 Prozent auf knapp 4,6 Milliarden respektive 671 Millionen Euro zu. Die Aktionäre erwartet nun eine von 2,30 auf 2,85 Euro erhöhte Dividende.

Für 2019 rechnet MTU damit, dass das zivile Seriengeschäft mit mehr als zehn Prozent wächst, aber auch die Militärsparte soll um zehn Prozent größer werden. Die jüngst angekündigten höheren Produktionsraten bei Airbus von 60 auf 63 Flugzeuge pro Monat im Jahr 2021 könne MTU mittragen, so Winkler. Auch eine monatliche Rate von 70 Maschinen sei bis 2022 oder 2023 machbar. MTU liefert wichtige Komponenten für das PW1100G-Triebwerk, welche die Airbus-Jets antreiben. Ein Drittel der Motoren werden am Stammsitz der MTU in München montiert.

Noch im ersten Halbjahr 2019 will das Unternehmen entscheiden, wo ein weiteres Werk für die Komponentenwartung entstehen soll. Drei Standorte in Süd- und Südosteuropa sind in der Endauswahl. Anfangs sollen dort etwa 300 bis 400 Arbeitsplätze geschaffen werden. MTU erzielt mehr als 60 Prozent des Umsatzes mit der Instandhaltung von zivilen Triebwerken.

Winkler sieht aber auch weiteres Wachstum im Verteidigungsbereich, zumal, wenn das von Frankreich und Deutschland geplante Kampfflugzeug Realität wird. MTU hatte sich für das Projekt mit dem französischen Hersteller Safran auf eine Kooperation geeinigt, Vorstudien sollen im Sommer starten.